Samstag, 8. August 2026

Schönheit

 Die blonde Frau
ist sich ihrer Schönheit
bewusst,
dadurch weist sie
mit starkem Gehschritt
die begierigen Blicke 
zurück.

Die Ausstellung

 In der Altstadt, 
am Abend,
ein Besucher
findet einen Notizblock, 
blättert darin,
er wundert sich,
dass der Einband
auf dem Abort
liegen gelassen wurde,
nimmt ihn 
mit schlechten Gewissen
zur Hand,
ob er wohl
besser täte,
das Kunstwerk
am Eingang
zurück zu lassen
er geht zurück,
fragt zwei junge Frauen,
von welchen
Künstler es sich
bei dieser Ausstellung handelt,
beide weisen ihn 
durch den Rundgang
der schmalen Räume
und Gänge
einige Besucher
steigen die Treppe hinab
in die unteren Räume,
er will in die oberen Räume
der Gesamtaustellung
der Wächter
stoppt die Besucher,
es sei nach fünf Uhr,
den Einzelnen lässt er durch
er schaut sich die Bilder
der Ausstellung an,
von einem Maler,
den er nicht kennt
er wird von einem Mann angehalten,
der sich als Polizist zu erkennen gibt
er habe den Zeichenblock
absichtlich liegen gelassen
der Besucher gibt ihm
das Kunstwerk zurück
als Gegenleistung,
Bilder aus seiner Sammlung dazu.

Freitag, 7. August 2026

blutig

Das Sauerteigbrot,
frisch gebacken,
auf dem Holzbrett,
angeschnitten,

im Laib hat sich
ein Rindsfilet
eingenistet 

sie steht 
nicht weit
davon daneben, 

blutig,
sagt sie.


ohne Licht

Gesichtslos

ohne Licht

mit der Hand

in die Klinge

tanzend

den Namen

in der Wüste

in Sand

geschrieben


der klirrende

Schmerz

in den Kopf

einer Wüstenschlange

getroffen


dem Schatten harrend

der im Traum

in das Drama

der Seele

indem der Betrachter

nicht der Autor

des Geschehens

der Niederschrift 

bei Bewusstsein ist

ihn einführt


nichts wird

zu Grabe getragen

da die Seele

nichts vergisst


ihre Mahnung

seit es 

den Menschen

über Jahrtausende

an die 

Nachfolgenden 

weiter gibt


Zeit 

kennt ihre Grenzen

wenn sie sich

zu weit 

über den Horizont bewegt

verliert sie

für immer

ihr Sein

ihr Gleichgewicht


das Ende

Ist allem

kein Verzicht 

ist

Notwendigkeit

Gesetz


verpasste Heimkehr

 Es wird gleich Nacht.
Menschen stehen
an der Busstation 

für die Reise
über den Berg
ist es zu spät
so muss 
der Heimkehrer
sich für 
ein Nachtlager
auf einem Hof
mitten im Dorf
mit drei Jungs bequemen
in der gleichen Kammer
machen. 

Mitten in der Nacht
machen sie laute Musik
er kann 
sie nicht zur Ruhe bringen
früh am Morgen
steht sein oranger Sportwagen,
den er nicht kennt,
an seiner Front
verbeult zu sehen.

Donnerstag, 6. August 2026

im Nichtwissen

 Das, was aus dem Traum
der Seele aufsteigt,
stellt keine Fragen,
wenn die Ahnen 
rufen im Streit
ihre Sehnsucht
zur Versöhnung rufen. 

Der Fluch 
bleibt ihnen,
der Fluch
an die Abkehr,
an das, was sie glaubten

nicht dass
das Neue,
die Deutung des Traums,
den Träumer
als Beobachter
im Drama der Seele
zur letzten Wahrheit
und zur persönlichen
Einsicht bringt

was die Wirklichkeit 
der Welt zum Besseren 
braucht und bringt,
bleibt Ahnung
im Nichtwissen.


der Versuch

 Der Begriff
des Selbst
ist ein Abbild
eines übermäßigen,
aus Plastik
gegliederten
Semestern, 
der versucht,
in der Starre
seiner Bewegung
am persönlichen
Unbewussten
zu nagen.

