Samstag, 3. Oktober 2026

Erstarrt

 Jegliche 
entwürdigende Macht
führt 
in verzahnte Nacht
das Leben
so erstarrt. 

dem

 Selbstvergessene
Leibverrenkung 
dem
eröffnet die Seele
im Traum
die neue Sicht.

Jenseits-Wort

 Er gab sich 
nicht zu verstehen

stieg er herauf
aus endlosen Tiefen

schlachtete den 
auf dem Bett gefesselten.

Schnitt für Schnitt,
bis auf Mark und Bein

brachte das Jenseits-Wort
im Traum 
dem zerstückelten 
ihm zur Tat.



verschalt

 Ein ungewollter 
Wohnungswechsel 
steht bevor

der Traktor 
mit einer offenen Ladedrücke,
dem ist der ganze Hausrat aufgepackt

wie der Besitzer
sich umdreht,
ist die Ladebrücke
mit grünen Holzlatten
verschalt

eine Fernsehantenne 
steht vorne,
die alles überragt

das Fahrzeug aber
ohne ihn,
man weiß nicht wohin,
an dem Mann
auf der Straße
ab und vorbei fährt. 


Beim Zahnarzt

 In einer fremden Stadt
geht ein Mann
zum Zahnarzt 

nicht wie üblich
werden die Kunden
in einem 
Gemeinschaftssaal behandelt

eine Schiebetüre aus Glas
trennt den Behandlungsraum

die eigentliche Behandlung
der Zahnhygiene
findet nicht statt

der Mann erinnert sich
wie er vor der Glastüre steht
dass er vergessen hat
dass eine Röntgenuntersuchung 
gemacht werden sollte

er drückt auf die Klingel
eine Assistentin öffnet die Türe

umständlich fragt sie danach 
wer er sei und was sein Begehr 

die Assistentin lässt in stehen
sie kommt mit einem handschriftlichen Zettel

er solle seine Personalien
unten stehend eintragen
und lässt den Mann stehen

der groß gewachsene
Chefarzt kommt
er wundert sich
dass die Türe offen steht

der Mann läuft ihm
in sein Großbüro nach
er bittet ihn
dass er weiter untersucht wird

der Chefarzt
den er nicht kennt
nennt ihn beim Namen
das lasse sich 
wohl machen, 
sagt er




Die Bratsche

 Er will 
die Bratsche,
die er nicht
zur Verfügung hat,
wieder üben,
was ihm
in seiner Jugendzeit
so schwer 
gefallen ist.


Freitag, 2. Oktober 2026

das Ende

 Den Dreizack
ins Gemüt geworfen

die Seele weiß,
noch ist es nicht
das Ende

gib Dich
dem Ganzen,

der Vielfalt,
dem Sein,
so zu verstehen.

Nein

 Sei kreativ.
Nein.
Das jenseitige Auge sieht.

Schöpft.

Dass wir es
mit unseren 
Händen gestalten.

Dasein

 Unser Dasein
wird die Halbwertzeit 
nicht überleben

hinüber in ein
anderes Sein
und Vergehen.

wachsam

 Ob gewagt
oder erduldet
auf krummem
oder geradem Weg

wachsam im Gesang
zwischen 
zwei Welten

nicht gestillt

 Das Begehren,
wir durch eine himmlische Speise
nicht gestillt und satt,

auch die Zukunft
weiß vom Da
zum besseren, 
keinen begangbaren Weg

die Seele wartet nicht
auf Kundschaft 
der sogenannten Berufenen,
Gesalbten und Auserwählten

die mit ihrem Werkzeug
das Geheimnis,
den Kern, 

an dem sie sich
angeblich 
mit harter Arbeit
wortgewaltig
und Ritualen
betätigen,

um ihn im anderen 
zu spalten,

das Böse
als Geschwisterpaar
des Guten
für alle Ewigkeit
zu bannen,

dazu stehen 
spirituell Mächtigen
seit Jahrtausenden bereit.

Im Schlaf

 Schlafend, 
genügt man sich selbst.

Wandert hindurch, 
selbstverloren
durch Träume.

An der Anmut
menschlicher
Erscheinung vorbei.

An deren Gestalt
heften sich Farben
und Worte
an Gesichtern
und an ihrem Leib.

in neuen Diensten

 Der neue Mitarbeiter
arbeitet selbständig
an der Ausgabe
der Küche, 
indem er das Servierbrett
ordentlich füllt,
um die Mahlzeit
zu servieren
an Menschen, 
in Räumen, 
die er nicht kennt.

