Dienstag, 11. August 2026

Kein Standpunkt

 Zwei Männer
aus der Schulzeit
haben die Aufgabe
ihre Errungenschaften 
auf den Tisch 
zu legen.

Sein Kollege,
der seit der Jugend
an seiner Minderwertigkeit krankt, 
möchte seine 
bescheidenen Erfolge beitragen.

Je mehr 
der bodenständige 
seinen Lebenslauf
mit guten Taten
auftischen kann,
umso mehr 
verliert sein Kollege
den Boden 
unter seinen Füßen.

nicht bestanden

 Mit einer Rosenholz-Flöte
soll über Nacht
eine vorgegebene Melodie:
„cegfededc“
geübt werden

ein Konkurent
spielt dieselbe Flöte aus Stein
das Labium seiner Flöte
ist gut gesäubert,

während die des anderen
das Labium seiner Flöte
unter dem Schnabel
mit Schmutz bedeckt ist

der Holzflöten Musiker
wird während der Nacht
mehrmals
von schwerer Panik 
heimgesucht

seine Frau versucht,
ihren Mann
am Morgen 
zu beruhigen 

der Mann kennt
seine Schwächen
bei Prüfungen
fällt er meist durch
ihm bleibt dazu,
es nicht geschafft zu haben,
das schlechte Gewissen.

Die Wut

 Drei promovierte Akademiker
laden einen Handwerker 
zu einem Spiel
auf schwarzem Tuch
am Tisch

indem geometrische
kleine Holzfiguren
möglichst schnell 
mit ihren Symbolen
aneinander gereiht werden sollen

mit List und Tücke
verliert der einfache Mann
Zug um Zug

was den drei Männern
ausnehmend gefällt

der Mann wird wütend
er beschimpft die Männer
anstatt 
sich ruhig 
von dannen zu machen


Der Auftrag

 Der Auftrag,
drei reife Zwiebeln
auf dem Balkon
in einen großen Topf
mit Erde zu setzen,
wird befolgt,
ohne zu wissen,
zu was es gut sein soll.

Montag, 10. August 2026

Zuviel

 Auf der Anrichte
es ist schon genug
Gemüse geschnitten
obwohl es zu viel 
sein könnte
werden zusätzlich
die restlichen
gelben Peperoni
geschnitten

ohne Scham

 Ein Mann,
der eine Gefühlsstarre entwickelt,
wenn er mit Ebenbürtigen 
in die Nähe kommt,
nimmt die Hingabe
von Frauen,
die ihm wenig 
ein Verlangen
nach einer echten Beziehung
in Anspruch
nehmen. 

Eine einfache Frau
bittet ihn um intimer Nähe,
die er annimmt,
aber nur um sich selbst,

ein letztes Mal
sie ist am Rücken hinab,
dunkelhäutig,
möchte die Nähe
des Mannes

sie bittet ihn,
so oft wie möglich
wider zu kehren

er aber erinnert sich
an das gewohnte,
festgelegte Familienleben,

erkennt keine Scham
an seinem
menschenunwürdigen
Treiben und Leben.

was alles Sorgen bereitet

 Eine Kuh soll geschlachtet werden,
da es schon spät ist
hebt der Sohn
die Kuh in einen Wandschrank, 
oben in ein vergittertes Fach,
mit der Unsicherheit,
dass sie trotzdem 
genug Atemluft bekommt

am nächsten Morgen ist
der Sohn spät aufgestanden
sagt seine Mutter,
sie hätten die Kuh
zu acht befreit

ein anders Übel, 
bereit ihr Sorgen

im Nebenhaus,
in einem Geviert,
sei der Zutritt
in die Keller behindert
der Sohn will 
Abhilfe schaffen

er geht aus dem Haus,
an einem Kleinzoo vorbei
da sieht er 
hinter einer Zäunung einen
einen kleinen Elefanten
auf den Hinterbeinen,
auf und ab gehen.

Sonntag, 9. August 2026

Eifersucht

 Im Kunterbunt,
eine Kleinstadt,
begegnen sich
ein alter
und ein jugendlicher Mann,

Der jüngere 
weiß gekleidet, 
selbstbewusst, 
erzählt, wie er
sich in einer Gemeinschaft
zur Klärung 
des Unbewussten 
gemeistert hat.

