Mittwoch, 20. Mai 2026

Machträume


Machträume


 Sehr geehrter Herr Merlin A.,

vielen Dank für Ihren differenzierten Beitrag über die zunehmende Unbeliebtheit westlicher Regierungen. Sie sprechen ein reales und ernstzunehmendes Problem an: das sinkende Vertrauen vieler Bürger in politische Institutionen und die zunehmende Emotionalisierung öffentlicher Debatten.

Besonders zutreffend erscheint Ihre Analyse der sozialen Medien als Verstärker von Empörung, Polarisierung und kurzfristigen Erregungswellen. Tatsächlich belohnen viele Plattformen nicht Sachlichkeit oder Nuancen, sondern Zuspitzung, Wut und Vereinfachung. Dadurch entsteht ein politisches Klima, in dem differenzierte Regierungsarbeit kaum noch sichtbar wird.

Dennoch halte ich einige Aspekte Ihrer Argumentation für ergänzungsbedürftig.

Zum einen greift die Erklärung über soziale Medien allein meines Erachtens zu kurz. Das Misstrauen gegenüber Regierungen hat auch tiefere gesellschaftliche Ursachen: steigende Lebenshaltungskosten, Unsicherheit durch globale Krisen, zunehmende soziale Ungleichheit sowie das Gefühl vieler Menschen, politisch nicht mehr wirklich repräsentiert zu werden. Viele Bürger erleben Politik heute als reaktiv statt gestaltend.

Zum anderen erscheint die Bewertung einzelner politischer Maßnahmen als „Erfolge“ nicht unumstritten. Gerade Themen wie Bürgergeld, Heizungsregelungen oder Migrationspolitik werden in der Bevölkerung sehr unterschiedlich beurteilt. Dass die Zustimmung zur Regierung trotz einzelner Entscheidungen niedrig bleibt, könnte auch Ausdruck davon sein, dass viele Menschen keine langfristige politische Richtung mehr erkennen.

Besonders vorsichtig wäre ich jedoch bei Forderungen nach Eingriffen in Algorithmen oder einer stärkeren Steuerung digitaler Informationsräume. So nachvollziehbar die Sorge über Polarisierung ist, so wichtig bleibt auch der Schutz von Meinungsfreiheit und pluralistischer Debatte. Wer definiert letztlich, welche Inhalte „zu emotional“, „zu polarisierend“ oder „demokratieschädlich“ sind? Hier besteht die Gefahr, dass gut gemeinte Regulierung selbst neues Misstrauen erzeugt.

Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung weniger in der technischen Regulierung öffentlicher Debatten als vielmehr darin, politische Glaubwürdigkeit, Transparenz und echte Bürgernähe wiederherzustellen. Demokratie lebt nicht nur von der Begrenzung von Erregung, sondern vor allem vom Vertrauen der Menschen, gehört und ernst genommen zu werden.

Ihr Beitrag liefert hierzu einen wichtigen Diskussionsanstoß.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

Im Gegenlicht

Im Gegenlicht


 Sehr geehrter Herr K. Adam,

vielen Dank für diesen differenzierten und intellektuell anspruchsvollen Beitrag. Besonders hervorzuheben ist, dass Sie Franziska Brantners Rede nicht reflexhaft parteipolitisch einordnen, sondern als ernsthaften Versuch würdigen, die europäische Frage sicherheits- und demokratiepolitisch neu zu denken.

Tatsächlich steht Europa vor einer historischen Zäsur: Die USA ziehen sich zunehmend aus ihrer bisherigen Rolle als garantierende Schutzmacht zurück, Russland führt einen imperialen Krieg gegen die Ukraine, und innerhalb Europas wachsen nationalistische und autoritäre Kräfte. Vor diesem Hintergrund ist die Debatte über eine stärkere europäische Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur legitim und notwendig.

Ebenso wichtig ist jedoch Ihre zentrale Frage: Wie kann verhindert werden, dass eine militärisch stärkere Bundesrepublik Deutschland erneut Ängste vor deutscher Dominanz auslöst? Die historische Sensibilität, die Brantner hier einfordert, verdient ernsthafte Beachtung. Gerade Deutschlands Geschichte verpflichtet zu besonderer Zurückhaltung, Transparenz und konsequenter europäischer Einbindung.