Ein langjähriger, 
junger Mitarbeiter
begrüßt ihn
wie der Mann
das Tablett
schwankend, 
damit nichts davon
herunterfällt
mit einer 
anerkennenden Bemerkung.

Im selben Moment
muss er die Reste
in die Vorratskammer 
die im Untergeschoss
im Keller 
in ein Tiefkühlfach 
auf ein Gestell stapeln, 
darin Gemüse 
und Früchte lagern.

Eine Frau
die aus dem Hintergrund kommt
hat ihn beobachtet
und kritisiert ihn
dass er das Essen
das übrig blieb
nicht richtig verpackt hat.


aus der Urzeit

 Die selbst verfassten Texte
folgen aus dem Unbewussten
nach den Gesetzen 
aus der Urzeit,
verfasst aus dem Kern
der Seele.

Donnerstag, 1. Oktober 2026

das Dasein

Der Wesenskern beschreibt
mit Tusche auf einem gelben Plakat
das Wesen der Dinge
und das Dasein 
über sich selbst.

Mittwoch, 30. September 2026

Die Anweisung

Auf einem Anweisung
mit einem Nebenhaus
darin eine Familie
zuhause ist

beide Häuser sollen 
gegen Abend 
geräumt 
und verlassen werden

es stehen 
Dinge und Sachen
auf dem Weg
nebenan bereit

der Familienvater
kann nicht unterscheiden 
wem was gehört
und was nicht

der Gutsverwalter
kommt hinzu

er macht
den Familienvater
drauf aufmerksam
dass er zuständig sei
die Fensterläden zu schließen
bevor alle Menschen
das Anwesen und das Nebenhaus
für immer verlassen haben

denn am nächsten Tag
sei nicht genügend Zeit mehr
um die letzte Arbeit
den Auftrag
erledigt zu haben

Die Briefkarte

 Die Ehefrau
hat eine Briefkarte beschrieben
der Mann nimmt sie in die Hand

er öffnet sie
da fallen Briefmarken heraus

der Adressat ist eine Frau
dessen Ehemann
in der Stube
am Tisch sitzt

die Ehefrau
hebt den fertigen Umschlag
an einen Automaten
der die Briefmarken schluckt
und eine Briefmarke herausgibt
mit einem hohen Wert
denn der Brief
soll noch am selben Tag
an Ort eintreffen

die Ehefrau 
übergibt ihrem Mann
den Brief
er soll ihn baldmöglichst 
auf das Postamt bringen

dieser weiß nicht
ob er den großen Personenwagen
den er noch nie gefahren hat
dazu benutzen soll
oder ob er damit
zu Fuß gehen soll

Ein Text

  Ein Text
aus unsichtbarer Hand
formt sich 
aus sich selbst
sodass Inhalt
und Bedeutung
dem Besitzer
zu unvorstellbaren
Reichtum verhilft.

Brotteig

 Der Brotteig 
geht mehrmals auf,
dazwischen 
hat er das Wasser
zu Eis 
mehrmals ausgeschieden.

Dienstag, 29. September 2026

Verwirrung

 Es ist Abend, getrennt von Herkunftsfamilie, die Ehefrau übergibt dem Mann ihr Handtelefon, eine seiner Schwestern beschwert, weil er eine Zusammenkunft mit weiteren Mitgliedern verweigert hat. Sodass er entschieden deswegen das Gespräch abbricht. Seine Schwester redet und schimpft eine halbe Stunde weiter. Das Gespräch wird von seinen Enkelkindern verfolgt.

Der Mann hat eine Verabredung. Zwei Frauen im Verein, am gleichen Abend, machen ihm Vorwürfe derselben Art, über Dinge und Sachen, die er so oder so gesagt haben soll. Der Mann versucht sich nicht herauszureden. Er bleibt bei seiner Sichtweise und erwidert, dass er über niemandem schlecht gedacht und geredet hat. 

Er glaube, dass man ihn mit seiner Aussage falsch verstanden habe. Die Frauen wohnen dicht an dicht in zwei Häusern. Beide verabschieden sich. 

Der Mann muss sich auf den Bahnhof beeilen, um den Zug zur Heimfahrt noch rechtzeitig erreichen zu können. Falls er doch zu spät daran wäre, würde er, so denkt er doch bei seiner Schwester, die nahe in einem Dorf wohnt, sie bitten, dass er bei ihr übernachten könnte.

Der Zug fährt in die Richtung, wo der Mann aufgewachsen ist. Er muss in einem Bahnhof aussteigen, den er nicht kennt. Der Bahnhof wird von aller Art öffentlicher Verkehrsmittel bedient. 

