Sonntag, 7. Juni 2026

anhyeuem66


 Guten Tag Herr Gast,

vielen Dank für Ihren Newsticker vom 06. Juni 2026.

Die angekündigten Themen – eine mögliche Beendigung des Krieges in der Ukraine, die Aussagen von Präsident Putin sowie die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten – sind von großer geopolitischer Bedeutung und verdienen eine sachliche und faktenbasierte Betrachtung.

Gerade bei diesen komplexen und oft emotional diskutierten Themen halte ich es für wichtig, konkrete Quellen, Originalaussagen und überprüfbare Informationen anzuführen. Nur so können Leser die dargestellten Einschätzungen nachvollziehen und eigenständig bewerten.

Insbesondere würde mich interessieren:

  • Welche konkreten Aussagen Putins sind gemeint und in welchem Zusammenhang wurden sie getroffen?

  • Auf welche diplomatischen, militärischen oder politischen Entwicklungen stützt sich die Einschätzung einer möglichen Beendigung des Ukraine-Krieges?

  • Was genau ist mit der Formulierung gemeint, der Nahe und Mittlere Osten werde „in Besitz genommen“, und welche Akteure sind damit gemeint?

  • Welche belastbaren Quellen oder Dokumente liegen diesen Bewertungen zugrunde?

Unabhängig von politischen Positionen sollten wir uns bemühen, zwischen Fakten, Interpretationen und persönlichen Einschätzungen klar zu unterscheiden. Eine offene Diskussion lebt von Transparenz, Quellenkritik und gegenseitigem Respekt.

Ich würde mich freuen, wenn die angesprochenen Themen im Beitrag näher erläutert und mit nachvollziehbaren Quellen belegt werden.

In Zeiten von Desinformation, Propaganda und gezielter Einflussnahme aus unterschiedlichen politischen Lagern kommt der sorgfältigen Prüfung von Quellen eine besondere Bedeutung zu. Wer weitreichende geopolitische Schlussfolgerungen zieht, trägt auch Verantwortung dafür, die zugrunde liegenden Fakten transparent und nachvollziehbar darzustellen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

FREIER MENSCH


 Vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag. Sie sprechen einige wichtige Punkte an, die tatsächlich diskutiert werden sollten: Deutschlands hohe Abhängigkeit von Rohstoffimporten, die Bedeutung einer verlässlichen Außenpolitik, die Herausforderungen der Energieversorgung sowie die zentrale Rolle von Bildung, Forschung und Innovation für unseren Wohlstand.

Gleichzeitig halte ich einige Ihrer Schlussfolgerungen für zu pauschal oder historisch nicht ausreichend belegt.

Dass Deutschland ein rohstoffarmes Land ist und seit dem Industriezeitalter auf Importe angewiesen war, ist unbestritten. Allerdings war die Bundesrepublik nie ausschließlich auf Russland angewiesen, sondern hat ihre Versorgung stets durch vielfältige internationale Handelsbeziehungen abgesichert. Ebenso lässt sich die heutige Energiewende nicht allein als Austausch einer Abhängigkeit gegen eine andere darstellen. Zwar bestehen neue Risiken bei kritischen Rohstoffen, gleichzeitig eröffnen technologische Entwicklungen, Recycling und eine breitere Diversifizierung der Lieferketten neue Möglichkeiten.

Auch die Darstellung der deutsch-sowjetischen bzw. deutsch-russischen Beziehungen erscheint mir zu einseitig. Die Ostpolitik von Brandt, Schmidt und Kohl war zweifellos ein bedeutender Beitrag zur Entspannungspolitik. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass wirtschaftliche Verflechtung dauerhaft Frieden garantiert oder geopolitische Konflikte verhindert. Die jüngere Geschichte zeigt leider, dass wirtschaftliche Beziehungen und militärische Auseinandersetzungen nebeneinander bestehen können.