Kritisch sehe ich allerdings, dass der Artikel an einigen Stellen die gegenwärtige politische Polarisierung sehr stark zuspitzt. Die Sorge über rechtsextreme Entwicklungen ist berechtigt und notwendig. Dennoch sollte man vermeiden, große Teile der Bevölkerung pauschal moralisch zu delegitimieren oder politische Konflikte ausschließlich als Kampf zwischen „Demokraten“ und „Feinden der Demokratie“ zu beschreiben. Demokratie lebt gerade auch davon, kontroverse Positionen argumentativ auszuhalten und gesellschaftliche Spannungen politisch zu bearbeiten, statt sie nur moralisch zu bewerten.

Zudem bleibt eine entscheidende Frage offen: Wie demokratisch legitimiert wäre eine tief integrierte europäische Verteidigungsunion tatsächlich? Wenn militärische Entscheidungen zunehmend supranational getroffen werden, braucht es auch eine deutlich stärkere demokratische Kontrolle auf europäischer Ebene. Sonst entsteht die Gefahr, dass Bürgerinnen und Bürger den Eindruck verlieren, über zentrale Fragen von Krieg, Frieden und Sicherheit noch ausreichend mitbestimmen zu können.

Dennoch ist es sehr verdienstvoll, dass Ihr Beitrag die europäische Debatte wieder auf eine größere historische und philosophische Ebene hebt. Gerade in Zeiten permanenter Empörung und kurzfristiger Schlagzeilen fehlt häufig genau diese Perspektive.

Europa wird seine Zukunft weder durch nationalen Rückzug noch durch technokratische Zentralisierung gewinnen, sondern nur durch eine demokratisch legitimierte Zusammenarbeit souveräner Staaten, die sich ihrer gemeinsamen Geschichte ebenso bewusst sind wie ihrer gemeinsamen Verantwortung.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

form7

 form7


Sehr geehrter Herr Mersmann,

Ihr Beitrag enthält einige berechtigte Hinweise auf die Gefahren einer fortgesetzten Eskalation des Krieges in der Ukraine sowie auf wirtschaftliche Interessen, die mit geopolitischen Konflikten verbunden sein können. Gerade die Forderung nach ernsthaften diplomatischen Initiativen verdient Aufmerksamkeit. Dennoch halte ich zentrale Aussagen Ihres Textes für problematisch, historisch verkürzt und teilweise sachlich nicht haltbar.

Die Darstellung, der russische Angriffskrieg sei im Wesentlichen eine Folge westlicher Politik oder gar eines „lancierten Putsches“, blendet die Eigenverantwortung Russlands aus. Der Euromaidan 2013/14 war zunächst eine breite Protestbewegung vieler Ukrainerinnen und Ukrainer gegen Korruption, Machtmissbrauch und die Abkehr von einem bereits vorbereiteten EU-Assoziierungsabkommen. Dass westliche Politiker dabei Einfluss ausüben wollten, ist unstrittig – daraus jedoch einen vollständig von außen gesteuerten Staatsstreich abzuleiten, wird den komplexen historischen Vorgängen nicht gerecht.

Ebenso problematisch erscheint die Behauptung, die EU oder die NATO hätten offiziell das Ziel formuliert, Russland „zerschlagen und in kleinere Einheiten aufteilen zu wollen“. Für eine solche Aussage existiert keine belastbare Grundlage in offiziellen Beschlüssen oder Erklärungen europäischer Institutionen. Kritik an der russischen Regierungspolitik oder Unterstützung der Ukraine sind nicht gleichzusetzen mit einem Vernichtungsziel gegenüber Russland als Staat.

Auch die Formulierung, Präsident Selenskyj besitze „kein demokratisches Votum mehr“, bedarf der Einordnung. Die ukrainische Verfassung erlaubt unter Kriegsrecht keine regulären Präsidentschaftswahlen. Dies ist politisch diskutierbar, bedeutet aber nicht automatisch den Verlust jeder demokratischen Legitimation. Gerade in Kriegszeiten sind demokratische Standards schwer aufrechtzuerhalten – dies gilt historisch für viele Staaten.