Der Alte gesteht
dass er sich 
aller Methodik 
trotzdem 
dass er sich Jahrzehnte lang
mit mehreren Ansätzen
auseinander gesetzt 
davon abgewandt hat.

Das Unbewusste, 
die Seele,
sei der Quell
alles lebendigen Seins.

Eifersucht 
plagt ihn
dass er es
mit der Erkenntnis 
dem Geheimnis
der Seele
nicht auf einen
grünen Zweig 
gebracht hat. 



Samstag, 8. August 2026

Orkan

Im Gewissen
wird durch die Allgewalt
vom Kern

gegen die Überheblichkeit 
des gefühllosen Denkens.

Über Jahre,
Jahrzehnte,
mit aller Macht,
schmerzlicher Gewalt,

von innen,
mit feuriger Hand,
dem kein Entkommen ist.

Tag und Nacht
in Erinnerungen, 
Träumen
und Gedanken
einen Orkanwind
auslösen.

List und LÜge

Meine Seele

ist Dir

bleibt mir

ein nicht lösbares Geheimnis


meinen Schatten 

trage ich

auf versteinerten Füßen


der Innenwelt

der Außenwelt 

bin ich ein

besitzloser Wanderer


List und Lüge 

helfen nichts


ich bin den Mächten

aussen und innen

ausgeliefert 


ich werde mich

an das Schwere halten

zu spät

 Auf der Gehbrücke
neben einem geparkten 
Großflugzeug
schaut der Fahrgast
hinüber
ins Cockpit  
unter dem Frontfenster
erscheint
das Auge des Piloten
das von Müdigkeit 
die Augenlider 
hebt und senkt.
Im Kopfhörer
hört er ein Gespräch
zwischen einem Geschäftsmann
und einem Zahnarzt
der ihn auffordert
es lohne sich
für die Behandlung
ihm in einer Großstadt 
im Ausland
für die Behandlung
aufzusuchen. 
Im selben Moment
er hat das Rufen
aus dem Cockpit 
das in der Nähe stehende
Flugzeug verpasst.
Der Kapitän
sagt ihm
es sei für ihn
nun alles zu spät.

Schönheit

 Die blonde Frau
ist sich ihrer Schönheit
bewusst,
dadurch weist sie
mit starkem Gehschritt
die begierigen Blicke 
zurück.

Die Ausstellung

 In der Altstadt, 
am Abend,
ein Besucher
findet einen Notizblock, 
blättert darin,
er wundert sich,
dass der Einband
auf dem Abort
liegen gelassen wurde,
nimmt ihn 
mit schlechten Gewissen
zur Hand,
ob er wohl
besser täte,
das Kunstwerk
am Eingang
zurück zu lassen
er geht zurück,
fragt zwei junge Frauen,
von welchen
Künstler es sich
bei dieser Ausstellung handelt,
beide weisen ihn 
durch den Rundgang
der schmalen Räume
und Gänge
einige Besucher
steigen die Treppe hinab
in die unteren Räume,
er will in die oberen Räume
der Gesamtaustellung
der Wächter
stoppt die Besucher,
es sei nach fünf Uhr,
den Einzelnen lässt er durch
er schaut sich die Bilder
der Ausstellung an,
von einem Maler,
den er nicht kennt
er wird von einem Mann angehalten,
der sich als Polizist zu erkennen gibt
er habe den Zeichenblock
absichtlich liegen gelassen
der Besucher gibt ihm
das Kunstwerk zurück
als Gegenleistung,
Bilder aus seiner Sammlung dazu.

Freitag, 7. August 2026

blutig

Das Sauerteigbrot,
frisch gebacken,
auf dem Holzbrett,
angeschnitten,

im Laib hat sich
ein Rindsfilet
eingenistet 

sie steht 
nicht weit
davon daneben, 

blutig,
sagt sie.