Besonders kritisch sehe ich die Passagen über die deutsche Bildungspolitik und die angebliche „planmäßige Verblödung“. Bildungsprobleme existieren zweifellos und verdienen eine offene Debatte. Die Ursachen sind jedoch komplex und lassen sich kaum auf die 68er-Bewegung oder einen einzelnen gesellschaftlichen Wandel reduzieren. Zudem widersprechen die Leistungen vieler deutscher Wissenschaftler, Ingenieure, Fachkräfte und Unternehmen der These eines allgemeinen intellektuellen Niedergangs.

Problematisch erscheint mir auch die Darstellung der deutschen Kolonialgeschichte. Neben Infrastrukturprojekten gab es dort Unterdrückung, Enteignungen und schwere Menschenrechtsverletzungen. Eine ausgewogene historische Betrachtung sollte beide Seiten berücksichtigen.

Schließlich sollte man bei Themen wie Migration und Asyl sorgfältig zwischen rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Fragen unterscheiden. Pauschale Aussagen über „99 Prozent illegale Migration“ helfen der Debatte wenig, wenn sie nicht durch belastbare Quellen und rechtliche Einordnungen gestützt werden.

Ihr Beitrag wirft wichtige Fragen auf, die diskutiert werden sollten. Gerade deshalb wäre es aus meiner Sicht hilfreich, zwischen belegbaren Fakten, politischen Bewertungen und persönlichen Schlussfolgerungen klarer zu unterscheiden. Eine sachliche Diskussion gewinnt an Überzeugungskraft, wenn sie auf überprüfbaren Quellen, historischen Zusammenhängen und differenzierten Betrachtungen basiert.

Salon Hof Ha'Carmel


 Vielen Dank für die ausführliche Dokumentation der Ereignisse.


Gerade weil die geschilderten Vorfälle so schwerwiegend sind, halte ich eine klare Unterscheidung zwischen gesicherten Fakten, Angaben der beteiligten Parteien und persönlichen Bewertungen für besonders wichtig.


Beim Vorfall in Hebron beispielsweise stehen offenbar unterschiedliche Darstellungen im Raum. Der Tod des Kindes ist eine menschliche Tragödie, unabhängig von den Umständen. Die Frage, was genau geschah, sollte jedoch möglichst durch unabhängige Untersuchungen geklärt werden.


Ähnliches gilt für die Ereignisse in Huwara und den Angriff auf das Fahrzeug der libanesischen Armee. Kritische Fragen sind berechtigt, sollten aber auf überprüfbaren Informationen beruhen und verschiedene Perspektiven berücksichtigen.


Ihr Beitrag regt zum Nachdenken an. Gleichzeitig würde eine noch konsequentere Trennung zwischen Fakten, Quellenangaben und Schlussfolgerungen meines Erachtens dazu beitragen, die Glaubwürdigkeit und Ausgewogenheit der Darstellung weiter zu stärken.