Richtig ist dagegen, dass Kriege immer auch wirtschaftliche Interessen erzeugen: für Energieunternehmen, die Rüstungsindustrie oder einzelne Industriezweige. Darüber offen zu sprechen, ist notwendig. Daraus darf jedoch nicht der Schluss gezogen werden, der Krieg werde ausschließlich aus Profitinteressen geführt oder die Sicherheitsbedenken osteuropäischer Staaten seien bloße Inszenierung. Viele Länder Mittel- und Osteuropas betrachten Russland aufgrund historischer Erfahrungen tatsächlich als Bedrohung.

Frieden wird langfristig weder durch reine Militärlogik noch durch propagandistische Schuldzuweisungen entstehen. Voraussetzung dafür wäre jedoch zunächst die Anerkennung, dass der Angriff auf die Ukraine völkerrechtswidrig war – unabhängig davon, welche Fehler der Westen zuvor gemacht hat. Diplomatie braucht Realismus, aber auch die Bereitschaft, Verantwortung auf allen Seiten differenziert zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

LASS ES FUNKEN


LASS ES FUNKEN


 Sehr geehrte Frau Charle Helen,

Ihr Beitrag „Die grüne Tür“ beschreibt eindrucksvoll die Angst vor Sinnlosigkeit, Krieg, Machtgier und innerer Leere. Besonders stark ist die Bildsprache der „polierten Hölle“ – einer Welt, die äußerlich ordentlich und glänzend wirkt, innerlich jedoch von Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Viele Menschen kennen tatsächlich das Gefühl, in Routinen, Leistungsdruck, Konflikten oder gesellschaftlicher Entfremdung gefangen zu sein. Insofern berührt Ihr Text existentielle Fragen, die Menschen seit Jahrhunderten beschäftigen.

Gerade deshalb erscheint es wichtig, zwischen persönlicher Glaubensdeutung, literarischer Symbolik und objektiver Wahrheit sorgfältig zu unterscheiden. Der Text vermittelt stellenweise den Eindruck, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: entweder die völlige Annahme einer bestimmten religiösen Vorstellung oder ewige Verdammnis. Diese Sichtweise kann bei empfindsamen Menschen Angst, Schuldgefühle oder psychischen Druck auslösen – insbesondere wenn ihnen suggeriert wird, ihr Leben sei ohne eine konkrete Glaubensentscheidung letztlich wertlos oder führe zwangsläufig in eine „Hölle“.

Auch die pauschale Darstellung von Wissenschaft, Politik oder menschlicher Arbeit als grundsätzlich sinnlos erscheint problematisch. Viele Menschen versuchen in diesen Bereichen ehrlich, verantwortungsvoll und mit Mitgefühl zu handeln: Ärzte retten Leben, Wissenschaftler bekämpfen Krankheiten, Lehrer bilden Kinder aus, Friedensaktivisten verhindern Gewalt. Natürlich gibt es Fehlentwicklungen, Machtmissbrauch und menschliche Abgründe – doch daraus folgt nicht, dass alles menschliche Bemühen vergeblich wäre.

Zudem sollte bedacht werden, dass die Vorstellung einer ewigen Hölle innerhalb des Christentums selbst unterschiedlich interpretiert wird. Zahlreiche Theologen verstehen biblische Bilder von Himmel und Hölle symbolisch oder als Ausdruck innerer Gottesferne, nicht als detaillierte Beschreibung eines buchstäblichen Ortes ewiger Qual. Andere betonen stärker Gottes Barmherzigkeit, Liebe und die Freiheit des Menschen statt Angst vor Strafe.

Positiv hervorzuheben ist jedoch Ihr Appell zu Liebe, Vergebung und Mitmenschlichkeit. Der abschließende Gedanke, dass Menschen lernen sollen zu lieben und andere glücklich zu machen, enthält einen wichtigen humanen Kern. Vielleicht wäre es hilfreich, diesen Aspekt stärker in den Mittelpunkt zu stellen als die Drohung mit Angstbildern. Menschen werden langfristig eher durch Mitgefühl, Hoffnung und Wahrhaftigkeit bewegt als durch Furcht.