Es tagt bereits. Aus einem Zug, der an einem erhöhten Bord steht, gebaut im neunzehnten Jahrhundert, ruft ein Mann Menschen einzutreten. Er betont die Biedermeier-Architektur und die bequemen schwarzen Ledersessel, die zu einer vergnüglichen Fahrt einladen.

Der Mann steigt ein. Der Zugführer fährt in bedächtigem Tempo, es geht bergauf, sonderbarerweise nicht auf der Straße und nicht auf einem Gleis. Wie der Zug die Höhe gewonnen hat, fährt er den Berg ins Tal hinab.

Die Gegend erinnert den Mann, da wo er seine Jugendzeit verbracht hat. Er erkennt die Stadt und die Landschaft nicht wieder. Sie hat ein südliches Flair. Mit weiss leuchtenden Häusern aus weißem Gestein. Die Fahrt endet mitten in der Stadt. Vergeblich versucht er, das, was er zu sehen bekommt, mit seinen Erinnerungen auszugleichen. 

Er steigt aus, er versucht, den Namen des Bahnhofs herauszufinden. Das Gebäude im alten Stil lässt am Fries keinen Namen der Stadt oder des Bahnhofs erkennen. Er fragt andere Menschen, sie erwidern ihm, dass ihnen bewusst sei, wo sie stehen und wer sie in Wirklichkeit sind. 

Es wird vom Lautsprecher bekannt gegeben, dass die nächsten Züge an dem Ort halten, wo er als Kind aufgewachsen ist. Der Mann bleibt in seiner Verwirrung, dem nicht mehr zu wissen, wohin, schließlich stecken.



Montag, 28. September 2026

die Annäherung

 In einem großen, beleuchteten Gasthaus
setzt sich eine Frau
neben einen Mann,
der sich gerade
an einen Tisch gesetzt hat

sie nähert sich ohne Scham,
er berührt ihren rechten, 
nackten Oberschenkel 

die Frau sagt ihm,
sie möchte aufbrechen,
er möchte bezahlen,
obwohl beide nichts konsumiert haben

zuhause verschweigt er
seiner Frau,
dass er sich 
einer anderen Frau
genähert hat.

Sonntag, 27. September 2026

unerwartet

Da die Familie bereits Kinder gross gezogen hat. Kommt eine erneute Schwangerschaft unerwartet.

In den ersten Tagen der Schwangerschaft, wölbt sich der Leib, als würde die Ehefrau gleich gebären. Ihr Gesicht ist  eingefallen, sie atmet schwer, die Schmerzen müssen unverträglich sein.

Der Ehemann vermutet eine Totgeburt. Ruft auf ihrem Handtelefon nach ihrem zuständigen Arzt.

Eine Hebamme eilt herbei. Sie bittet den Ehemann seine Frau von der Seitenlage auf den Bauch zu legen.
Mit ihren Händen zieht sie ein Kind aus ihrem Schoss. Sein Kopf ist schmal, lang und endet in einer Wölbung. Das Kind sagt, es habe gerade moderne Musik für Jugendliche gehört.

Zur gleichen Zeit, ein Auto steht neben dem Haus, es ist mit behinderten unausgereiften Föten, davon bis in die Hintersitze gefüllt.

niemand

 Ein gelebter Personenbus
zweigt ab
auf die Stadtautobahn 

weil am Lenkrad
niemand sitzt
nicht ein Passagier 
das Steuer in die Hand

es fällt ihm nicht leicht
die Spur zu halten
mit dem grossen Fahrzeug
Verkehrsregeln einzuhalten

mit seinen Händen

 Der Enkel erhebt 
vor seinem Ahn
seine Hände

und dreht 
den verwandelten
leicht 
wie ein gefällter
Baum
auf einem
drehbaren Sockel

Samstag, 26. September 2026

Gesamtkunstwerk

 Auf einer Lichtung haben sich im Kreisrund Unbekannte auf den Boden gesetzt. Ein Fremder kommt dazu. Er muss sich mit dem letzten Platz begnügen. Auf der Sitzfläche muss er sich auf eine Münze setzen.

Rundum stehen alte Bäume. Einige davon stehen am Abhang, deren Wurzeln offen stehen, als würden sie den Halt verlieren. Der Mann berührt vor einem schmalen Baum seinen Stamm, der sogleich vor ihm auf den Boden fällt.

Der Fremde erinnert sich, dass in der Nähe das Haus steht, in dem eine Verstorbene, die er ohne mit ihr in Kontakt war, verliebt war. Er geht mit anderen auf das Haus zu. Ein ebenfalls Verstorbener Bruder, mit seinem Freund, kommt hinterher. Dieser rasiert während des Gehens mit einem scharfen Messer seinen linken Backenbart. 