überfordert


Ein Ehemann

fährt das Auto

seiner Frau

die ihm fremd vorkommt

es ist dunkle Nacht

die Scheinwerfer können

kein Licht geben

weil das System gehackt wird

es fast unmöglich

den Fahrweg voraus zu sehen

seine Frau übernimmt

für ihre Zwecke

das Fahrzeug

wie sie am Steuer sitzt

wird es heller Tag

der Mann geht zu Fuss

In ein Zentrum

darin befinden sich Frauen

die sich um fremde Kinder kümmern 

der Mann wird mit Namen angesprochen 

von einer stattlichen Frau, die er nicht kennt

jemand übergibt ihm zwei Mädchen

die er neben einer Waldstraße 

betreuen soll

er ist damit nicht alleine

einige Betreuerinnen mit den Kindern

steigen Wohlgemut die Böschung hinauf

das kleiner Mädchen folgt ihnen nach

das grössere warnt ihn

vor einem Waldfahrzeug

das sich ihm nähert

sie will es zuerst nicht begreifen

danach folgt sie doch der Ermahnung 

und folgt seiner kleinen Schwester hintennach

der Mann hat die Aufgabe

in der Böschung stehende grosse Badewanne zu reinigen

mit seinen Händen kommt er beinahe nicht auf den Grund

das Wasser fliesst aus einem Hahn

er wundert sich, dass auch das warme Wasser

sich anscheinend an einem Schalter einstellen lässt

der Mann schaut auf

weil durch das Geschrei der kleineren Schwester aufgeschreckt wird

sie kann kaum Atem holen

sie rudert mit den Händen

was ihn in seiner Verantwortung um das Kind

das Kind ermuntert, still zu stehen

damit es von oben in den Abgrund fällt

seine grössere Schwester kommt langsam hintennach 

warum und was passiert ist  nicht aufzuklären. 



 

spät abends

 


Obwohl der Alte

die Reise 

in das Haus 

seiner Jugend schon oft

ohne Erfolg 

diesmal mit seiner Ehefrau

angegangen ist,

befindet er sich

in derselben Irrgarten

auf Umwegen

auf Bahnhöfen 

von Stadt zu Stadt,

die weitab 

in der Ferne,

wo es keine Zugverbindungen gibt

die Geleise der Trambahn

einer Kleinstadt,

von Gras bewachsen

steht der Mann in einer Sackgasse

ohne seine Frau

er fragt nach,

wie er sein Ziel erreichen könnte

dazu müsse er, sagt jemand,

zwei Dörfer zurückgehen,

um in Richtung seines Ziels

die Bahn zu besteigen

es ist schon spät abends.


Samstag, 6. Juni 2026

Der Saisonkoch


 Sie sprechen einige reale Probleme unserer heutigen Gesellschaft an, etwa Qualitätsmängel, Konsumzwang oder wirtschaftliche Fehlentwicklungen. Diese Kritik verdient eine ernsthafte Diskussion.

Allerdings wird Ihre Argumentation dort problematisch, wo aus berechtigter Kritik eine Idealisierung der DDR oder der Sowjetunion wird. Historische Leistungen wie Industrialisierung, Bildungserfolge oder der Beitrag zum Sieg über den Nationalsozialismus sind unbestritten. Ebenso unbestritten sind aber politische Verfolgung, Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Überwachung und fehlende demokratische Mitbestimmung.

Die Behauptung, in der DDR habe es keine Zensur gegeben, widerspricht den Erkenntnissen von Historikern, Zeitzeugen und den zugänglichen Archiven. Ebenso wenig überzeugt die Vorstellung, Kriminalität, Korruption oder Misswirtschaft hätten im Sozialismus grundsätzlich nicht existiert.

Eine sachliche Debatte sollte weder die Probleme des Kapitalismus verharmlosen noch die Schattenseiten sozialistischer Systeme ausblenden. Wer Geschichte ernst nimmt, betrachtet beide Seiten kritisch und differenziert.

Art - Kreativ - Goeritz


Vielen Dank für das Teilen dieses Zitats von Zensho W. Kopp.

Die Betonung der unmittelbaren Erfahrung und des intuitiven Begreifens gehört zweifellos zu den zentralen Aspekten der Zen-Praxis. Zen weist darauf hin, dass Wirklichkeit nicht allein durch Begriffe, Theorien oder intellektuelle Analysen erfasst werden kann, sondern durch eigene Erfahrung, Achtsamkeit und Übung.

Gleichzeitig erscheint mir die Formulierung „anstelle intellektuellen Studiums“ erklärungsbedürftig. Historisch betrachtet haben viele bedeutende Zen-Meister sowohl intensive Praxis als auch ein gründliches Studium buddhistischer Schriften gepflegt. Intuition und Erkenntnis entstehen oft nicht im Gegensatz zum Denken, sondern können durch reflektiertes Lernen und kritische Auseinandersetzung vertieft werden.