Ein respektvoller Glaube sollte Raum für Fragen, Zweifel und unterschiedliche Lebenswege lassen. Niemand besitzt die vollständige Wahrheit über das Jenseits. Gerade deshalb braucht es Demut, Menschlichkeit und einen achtsamen Umgang mit den Ängsten anderer Menschen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

WIND STRICHE

WIND STRICHE

 Sehr geehrter Verfasser,

Ihr Text entfaltet eine sprachlich beeindruckende und philosophisch dichte Interpretation von Dostojewskis „Traum eines lächerlichen Menschen“. Besonders stark ist Ihre Analyse der Verdinglichung des Bewusstseins und der zerstörerischen Dynamik eines entfremdeten Menschen, der selbst das Paradies nur noch durch die Kategorien von Herrschaft, Eigentum und Schuld wahrnehmen kann. Die Verbindung zur „Dialektik der Aufklärung“ ist nachvollziehbar und eröffnet einen produktiven Deutungsraum.

Dennoch scheint mir Ihre Lesart an einem entscheidenden Punkt zu einseitig pessimistisch. Dostojewski beschreibt den Menschen nicht ausschließlich als Träger einer historischen Kontamination, sondern zugleich als Wesen mit der Fähigkeit zur Umkehr. Gerade die Lächerlichkeit der Hauptfigur enthält bei ihm nicht nur Ohnmacht, sondern auch Wahrheit gegen den Zynismus der Welt. Der „Narr“ ist in der russischen Tradition oft jener, der durch gesellschaftliche Ausgrenzung eine tiefere moralische Einsicht bewahrt.

Auch die Aussage, die Welt habe „verlernt, grausam zu sein – und nennt das Fortschritt“, wirkt problematisch. Unsere Gegenwart ist keineswegs frei von Grausamkeit; sie erscheint nur häufig technokratischer, bürokratischer und unsichtbarer. Fortschritt pauschal als Verfallsgeschichte zu lesen, unterschätzt die realen historischen Errungenschaften menschlicher Entwicklung: die Zurückdrängung offener Gewalt, soziale Rechte, medizinischen Fortschritt oder die Idee universeller Menschenwürde.

Zudem bleibt fraglich, ob die Predigt der Liebe tatsächlich bloß „erbauliche Phrase“ ist. Ohne konkrete gesellschaftliche Veränderungen bleibt Moral wirkungslos – das stimmt. Aber umgekehrt verlieren auch politische und materielle Veränderungen ihren menschlichen Sinn, wenn jede Vorstellung von Mitgefühl, Gewissen und Verantwortung als bloßer Idealismus verworfen wird. Gerade Dostojewski bewegt sich doch in dieser Spannung zwischen sozialer Realität und innerer Verwandlung.

Vielleicht liegt die eigentliche Stärke der Erzählung weniger in der totalen Hoffnungslosigkeit als in der unbequemen Einsicht, dass der Mensch zugleich zerstören und erkennen kann – und dass jede Zivilisation immer wieder vor der Entscheidung steht, welche Seite sie nähren will.

Vielen Dank für diesen anregenden Beitrag.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

LASS ES FUNKEN


LASS ES FUNKEN

Sehr geehrte Verfasserin,

vielen Dank für diesen ausführlichen und engagierten Beitrag über Pfingsten und die Bedeutung des Heiligen Geistes. Besonders wertvoll finde ich die Erinnerung daran, dass Mut, Hoffnung, Liebe und innere Erneuerung zentrale Elemente christlichen Glaubens sein sollten — nicht Macht, Überheblichkeit oder Verurteilung anderer Menschen.

Gerade die Geschichte von Petrus zeigt für mich etwas sehr Menschliches: Ein fehlbarer, ängstlicher Mensch wird nicht durch Gewalt oder Fanatismus verändert, sondern durch Vergebung, Erkenntnis und Verantwortung. Das ist vielleicht eine der wichtigsten Botschaften des Evangeliums.

Zugleich denke ich, dass man heute sehr vorsichtig sein muss, wenn religiöse Überzeugungen mit dem Anspruch verbunden werden, allein im Besitz der Wahrheit zu sein oder andere „bekehren“ zu müssen. Die Geschichte zeigt leider, dass Religion nicht nur Trost und Hoffnung gebracht hat, sondern auch zur Rechtfertigung von Ausgrenzung, Machtmissbrauch und Intoleranz benutzt wurde. Deshalb sollte die Verkündigung des Glaubens immer mit Demut, Mitgefühl und Respekt gegenüber Andersdenkenden verbunden sein.