ohne Licht

Gesichtslos

ohne Licht

mit der Hand

in die Klinge

tanzend

den Namen

in der Wüste

in Sand

geschrieben


der klirrende

Schmerz

in den Kopf

einer Wüstenschlange

getroffen


dem Schatten harrend

der im Traum

in das Drama

der Seele

indem der Betrachter

nicht der Autor

des Geschehens

der Niederschrift 

bei Bewusstsein ist

ihn einführt


nichts wird

zu Grabe getragen

da die Seele

nichts vergisst


ihre Mahnung

seit es 

den Menschen

über Jahrtausende

an die 

Nachfolgenden 

weiter gibt


Zeit 

kennt ihre Grenzen

wenn sie sich

zu weit 

über den Horizont bewegt

verliert sie

für immer

ihr Sein

ihr Gleichgewicht


das Ende

Ist allem

kein Verzicht 

ist

Notwendigkeit

Gesetz


verpasste Heimkehr

 Es wird gleich Nacht.
Menschen stehen
an der Busstation 

für die Reise
über den Berg
ist es zu spät
so muss 
der Heimkehrer
sich für 
ein Nachtlager
auf einem Hof
mitten im Dorf
mit drei Jungs bequemen
in der gleichen Kammer
machen. 

Mitten in der Nacht
machen sie laute Musik
er kann 
sie nicht zur Ruhe bringen
früh am Morgen
steht sein oranger Sportwagen,
den er nicht kennt,
an seiner Front
verbeult zu sehen.

Donnerstag, 6. August 2026

im Nichtwissen

 Das, was aus dem Traum
der Seele aufsteigt,
stellt keine Fragen,
wenn die Ahnen 
rufen im Streit
ihre Sehnsucht
zur Versöhnung rufen. 

Der Fluch 
bleibt ihnen,
der Fluch
an die Abkehr,
an das, was sie glaubten

nicht dass
das Neue,
die Deutung des Traums,
den Träumer
als Beobachter
im Drama der Seele
zur letzten Wahrheit
und zur persönlichen
Einsicht bringt

was die Wirklichkeit 
der Welt zum Besseren 
braucht und bringt,
bleibt Ahnung
im Nichtwissen.


der Versuch

 Der Begriff
des Selbst
ist ein Abbild
eines übermäßigen,
aus Plastik
gegliederten
Semestern, 
der versucht,
in der Starre
seiner Bewegung
am persönlichen
Unbewussten
zu nagen.

Denkmal

 „denk mal“
filigran
den Körper
in Stein gehauen
wenn die Hand
zögert
ist das Werk
bereits verloren

die Schale

 Nur der Mensch 
wird gepriesen, 
der eine unnachahmliche
unverwechselbare 
Stimme hat.
Worte allein
sind wie die Schale
vom Ei.

unsicher

 Unsichere Wege
wer nicht gerufen
verliert
Helmstadt 
Würde und Ansehen
hoch ist der Preis
für ein 
an fürsorgliches
stehen
auf beiden Füßen
an Ort
viele Plätze
sind von anderen
bereits besetzt

uferlos

 Uferlos,
das kollektive Unbewusste, 
der Mond,
die Sterne,
das Augenlicht,
spiegelt
alles 
das Nichts
vor dem Anfang,
von dem
zwar gedacht,
der Schrift,
der Symbolik,
auf Papier
sich verweigert,
einer Hoffnung
ein etwas,
die Null
zu begreifen,
der letzte Abschied
setzt dem Zufall
kein Zeichen,
verdorrter Nabelschnur,
endloser Sturmwind, 
Gedankenmühle,
die der Sturmflut 
nicht standhält,
die Nachfahren
werden den Unmut
der Suche,
der nicht fassbaren 
Wahrheit,
begreifen.

offen

 Flötenspiel, 

auf filigranem 

Knochen

Melodie

von damals

über Berg und Tal

zu uns

eine tonale

Verzweiflung

entzweiter Liebe 

offen legt

Einladung

 Eines Tages
hat sich ein Forscher
der seiner Ansicht nach
das Unbewusste
durch Vermeidung 
von Bewegung
einer Person
mit einem Befund 
aufdecken kann.

Er hat sich ohne Anfrage
in eine Familienrat eingefunden.

Den Familenvater
klagt er an,
er habe die Anweisungen
zur Klärung 
und zur Erweiterung 
von Bewegung nicht befolgt.

Die Antwort des Mannes
er lasse sich
im Privaten
nicht zu etwas zwingen.

Daraufhin
wendet der Analytiker
sich an die versammelte Familie
er möchte die ganze Sippe
in seine therapeutische Gemeinschaft
unter seiner Obhut einladen.