Die Gefahr einer zu starken Gegenüberstellung von Intuition und Verstand besteht darin, dass der Eindruck entstehen könnte, Wissen und kritisches Denken seien für den spirituellen Weg nebensächlich. Dabei zeigt die Geschichte des Buddhismus, dass Weisheit (Prajñā) sowohl unmittelbare Einsicht als auch sorgfältige Reflexion umfasst.

Vielleicht liegt die eigentliche Aussage des Zen weniger in der Ablehnung des Studiums als vielmehr darin, dass theoretisches Wissen allein nicht genügt. Erfahrung ohne Reflexion kann ebenso einseitig sein wie Reflexion ohne Erfahrung.

In diesem Sinne verstehe ich Zen als Einladung, beide Dimensionen miteinander zu verbinden: die Klarheit des Denkens und die Tiefe der unmittelbaren Erfahrung.

Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma

Gert Ewen Ungar


 Antwort an Roberto De Lapuente: Warum wir mehr Differenzierung brauchen

Lieber Roberto,

vielen Dank für die Veröffentlichung des Austauschs mit Gert Ewen Ungar. Gerade weil die politischen und gesellschaftlichen Spannungen derzeit erheblich sind, halte ich es für wichtig, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen. Gleichzeitig sehe ich Anlass zu einigen kritischen Anmerkungen.

Zunächst erscheint mir problematisch, dass Herr Ungar seine Analyse vielfach als Ausdruck objektiver Tatsachen und historischer „Gesetzmäßigkeiten“ darstellt. Politische Entwicklungen folgen jedoch keinen Naturgesetzen. Die Behauptung, ein Krieg zwischen Deutschland und Russland sei „nicht mehr vermeidbar“, ist keine Tatsache, sondern eine politische Prognose. Sie kann begründet werden, bleibt aber eine Interpretation.

Ebenso kritisch sehe ich die wiederkehrende Darstellung, der Westen oder Deutschland verfolge das Ziel, Russland zu „vernichten“. Für eine derart weitreichende Behauptung fehlen belastbare Belege. Tatsächlich gibt es zahlreiche politische Äußerungen westlicher Regierungen, die auf die Unterstützung der Ukraine und die Schwächung russischer Angriffsfähigkeiten abzielen. Daraus jedoch eine Absicht zur Zerschlagung oder Vernichtung Russlands abzuleiten, erscheint mir als erhebliche Überdehnung.

Auch die historische Argumentation verdient eine differenziertere Betrachtung. Der Hinweis auf den NATO-Einsatz gegen Jugoslawien 1999 und die damit verbundenen völkerrechtlichen Kontroversen ist berechtigt. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jede spätere sicherheitspolitische Entscheidung des Westens illegitim oder zwangsläufig kriegstreibend war. Geschichte erklärt Entwicklungen, sie ersetzt aber nicht die Analyse konkreter politischer Entscheidungen im jeweiligen Kontext.

Besonders nachdenklich stimmt mich die Aussage, Deutschland müsse wieder „Angst vor Vernichtung“ haben, um friedensfähig zu werden. Auch wenn dies möglicherweise nicht als direkte Drohung gemeint ist, halte ich eine solche Formulierung für gefährlich. Friedensfähigkeit sollte auf Einsicht, Dialog, Diplomatie und historischer Verantwortung beruhen – nicht auf der Vorstellung, dass erst die Angst vor Zerstörung zu vernünftigem Handeln führt.

Problematisch erscheint mir außerdem die Tendenz, abweichende Sichtweisen als bloße Propaganda oder als Ausdruck einer feindseligen Agenda zu interpretieren. Wer Frieden will, sollte gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung anerkennen, dass auch Menschen mit anderen Einschätzungen legitime Motive haben können. Eine Debatte wird nicht dadurch besser, dass man die Gegenseite moralisch diskreditiert.