Die „Frucht des Geistes“, die Sie aus Galater 5 zitieren — Liebe, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Selbstbeherrschung — erscheint mir dabei wichtiger als jede laute religiöse Selbstdarstellung. Dort, wo Menschen einander menschlich begegnen, Schwache schützen, ehrlich handeln und Frieden stiften, wird der Geist Gottes vielleicht glaubwürdiger sichtbar als in großen Worten allein.

Pfingsten kann deshalb auch als Erinnerung verstanden werden, Brücken zwischen Menschen zu bauen, statt neue Trennungen zu schaffen — besonders in einer Zeit voller Angst, Polarisierung und gesellschaftlicher Spannungen.

Vielen Dank für die Gedanken und den Anlass zur Reflexion.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

Übersetzungen zum Thema Ukraine


Übersetzungen zum Thema Ukraine


 Frau Viktoriya Limbach,

vielen Dank für die Übersetzung und Veröffentlichung des Beitrags von Vitaly Portnikov. Der Text beschreibt nachvollziehbar die Sorge vieler Menschen in Osteuropa vor einer weiteren Eskalation des Krieges und erinnert daran, wie gefährlich propagandistische Rechtfertigungen für militärische Schritte werden können.

Dennoch erscheint es wichtig, zwischen berechtigter Warnung und spekulativer Zuspitzung zu unterscheiden.

Dass russische Staatsorgane narrative Konstruktionen verwenden, um eigenes Handeln zu legitimieren, lässt sich historisch und aktuell durchaus belegen. Auch die Behauptung, NATO-Staaten würden direkt Angriffe auf Russland koordinieren, gehört seit Jahren zur bekannten Rhetorik des Kremls. Daraus jedoch bereits eine konkrete Vorbereitung eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs auf Lettland abzuleiten, bleibt bislang eine politische Interpretation und keine gesicherte Tatsache.

Gerade in Zeiten maximaler Spannung sollte Journalismus — ebenso wie politische Analyse — sorgfältig darauf achten, Befürchtungen nicht unbeabsichtigt in Gewissheiten zu verwandeln. Denn Angst ist inzwischen selbst zu einer strategischen Waffe geworden: für autoritäre Regime ebenso wie für mediale Mobilisierung.

Richtig ist allerdings auch: Die baltischen Staaten befinden sich objektiv in einer sicherheitspolitisch sensiblen Lage. Hybride Kriegsführung, Desinformation, Grenzprovokationen und Drohnenzwischenfälle sind reale Risiken. Deshalb ist Wachsamkeit notwendig. Aber ebenso notwendig bleibt ein nüchterner Blick auf überprüfbare Fakten.

Besonders problematisch erscheint mir die zunehmende Gewöhnung an eine Sprache, in der militärische Konfrontation fast unausweichlich wirkt. Europa braucht heute mehr strategische Klarheit, Diplomatie und Besonnenheit — nicht zusätzliche Dynamiken der Angst.

Die größte Stärke demokratischer Gesellschaften besteht gerade darin, auch unter Bedrohung rational, rechtsstaatlich und differenziert zu bleiben.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

O mea uma lava ua opeopea ese

 Na pa'ū se tamaloloa lana api tusitusi i le vaitafe, ma mulimuli ane na pa'ū lana telefoni feavea'i. O mea uma e lua na opeopea ifo i le vaitafe.

Übersetzungen zum Thema Ukraine

Übersetzungen zum Thema Ukraine

 Sehr geehrte Frau Limbach,

vielen Dank für die Übersetzung und Veröffentlichung dieses ausführlichen Gesprächs mit Vitaly Portnikov. Der Text enthält viele wichtige Beobachtungen über den Charakter des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, insbesondere über die gezielten Angriffe auf zivile Infrastruktur, die Angstpolitik gegenüber der Bevölkerung und die demografischen Folgen von Krieg und Vertreibung. Dass Millionen Menschen ihre Heimat verlassen mussten und viele nicht mehr zurückkehren, ist eine menschliche Tragödie historischer Ausmaßes.

