Übersetzungen zum Thema Ukraine
Sehr geehrte Frau Limbach,
vielen Dank für die Übersetzung und Veröffentlichung dieses Textes von Vitaly Portnikov. Der Beitrag macht deutlich, wie tief die Wunden des Krieges reichen und wie sehr historische Bilder und Symbole heute erneut politisch aufgeladen werden.
Gerade deshalb halte ich es jedoch für wichtig, zwischen berechtigter Kritik an der Politik des Kremls, am Angriffskrieg gegen die Ukraine und einer pauschalen kulturellen oder zivilisatorischen Verurteilung ganzer Völker zu unterscheiden.
Die Erinnerung an die Zerstörung Kyivs im 13. Jahrhundert und die Instrumentalisierung historischer Figuren wie Subedei oder Batu können durchaus Anlass zur Sorge geben. Dennoch sollte Geschichte nicht dazu dienen, heutige Menschen kollektiv zu entmenschlichen oder ihnen eine angeblich unveränderliche „imperiale Natur“ zuzuschreiben. Solche Deutungen bergen die Gefahr, neue Feindbilder zu schaffen, anstatt Wege zu Frieden, Verantwortung und Verständigung offen zu halten.
Auch in Russland, in Tuwa und in anderen Regionen gibt es Menschen, die diesen Krieg ablehnen, leiden oder selbst keine freie Stimme haben. Kritik an Machtstrukturen und Kriegsverbrechen ist notwendig — aber sie sollte die Würde des Menschen bewahren und nicht in kulturelle Verachtung umschlagen.
Besonders nachdenklich macht mich der Gedanke, dass historische Traumata heute erneut genutzt werden, um Hass und Zerstörung zu legitimieren. Vielleicht wäre gerade jetzt ein anderer Weg notwendig: einer, der Wahrheit benennt, Opfer schützt, Verantwortung fordert — aber dennoch den Gedanken an gemeinsame Menschlichkeit nicht aufgibt.
Mit respektvollen Grüßen
Hans Gamma
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