Gleichzeitig wäre es falsch, die Sorgen vor einer weiteren Eskalation einfach abzutun. Die Gefahr einer Ausweitung des Krieges, die zunehmende Militarisierung Europas und die Schwäche diplomatischer Initiativen verdienen ernsthafte Aufmerksamkeit. Hier berührt Herr Ungar einen wichtigen Punkt: Die Politik sollte alles daransetzen, direkte Konfrontationen zwischen NATO-Staaten und Russland zu vermeiden und diplomatische Kanäle offen zu halten.

Mein Eindruck ist daher, dass Herr Ungar berechtigte Warnungen mit sehr weitgehenden Schlussfolgerungen verbindet. Seine Kritik an westlicher Politik enthält diskussionswürdige Aspekte. Seine Darstellung historischer und aktueller Entwicklungen bleibt jedoch vielfach einseitig und blendet Verantwortung, Interessen und Handlungen anderer Akteure weitgehend aus.

Gerade deshalb halte ich offene Debatten für wichtig. Nicht weil eine Seite bereits im Besitz der Wahrheit wäre, sondern weil komplexe Konflikte selten durch einfache Erklärungen verstanden werden können.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

Der Streit

 
In fremder Gestalt
mit gleichem Charakter
erscheint dem Sohn
sein verstorbener Vater.
Es beginnt ein stundenlanger Streit, 
während dessen
der Sohn seinem Vater
Ereignisse der gemeinsamen 
für den Sohn
die negativen Erfahrungen
vor seine Augen führt,
die der Vater verneint,
seine guten Absichten
gegenüber seiner Frau
und seinen Kindern hervorhebt,
seine Ehefrau, deren Würde
der Ehemann fast tagtäglich herabsetzte,
stellt sich neben dem Sohn.
Sie kommt stillschweigend hinzu.
Der Sohn hält seinem Vater
den Missbrauch an seinen Schwestern vor.
Im Streit gesellt sich eine verstorbene Schwester, 
die Vater zeitlebens verteidigte,
nun den Mut hat, 
die Vorwürfe des Bruders 
in Szene zu setzen hinzu.
Der Vater verteidigt, 
er sei sich keiner Vergehen bewusst,
er wolle eine Aussprache
um den Streit beizulegen
mit einem höheren Beamten der Kirche.
Der Sohn hat nichts dagegen,
er will sich vom Gerede
seines Vaters nicht umstimmen lassen.


Freitag, 5. Juni 2026

Alexander Dilger


Sehr geehrter Herr Dilger,


die Beteiligung einzelner UNRWA-Mitarbeiter an den Verbrechen des 7. Oktober wäre selbstverständlich schwerwiegend und zu verurteilen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die UNRWA als Organisation insgesamt an den Angriffen beteiligt gewesen sei oder mit der Hamas gleichgesetzt werden könne.


Die von den Vereinten Nationen beauftragte unabhängige Colonna-Kommission stellte Reformbedarf und Neutralitätsprobleme fest, erklärte jedoch zugleich, dass für weitergehende Vorwürfe einer umfassenden Unterwanderung der Organisation keine entsprechenden Belege vorgelegt wurden.


Kritik an UNRWA ist legitim. Ebenso wichtig ist aber die Unterscheidung zwischen dem Fehlverhalten einzelner Personen, begründeten Verdachtsfällen und der Bewertung einer Organisation mit zehntausenden Mitarbeitern. Eine sachliche Diskussion sollte sich auf nachprüfbare Fakten stützen und pauschale Schlussfolgerungen vermeiden.


Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma


Alexander Dilger


 Vielen Dank für Ihren Beitrag. Die gescheiterte Wahl Deutschlands in den UN-Sicherheitsrat ist zweifellos ein politischer Rückschlag und verdient eine kritische Analyse. Allerdings erscheint mir die Schlussfolgerung, dies sei vor allem ein Beleg für das Versagen der Merz-Regierung, nicht ausreichend belegt.