Denkmal

 „denk mal“
filigran
den Körper
in Stein gehauen
wenn die Hand
zögert
ist das Werk
bereits verloren

die Schale

 Nur der Mensch 
wird gepriesen, 
der eine unnachahmliche
unverwechselbare 
Stimme hat.
Worte allein
sind wie die Schale
vom Ei.

unsicher

 Unsichere Wege
wer nicht gerufen
verliert
Helmstadt 
Würde und Ansehen
hoch ist der Preis
für ein 
an fürsorgliches
stehen
auf beiden Füßen
an Ort
viele Plätze
sind von anderen
bereits besetzt

uferlos

 Uferlos,
das kollektive Unbewusste, 
der Mond,
die Sterne,
das Augenlicht,
spiegelt
alles 
das Nichts
vor dem Anfang,
von dem
zwar gedacht,
der Schrift,
der Symbolik,
auf Papier
sich verweigert,
einer Hoffnung
ein etwas,
die Null
zu begreifen,
der letzte Abschied
setzt dem Zufall
kein Zeichen,
verdorrter Nabelschnur,
endloser Sturmwind, 
Gedankenmühle,
die der Sturmflut 
nicht standhält,
die Nachfahren
werden den Unmut
der Suche,
der nicht fassbaren 
Wahrheit,
begreifen.

offen

 Flötenspiel, 

auf filigranem 

Knochen

Melodie

von damals

über Berg und Tal

zu uns

eine tonale

Verzweiflung

entzweiter Liebe 

offen legt

Einladung

 Eines Tages
hat sich ein Forscher
der seiner Ansicht nach
das Unbewusste
durch Vermeidung 
von Bewegung
einer Person
mit einem Befund 
aufdecken kann.

Er hat sich ohne Anfrage
in eine Familienrat eingefunden.

Den Familenvater
klagt er an,
er habe die Anweisungen
zur Klärung 
und zur Erweiterung 
von Bewegung nicht befolgt.

Die Antwort des Mannes
er lasse sich
im Privaten
nicht zu etwas zwingen.

Daraufhin
wendet der Analytiker
sich an die versammelte Familie
er möchte die ganze Sippe
in seine therapeutische Gemeinschaft
unter seiner Obhut einladen.

Mittwoch, 5. August 2026

unbekannt

 Eine unbekannte Krankheit
grassiert durch Stadt und Land
ein Jemand
mit weißblonden Haaren,
sein Gesicht abgewandt,
hat eine Medizin dagegen
er bleibt unbekannt.

Hochzeit

Eine große Hochzeit

mit schwarz gekleideten Edlen

die Feier beginnt

in einem großen Saal

in den oberen Etagen

zum Hochzeitmahl

ist im Erdgeschoss 

in einem Saal

im Geviert aufgetischt

von unsichtbaren Händen

wird das Essen serviert

als alle satt gegessen 

mischt sich an die Tafel 

ein unscheinbarer 

nichts-sagender Mann

er türmt die kostbaren 

zurückgelassenen Fleischreste

auf eine weiße flache Porzellanplatte


Dienstag, 4. August 2026

Wahrheit

 Jede Schrift, 
jede Formel, 
jede Zahl,
meint sich,
sie taugt,
ist fähig,
von der letzten 
Wahrheit
zu berichten,
im Verborgenen
warten Geschichten,
dass der Mensch
zu neuer Einsicht,
sich bemüht
und weiter gibt.

Zärtlichkeit

 Erwartet wird,
dass im
kollektiven Unbewussten, 
aus dessen Keim
die Wurzel
zur Menschwerdung,
aus dem die Reise
in die Welt beginnt,
als ganzer Mensch
an den Altären
das Unnahbare zu feiern,
mit der Sehnsucht,
der Hoffnung,
ein wenig Zärtlichkeit
für sich 
und andere gelingt.

aufgesetzt

 an der schwarzen Wand
in der Reithalle
springt ein weises Rind
mit Blumen
zwischen den Hörnen 
aufgesetzt 
auf die Tierwärterin zu
und wirft sie zu Boden

Brombeeren

 Frisch aus dem Kühlschrank, 
die Brombeeren in der blauen Plastikschale
bewegen sich wie Ameisen
sie fangen an zu brodeln,
trotz der Kälte
was wollen sie
damit sagen?