Wie sie gemeinsam das Haus betreten, weht durch die Vorhänge und Fluren ein Wind. Der Fremde trifft in einem Zimmer auf die Frau. Sie ist abweisend und wird wütend, als sie den Mann von damals wieder erkennt.

Der Mann geht durch das Haus. Jene Frau hat in den Jahrzehnten, nach ihrem Tod, handschriftliche, bebilderte Gedichte geschrieben. Er fordert die Umstehenden heraus, das Gesamtkunstwerk öffentlich zu machen.

Freitag, 25. September 2026

Bargeld

 In seinem Geldbeutel 
sind zwar viele Ausweiskarten
und kaum Bargeld vorhanden

trotzdem fallen
ein paar gut gefaltete Scheine
auf den Boden

ein Fremder
hebt sie auf
und gibt sie
dem Jemand 
der erstaunt ist zurück

 






nicht berufen

Ein Besucher
am Theater
hat sich
in die Kammern
der Schauspieler verirrt

er fühlt sich gerufen
aber als Akteur 
nicht berufen

er wendet sich
die Stiege hinab
in den Vortragsaal

er vergass
den Code
auf einem Stück Papier
dass er jemandem
aushändigen soll

in seinen Taschen
findet er nur
kleine Reste
von Verpackungspapier

er steigt wieder
die Treppe hinauf
da wird den Schauspielern
und den Besuchern
ein Snack angeboten
seine Portion
wurde gerade
an jemand anderen vergeben

unter Anleitung
muss er Pizzateig
aus einer Plastikfolie 
herausnehmen 
und mit dem Walholz 
flach in die Rundung ausbreiten

der weisse Pizzateig
verwandelt sich
unter seinen Händen
in einen dunklen Roggenteig

auf der falschen Seite

 Der Altschwache
steht rücklings
vor der Abort
er hat 
auf der falschen Seite
sein Wasser gelassen

Donnerstag, 24. September 2026

die Übergabe

 Die Urkunde
die vom Amt 
beglaubigt werden sollte
wird einem Mann
der nicht mehr im Dienst ist
in die Hand gedrückt

jener versucht sich 
davon zu entledigen
da es in der Anstalt
die Zuständigen gibt

es ist nicht einfach
auf Umwegen
über eine Tankstelle
am Dorfeingang
kann er 
die Aktenmappe
einem Mitarbeiter
der Anstalt übergeben

Speisesalz

 in weissem Karton
die Pakete
gefüllt mit Speisesalz
ohne Jod
füllen das Tablar
in den Küchenschrank
ganz von selber
eines lässt sich
zu Boden fallen

der Schwall

 Breitbandnudeln
gekocht
aus dem Topf
der Schwall
in den Teller
will nicht enden

Kartoffelsalat

 Am Dorfmarkt
wird der Kartoffelsalat
in einem flachen
Brotbeutel feil gehalten

Mittwoch, 23. September 2026

das zweite

 Das zweite,
uns unbekannte Gesicht,
dessen dunkles Auge
nach dem Verdorbenen
im Gegenüber sucht.

Dienstag, 22. September 2026

eine Träne

 Kalt kommt er herauf
aus der Betriebsamkeit im Dorf
und den lärmenden Strassen

gleich einem 
aufgeblasenen Gesicht

der Nebel über dem Tal
eine wogende See
leise

fürs Auge mächtig
von überall und nirgends

der Wind wirft sich
in dein Haar
einem Sturm gleich
durch dein schwarzes Gewand

dein fahles Gesicht
zwischen den Haarstränen
schattig
schwer 
eine Träne 
in deinem Auge




schuldlos

 Dem schuldlos Verdorbenen
gibt die Seele
kein Gewicht
vielmehr nimmt sie das
was sich bewusst dazu stellt
für sich
nicht an ein Ganzes
von dem wir
alle sind




vor dem Konzert

 Im Halbdunkel
vor der Bühne
mit blauem Vorhang
übt ein Musiker
mit Kindern
für ein
nahestehendes Konzert

ein Besucher
im Saal
möchte sich beteiligen

der Dirigent 
macht es nicht einfach
er übt einmal dieses 
und jenes Stück

der Dirigent 
erklärt einem Kind
dass der Sänger
bis zur Aufführung 
dabei sein wird

später den Chor
von wo er gekommen ist
wieder verlässt




erwacht

 Erwacht,
aufgestanden, 
sind die Füße
zu Stelzen,
die Zehen
geschwollene,
abstehende 
Knollen geworden.