Die Wahlentscheidungen in der UNO werden von einer Vielzahl geopolitischer Interessen beeinflusst. Eine Niederlage kann viele Ursachen haben und lässt sich nicht ohne Weiteres auf die Beliebtheit einer Regierung oder einzelner Politiker reduzieren. Gerade bei den Vereinten Nationen spielen regionale Bündnisse, diplomatische Absprachen und globale Konfliktlinien eine erhebliche Rolle.


Ebenso überzeugt mich die Forderung nach einer Kürzung der deutschen UN-Beiträge nicht. Deutschlands Engagement in den Vereinten Nationen dient nicht primär dem Erwerb politischer Gegenleistungen, sondern der Unterstützung internationaler Zusammenarbeit, humanitärer Hilfe und friedlicher Konfliktlösungen. Über die Effizienz einzelner Programme kann und sollte man diskutieren, doch eine Wahlniederlage allein rechtfertigt keinen Rückzug aus internationaler Verantwortung.


Die eigentliche Frage sollte sein, weshalb Deutschland trotz seines Engagements nicht genügend Unterstützung gewinnen konnte und welche Lehren daraus für die künftige Außenpolitik zu ziehen sind. Eine differenzierte Ursachenanalyse erscheint mir dafür hilfreicher als pauschale Schuldzuweisungen.


Salon Hof Ha'Carmel


 Liebe Frau Scheiner,

vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag zu Paraschat Beha’alotecha. Ihre lebendige Sprache und die verständlichen Bezüge zur Gegenwart erleichtern vielen Leserinnen und Lesern den Zugang zu einem oft komplexen Text.

Dennoch möchte ich einige Gedanken respektvoll zur Diskussion stellen.

Mir scheint, dass die Darstellung der Israeliten als vorwiegend „quengelnde Kinder“ den biblischen Text etwas einseitig wiedergibt. Die Klage über das Manna erscheint aus heutiger Sicht durchaus nachvollziehbar. Menschen, die über ein Jahr in einer lebensfeindlichen Wüste unterwegs sind, verlieren nicht nur die Freude am Essen, sondern kämpfen auch mit Unsicherheit, Entwurzelung und Zukunftsängsten. Ihre Beschwerden können daher ebenso als Ausdruck menschlicher Erschöpfung verstanden werden wie als Undankbarkeit.

Auch die Aussage, Gott habe das Volk durch eine Überfütterung mit Wachteln bestraft, die eine „böse Allergie“ ausgelöst habe, erscheint mir problematisch. Im biblischen Text ist zwar von einer schweren Plage die Rede (Numeri 11,33–34), von einer Allergie spricht der Text jedoch nicht. Eine solche Formulierung wirkt eher wie eine moderne Interpretation als eine durch die Quellen belegte Aussage.

Besonders nachdenklich stimmt mich die Darstellung Mirjams. Sie wird als „schwächstes Glied der Beziehungskette“ beschrieben, während Aaron ungestraft davonkomme. Tatsächlich weist der Text selbst auf ein Ungleichgewicht hin: Beide Geschwister sprechen gegen Mose, doch nur Mirjam wird mit Aussatz geschlagen. Viele jüdische und christliche Ausleger haben sich über Jahrhunderte mit dieser Frage beschäftigt. Gerade deshalb wäre es vielleicht hilfreich, diese Schwierigkeit offen zu benennen, statt sie als selbstverständlich hinzunehmen.

Ebenso bleibt die Frage nach der „kuschitischen Frau“ des Mose bis heute Gegenstand unterschiedlicher Auslegungen. Der biblische Text gibt keine eindeutige Antwort darauf, was genau Mirjam und Aaron kritisierten. Deshalb erscheint mir Zurückhaltung bei entsprechenden Deutungen angebracht.

Besonders wertvoll finde ich hingegen den Schluss des Abschnitts: Das Volk zieht nicht weiter, bevor Mirjam wieder aufgenommen wird. Gerade in einer Zeit, in der Menschen oft schnell ausgegrenzt oder zurückgelassen werden, setzt dieser Vers ein bemerkenswertes Zeichen von Solidarität und gemeinschaftlicher Verantwortung.

