Montag, 15. Juni 2026
Das Gegenüber
Es ist mir tagtäglich fast ein unlösbares Rätsel, ein großes Geheimnis, das mich nicht loslässt. Es ist nicht aus starkem Willen, dass ich mich in das Unvollkommene wage, nicht bis ins letzte ergründbare der Gegensätze meiner eigenen Natur. Das Weibliche ruft mich, und ich frage mich, ob ich „Ihr“ richtig zuhören kann, ob „Sie“ mich meint, um dem inneren Drama der Widersprüche mit Respekt zu begegnen. Das Innerste des Gegenübers zieht mich tagtäglich, ob ich will oder nicht, in einen unauflöslichen Bann.
Im Sozialamt
Im Sozialamt bittet
ein Mann am Schalter
um ein neues Hemd
der Raum füllt sich
mit bedürftigen Menschen,
die ihrerseits ihre Bitte vortragen
ein Beamter stellt
die beantragten Dinge
vor dem Schalter
auf den Boden,
auch einen hellgrauen Stiefel,
anstatt dem Hemd,
der genau an die Füße des Mannes passt
zwischen den Dingen
findet er auch den zweiten
seine Schuhe findet er nicht wieder
es ist schon spät
in einem entfernten Stadtteil
sollte er in zehn Minuten
den vereinbarten Termin
bei einem Arzt anwesend sein
der Beamte kommt auf ihn zu
er will ihm
Indem er die Stiege
in den Untergrund hinab zeigt,
noch auf weitere wichtige Habseligkeiten aufmerksam machen
er sei in Eile,
er werde auf sein Angebot zurückkommen.
Ohne die Schuhe geht er barfuß zur Transaktion.
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