Montag, 21. September 2026

ohne Anleitung

 In loser Gemeinschaft,
wo sich die meisten
im Bad der Menge bewegen,

ein Mensch
fühlt sich niedergeschlagen,
als könne er sich
nicht dazu gesellen

einer meint
jenen die es schwer fällt,
die innere Unruhe 
zu bewältigen

man könne 
mit Bewegung,
vor allem mit den Händen,
sich Ruhe 
und Eintracht
verschaffen

der Geplagte meldet sich
unter den wenigen anderen,
aber es kommt nicht
wie versprochen
zu einer Anleitung.

Sonntag, 20. September 2026

nicht erwartet

 Menschen 
sind zu Besuch
eingeladen

auf den Fotos
sind Menschen
zu sehen

lange Gestalten
mit Gesichtern,
die der Gastgeber
nicht erwartet.


auf der Flucht

 Mit dem Fahrrad
über die Grenze

zwei Reiter 
verfolgen 
mit Seilen 
aus Eisen

sie schwingen
sie von Hand
und fliegen
durch die Luft

die Menschen
auf der Flucht
die sie 
in Stücke
reissen sollen

Samstag, 19. September 2026

gefesselt

 In einem beleuchteten Bunker
die Etagen aus Gittern
liegt ein Mann gefesselt
auf nackten Eisen

ein Mann steigt
die Eisentreppen empor

er wird ihm
mit seinen 
geöffneten Augen
eine tödliche Spritze
verabreichen

beide

 Der Bergrücken,
das Tal,
beide liegen
im Morgendunst,
als wollten sie
nicht aus ihrem Schlaf
erwachen.

Freitag, 18. September 2026

unbekannte Zukunft

 Menschen, 
die vor dem Diktator flüchten
sie berichten,
sie haben sich getrennt
von denen,
die ihm die Treue schwören

ein Mann
begrüßt sie 
mit einem Lied
in ihrer Sprache,
die er selbst nicht versteht

es will 
keine Stimmung aufkommen
er versucht es nochmal
die Menschen
lächeln zwar im Gesicht
und gehen ihren Wege
in eine 
unbekannte Zukunft. 

Donnerstag, 17. September 2026

Vorgesetzt

 Der gekochte Reis
wurde mit
Teilen eines Verstorbenen
gemischt
und von Menschen
denen der Reis
im Teller 
vorgesetzt wurde
gegessen

Mittwoch, 16. September 2026

كنتَ

 كنتَ قبلي،

معي،

أعني، لقد أتيتُ لاحقًا،

إليّ،

الروح، أقدم منا،

العشب في الحقل أعلم،

مما أعرفه عن نفسي،

أنا لا أنتمي،

إلى نفسي، إلى داخلي

mir

Du warst vor mir,
mit mir,

mein ich 
kam später 
zu mir,

die Seele 
älter als wir

das Gras 
im Feld weiß mehr
als ich mir, 

ich gehöre 
nicht mir
in mir

Durch das Land

Hinter der Mauer
die Begrabenen

davor 
laufen im Gleichschritt 
einer Perlenkette gleich

Pilger 
mit dem Smartphone 
in der Hand

von Norden
nach Süden
durch das Land




Dienstag, 15. September 2026

Die Uhrzeit

 Ein Mann
geht am Rand
der Straße

er ist bar 
aller Dinge
und Menschen

Am Straßenbord
hebt er eine Armbanduhr
vom Pflaster auf

sie ist klein
und unscheinbar

sie gibt 
die genaue 
Uhrzeit an

der letzte Arbeitstag

 Am letzten Arbeitstag
beginnt ein Bereichsleiter
das Büro aufzuräumen.

Viele Nebensächlichkeiten
liegen in den Schubladen
die er entsorgt.

Das Buchhaltungsbuch
will er mit der Kassa ausgleichen
doch er kommt 
nicht mehr dazu.




Der Dankesbrief

 Der Heimleiter
schreibt den Familien
einen Dankesbrief.

Vor allem eine Partei
hat es ihm angetan.
Der Brief wiegt schwerer
als der der anderen.

Er fragt den Gehilfen
wieviele Briefmarken 
zu welchem Preis
er aufkleben soll.

Die anderen nimmt er mit.
Er will sie 
auf den Gruppen
den Insassen verteilen.

Einer davon 
stellt ihn zur Rede
ob er nicht wisse
dass die Familie 
die er bevorzuge
längst sich 
vom Heim
verabschiedet hat.