Die Stärke der Tora liegt meines Erachtens oft darin, dass sie ihre großen Gestalten nicht idealisiert. Mose, Aaron und Mirjam erscheinen als Menschen mit Stärken, Schwächen, Zweifeln und Konflikten. Vielleicht lädt uns dieser Text weniger dazu ein, Schuldige zu suchen, als vielmehr dazu, über Verantwortung, Führung, Geschwisterkonflikte und den Umgang mit Kritik nachzudenken.

Vielen Dank für Ihren Beitrag und die Anregung zum weiteren Nachdenken.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

Salon Hof Ha'Carmel


 Sehr geehrter Herr Professor Shetreet,

vielen Dank für die Veröffentlichung Ihrer ausführlichen Überlegungen zur Frage einer möglichen Begnadigung Benjamin Netanyahus vor Abschluss des laufenden Gerichtsverfahrens. Ihre langjährige Erfahrung als Jurist, Richter und Rechtswissenschaftler verleiht Ihren Ausführungen besonderes Gewicht und trägt zu einer wichtigen öffentlichen Debatte über Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und die Grenzen präsidialer Befugnisse bei.

Gerade deshalb erscheint mir jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit einigen Ihrer Argumente notwendig.

Zunächst ist festzuhalten, dass die Frage einer Begnadigung vor rechtskräftiger Verurteilung in Israel seit Jahrzehnten juristisch umstritten ist. Zwar vertreten Sie unter Berufung auf Richter Barak sowie verschiedene Rechtswissenschaftler die Auffassung, dass eine Begnadigung vor einer Verurteilung mit der Unschuldsvermutung schwer vereinbar sei. Demgegenüber steht jedoch die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes im Fall „Kav 300“ (Buslinie 300), die grundsätzlich anerkannt hat, dass die Begnadigungsbefugnis des Staatspräsidenten auch vor einer rechtskräftigen Verurteilung ausgeübt werden kann. Ob man diese Entscheidung juristisch oder politisch befürwortet, ist eine andere Frage. Sie stellt jedoch einen bedeutenden Präzedenzfall dar, dessen Tragweite nicht allein durch eine restriktive Auslegung aufgehoben werden kann.

Weiterhin fällt auf, dass Ihre juristische Analyse mehrfach in politische Wertungen übergeht. Formulierungen wie „wer das Justizsystem angegriffen hat“, „der Sünder wird belohnt“ oder der Vergleich mit dem Sprichwort „Du hast gemordet und auch noch geerbt“ sind zwar Ausdruck einer klaren politischen Haltung, tragen jedoch nur begrenzt zu einer nüchternen verfassungsrechtlichen Beurteilung bei. Gerade bei einem Verfahren gegen einen amtierenden Ministerpräsidenten sollte die öffentliche Diskussion besonders sorgfältig zwischen rechtlichen Erwägungen und politischen Bewertungen unterscheiden.

Darüber hinaus erscheint die Darstellung der Begnadigungsfrage als nahezu ausschliesslich auf die Person Netanyahus bezogen problematisch. Die verfassungsrechtliche Kernfrage lautet nicht, ob man Benjamin Netanyahu politisch unterstützt oder ablehnt, sondern welche Voraussetzungen für die Ausübung der Begnadigungsbefugnis generell gelten sollen. Rechtsstaatliche Prinzipien müssen unabhängig von der Identität der betroffenen Person Bestand haben.