Der Galaabend

 Das Ehepaar hat sich
zu einem Galaabend
an einem fremden Ort aufgemacht,
der um drei Uhr morgens endet
von der Empore herab
steigt die Elite,
dazu gehört seine Schwester
mit vornehmem Gesichtszug
im schwarzen Gewand
sie geht
ohne ihn zu beachten
ab ihm vorbei,
indem sie mit einer Dame
davon spricht,
dass ihre Freundin
die Fahrprüfung
spät noch erfolgreich bestanden hat,
zu der ihr Bruder 
in einer zerbrochenen Beziehung hat
sie trotzdem grüßt
mit seiner Frau,
auf die Empore hinaufsteigt,
um auf der anderen Seite
zum Ausgang zu gelangen
draussen fragt er seine Frau,
ob sie das Steuer übernehmen könnte,
weil er betrunken sei
sie will seiner Bitte nicht folgen
er findet den Weg nicht,
der heimwärts führt,
verirrt sich 
in einem Dorf, 
die Straße 
die in einer Sackgasse endet
es ist bereits hell
eine Frau vor ihrem Haus
zeigt über ihren Vorgarten
zur Hauptstrasse 
dort hat die Polizei
die betrunkenen Menschen
des Galaabends
am Straßenrand
auf ihrer Fahrt 
nach Hause angehalten.






einverleibt und aufgesogen

 Am Förderband
zur Kasse,
den Einkauf aufgelegt,
die Kassierin
reicht weit ausholend
nach den Waren,
die in ihrer Hand entschwinden,
daraufhin sie selbst,
der Kaufhof
wird von einer Finsternis 
einverleibt und aufgesogen.

Die Oberhand

 Auf einer großen grünen Wandtafel
erscheint neben vielen Formeln
ein Wort
eine unsichtbare Hand
wischt das Kreidezeichen weg
Im Traum beginnt ein Streit
die bewusste Hand 
nimmt es nicht hin
das Unbewusste 
beweist sich als stärker
und behält die Oberhand

Montag, 3. August 2026

niemand

Wo jemand 
um Hilfe bittet,
davon niemand
etwas wissen will,
ein kleiner Weiler
sich erweitert,
zum Dorf,
zu einer Stadt,
der tausend Dinge
werden will.
Menschenwürde, 
nichts mehr gilt,
niemand, der sich
der Sache annimmt,
das Rätsel,
warum das mehr
und mehr
sich aus der
Gemeinschaft 
entfremdet.

Zum Ansporn

 Beobachtung der Bewegung
mit der Notation,
das Vermeiden festzuhalten,
der Hinweis,
auch wenn die Geduld nicht reicht,
der Sinn 
zur Bewegungserweiterung,
das neue Verständnis
zu sich,
muss zum inneren Ereignis
zum Ansporn werden.

Das Echo

Das Echo 
wiederholt sich
seitdem der Kosmos
in die Welt geworfen
Sprache vermutet
dahinter Ewigkeit
einige vermuten
das unnahbare Nichts
mit Mythen
Symbolen
beschreiben zu können
das Unsagbare 
ist nicht hörbar
zu machen
im unendlichen Raum
der Seele bleibt
dessen Kern 
der weiterklingt
dennoch verschlossen

Leidenschaft

 Die Leidenschaft für die Kunst entspringt oft einem tiefen inneren Antrieb.

Arbeit

Es kommt nicht 

darauf an,

mit was 

eine Aufgabe 

zum Handwerk beginnt,

sondern wie und

in welchem Sinn

die Arbeit 

beendet wird.

ein Gedanke

Dort und da

offenbart sich

ein neuer Gedanke

nach Hause kommen

 Am Hochhaussturm,

in dem der frühere Mieter

seit Jahren 

gewohnt hat,

schaut ein bärtiger Mann

mit seiner Familie

aus dem Fenster.

Die Frau des früheren Mieters

führt ihren Mann

deren Straßen 

und die Umgebung

völlig im Umbau sind

durch die urbane Stadt 

ihr gelingt es behändig

alle Unebenheiten 

auch Umwege

zu überwinden.

Er fühlt sich unsicher,

es gelingt ihm 

hinter ihr zu folgen.

Beide kommen zu einem Haus

vor einer Kellertüre

die es damals nicht gab.

Die Frau öffnet die geheime Türe

in dessen Raum 

es eine aufgeräumte Ablage hat.

Durch die zweite Türe

sind zwei freundliche Hauswarte

zu sehen

die die Frau und den Mann begrüßen.

Er sagt zu diesen Männern

sie wollen wieder 

nach Hause kommen.