Gerade deshalb erscheint mir jedoch eine differenzierte Betrachtung notwendig.

Problematisch finde ich vor allem die Passage, in der über einen möglichen taktischen Atomschlag gesprochen wird und daraus die Schlussfolgerung gezogen wird, Russland könne eine „menschenleere Ukraine“ anstreben. Auch wenn die nukleare Rhetorik des Kremls seit Jahren verantwortungslos und gefährlich ist, sollte man vorsichtig sein, politische Analysen nicht in spekulative Totaldeutungen zu überführen. Zwischen zynischer Abschreckungsrhetorik und tatsächlicher Einsatzabsicht besteht ein erheblicher Unterschied. Eine Eskalation der Sprache darf nicht automatisch als Beweis für einen geplanten nuklearen Vernichtungskrieg interpretiert werden.

Ebenso halte ich historische und gesellschaftliche Verallgemeinerungen für problematisch. Wenn etwa große Teile der postsowjetischen Gesellschaften pauschal als „ungebildet“, „mystisch“ oder als Folge des „Oktoberputsches“ beschrieben werden, entsteht der Eindruck kultureller Überheblichkeit. Kritisches Denken ist wichtig — aber es sollte nicht dazu führen, ganze Gesellschaften herabzusetzen. Irrationale politische Entscheidungen, Personenkult oder Einfluss von Religion und Esoterik existieren keineswegs nur im postsowjetischen Raum.

Auch die geopolitischen Einschätzungen zu den USA, China und dem „unvermeidlichen Zusammenbruch des kollektiven Westens“ wirken eher wie politische Zuspitzung als wie nüchterne Analyse. Solche Formulierungen tragen wenig zur Verständigung bei und verstärken eher die globale Lagerbildung.

Trotz dieser Kritik bleibt der zentrale Punkt wichtig: Der Krieg zerstört nicht nur Städte und Infrastruktur, sondern auch Vertrauen, Zukunftsperspektiven und menschliche Bindungen. Gerade deshalb wäre es wertvoll, wenn öffentliche Debatten stärker zwischen notwendiger Kritik am Kreml, berechtigter Solidarität mit der Ukraine und pauschalisierenden kulturpolitischen Urteilen unterscheiden würden.

Vielen Dank nochmals für die Übersetzung und die Möglichkeit zur Diskussion.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

Autorenseite

Autorenseite 

Sehr geehrter Verfasser,

der Beitrag spricht einen wichtigen Punkt an: Wenn große Konzerne gesetzliche Regelungen offenbar bewusst ignorieren, entsteht bei vielen Bürgerinnen und Bürgern der Eindruck, dass wirtschaftliche Macht stärker ist als der Rechtsstaat. Das beschädigt das Vertrauen — nicht nur in Unternehmen, sondern auch in staatliche Kontrolle.

Gleichzeitig sollte man vorsichtig sein mit pauschalen Verurteilungen. Entscheidend ist nun, ob die Vorwürfe tatsächlich umfassend belegt sind und ob Behörden transparent, konsequent und rechtsstaatlich handeln. Ein funktionierender Rechtsstaat zeigt sich gerade darin, dass Regeln für alle gelten — für Bürger ebenso wie für milliardenschwere Konzerne.

Ebenso berechtigt ist die Sorge, dass mögliche Strafzahlungen am Ende indirekt auf Verbraucher abgewälzt werden. Deshalb braucht es wirksame Kontrollen, echte Transparenz im Energiemarkt und Sanktionen, die nicht einfach als „betriebswirtschaftliches Risiko“ einkalkuliert werden können.

Respekt vor dem Staat entsteht nicht durch harte Worte, sondern dadurch, dass Recht nachvollziehbar, fair und konsequent durchgesetzt wird.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

a fa ni pendere pëpe

 A yeke mû salade ti betterave na ndo ti ngbenda ni na ngu ti betterave ti rouge angoro ni kue.

Begor saṅgar se ḍraivạr.

 Grey gạḍiạ bus, oka re lekha ar ńutum ol akan, ona do̠ ḍạr seć seć te̠ye̠ ạgu akada.