Auch hinsichtlich der von Ihnen angeführten Argumente zur gesellschaftlichen Versöhnung kann man zu einer anderen Einschätzung gelangen. Selbst wenn viele Bürger Ihre Analyse teilen, existiert gleichzeitig ein erheblicher Teil der israelischen Gesellschaft, der die langjährige Dauer des Verfahrens, die politische Polarisierung und die Auswirkungen auf die staatlichen Institutionen als schwerwiegendes öffentliches Problem betrachtet. Ob diese Erwägungen letztlich eine Begnadigung rechtfertigen können, ist offen; sie verdienen jedoch eine ernsthafte juristische und gesellschaftliche Diskussion und sollten nicht von vornherein als „abwegig“ oder „unvernünftig“ verworfen werden.

Besonders wichtig erscheint mir schliesslich die Wahrung der Unschuldsvermutung. Solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, bleibt jeder Angeklagte – unabhängig von seiner politischen Stellung – rechtlich unschuldig. Dies gilt für Benjamin Netanyahu ebenso wie für jeden anderen Bürger Israels. Die Stärke eines demokratischen Rechtsstaates zeigt sich gerade darin, dass seine Grundprinzipien auch in politisch hoch aufgeladenen Fällen konsequent angewendet werden.

Ihre Ausführungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Debatte. Zugleich wäre es meines Erachtens wünschenswert, die jurischen Argumente stärker von politischen Bewertungen zu trennen und den legitimen Gegenpositionen innerhalb der israelischen Rechtswissenschaft mehr Raum einzuräumen. Eine offene und ausgewogene Diskussion stärkt letztlich das Vertrauen in die demokratischen Institutionen und die Rechtsstaatlichkeit Israels.

Mit freundlichen Grüssen

Hans Gamma

Übersetzungen zum Thema Ukraine


 Vielen Dank für die Übersetzung und die Bereitstellung dieses Beitrags von Vitaly Portnikov.


Der Text enthält wichtige Denkanstöße zur imperialen Ideologie des Kremls und zu den Gefahren, die sich aus den russischen Angriffen auf die Ukraine ergeben. Die Sorge über die Zukunft Europas, die Sicherheit der Ukraine und die Rolle autoritärer Ideologien ist nachvollziehbar und verdient eine ernsthafte Diskussion.


Gleichzeitig erscheint mir der Beitrag an mehreren Stellen problematisch, weil er politische Kritik mit weitreichenden Verallgemeinerungen über das russische Volk verbindet. Zwischen der Führung des Kremls, bestimmten Ideologen und Oligarchen einerseits sowie den mehr als 140 Millionen Bürgerinnen und Bürgern Russlands andererseits sollte sorgfältig unterschieden werden.


Formulierungen wie „Was seid ihr für ein Volk?“ oder die pauschale Behauptung, Russen dächten vor allem an Eroberung, Diebstahl oder Gewalt, tragen aus meiner Sicht nicht zu einer sachlichen Analyse bei. Sie ersetzen politische Kritik durch kollektive Zuschreibungen. Gerade wenn wir Nationalismus, Imperialismus und Feindbilder kritisieren, sollten wir vermeiden, selbst ganze Bevölkerungen moralisch zu verurteilen.


Ebenso erscheint mir die Aussage, eine mögliche Auflösung der Russischen Föderation sei grundsätzlich „das beste Szenario“ für Russland und die Welt, diskussionswürdig. Die Geschichte zeigt, dass der Zerfall von Atommächten oder multinationalen Staaten auch erhebliche Risiken für Frieden, Stabilität und die betroffenen Bevölkerungen mit sich bringen kann.


Eine kritische Auseinandersetzung mit den Zielen des Kremls ist notwendig. Sie gewinnt jedoch an Überzeugungskraft, wenn sie auf überprüfbaren Fakten, differenzierten Analysen und der Unterscheidung zwischen Regime, Ideologie und Bevölkerung beruht.


Deshalb würde ich mir wünschen, dass die berechtigte Kritik an Putins Politik nicht durch pauschale Urteile über ein ganzes Volk abgeschwächt wird. Eine friedliche Zukunft Europas wird letztlich nur möglich sein, wenn Verantwortung klar benannt wird, ohne dabei Millionen Menschen kollektiv zu verurteilen.