Montag, 6. Oktober 2025

Im Kind ist nicht nichts.

Zitat: Thomas Hirsch-Hüffell

„Es geht …“

Ein Kind hat entdeckt, wie sich der Schnee zwischen seinen Händen verdickt und Formen bildet – je nachdem wie es ihn anfasst. Die Hände wärmen den Schnee, so dass er gefügig wird. Das Kind bildet aus einer Masse eine Kugel, rollt sie, die Kugel wird größer, und es entsteht ein eigenes Werk. Erst ist nichts, dann entsteht etwas mitten aus diesem Nichts. Zum Beispiel ein Spiel mit Schnee.

Natürlich ist Schnee ‚schon da’. Da ist nicht nichts. Immer ist schon etwas. Bei der Schöpfung, wie sie in der Bibel beschrieben wird, war ja auch etwas da. Finsternis, Urflut und Geist, der schwebt über all dem ‚tohuwabohu’, wie die hebräische Sprache diesen Zustand nennt, bevor sich bildet, was wir ‚Leben’ nennen. 

Natürlich ist etwas da, aber im Kind ist nichts, bevor es zum ersten Mal den Schnee formen lernt: Keine Idee nun gerade einen Ball zu formen. Es probiert. Formen ergeben sich. Bis plötzlich etwas ist, das es sich nicht erdacht hat. ‚Es geht’ – sagen die Großen dann, ja, siehst du, es geht. 

So beschreibt die Bibel z.B. Gottes Experimente, wenn er später dem ersten Menschen einen Partner geben will, ‚der ihm gleich sei’ : Erst gibt er ihm Tiere, aber mit denen  kann der Mensch nicht reden: Irrtum – passt nicht. Gott probiert also weiter. Nimmt einen Knochen aus Adam und macht daraus einen zweiten Menschen. Und siehe: ‚Es geht.’  

So wird man selig. Das ist ein großes Herzens-Glück, wenn etwas geht, aufgeht und nachher mehr da ist als vorher. Dabei lag alles Material bereit, nur eben noch nicht erschaffen. Noch hatte es nicht zu der Form gefunden, die unser Geist ahnte.

Das ist ein großes Geschenk. Wir können schaffen – ähnlich wie Gott. 

aus: ‘Gott schafft aus Nichts eine Welt’ AH und THH , Vandenhoeck


Kommentar:


Im Kind ist nicht nichts. Gott in uns. Kein Mensch ist wie Gott. Aus dem Keim entsteht neues Leben, in allen Kreaturen und im Menschen selbst.


Das Universum beherbergt leblose Dinge, die sich nach den Naturgesetzen verhalten.


Die Naturgesetze sind seit der Menschwerdung, die noch im Gange ist, in jedem Menschen, in seiner Seele verankert und festgelegt. 

Die Bahnfahrt

 Vor einem Hauptknotenpunkt der Bahn 
an dem der Mann umsteigen soll

sein Ziel auf einer Nebenstrecke erreichen will
hat er gegen Abend 
in einer Unterkunft
einen Schlafplatz 
neben einem anderen aufgesucht

mitten in der Nacht
weckt ihn der Nachbar
er sei ganz erregt
ob sie nicht beide
die anderen Männer
weiter oben besuchen wollten

der Mann greift unter die Bettdecke
mit der Vergewisserung
das sein Geldbeutel noch da ist

der Bettnachbar sagt 
es mache ihm nichts aus
wenn ihm Hab und Gut gestohlen wird

die Männer in den oberen Etagen
sie sind alle nackt 
miteinander beschäftigt

irgendwie versucht der Mann
von seinem Nachbar zu lösen
er entfernt sich 
aus dem dunklen sonderbaren Haus

am Morgen setzt er sich 
in den Nahverkehrszug
der den Hauptbahnhof 
im Eiltempo verlässt

der Fahrgastraum ist
mit wenigen Menschen besetzt

im Führerstand steht niemand
durch die Frontscheibe
kann die schnelle Fahrt 
durch die Nebenbahnhöfe 
beobachtet werden

von hinten schreit eine Frau
dass der Zug anhalten soll

draussen versuchen Menschen
in dem sie sich 
von der her Front nähern

ein Mann mit seinen Kindern 
und andere Menschen
im Laufschritt den Zug zu erreichen

eine Zugführerin auf dem Bahnsteig
hält den Zug an
sie lässt ihn rückwärts
auf ein Nebengeleise fahren

zur Weiterfahrt
es geht Bergauf
alle Passagiere müssen
im Innenraum helfen
sodass der Zug 
an Fahrt bekommt

am nächsten Halt
steigt der Mann aus
er hat die Aufgabe
einen Stein zu schleifen
damit den versteinerten Kleinkrebs
erkenntlich zu machen