Dienstag, 4. August 2026

Wahrheit

 Jede Schrift, 
jede Formel, 
jede Zahl,
meint sich,
sie taugt,
ist fähig,
von der letzten 
Wahrheit
zu berichten,
im Verborgenen
warten Geschichten,
dass der Mensch
zu neuer Einsicht,
sich bemüht
und weiter gibt.

Zärtlichkeit

 Erwartet wird,
dass im
kollektiven Unbewussten, 
aus dessen Keim
die Wurzel
zur Menschwerdung,
aus dem die Reise
in die Welt beginnt,
als ganzer Mensch
an den Altären
das Unnahbare zu feiern,
mit der Sehnsucht,
der Hoffnung,
ein wenig Zärtlichkeit
für sich 
und andere gelingt.

aufgesetzt

 an der schwarzen Wand
in der Reithalle
springt ein weises Rind
mit Blumen
zwischen den Hörnen 
aufgesetzt 
auf die Tierwärterin zu
und wirft sie zu Boden

Brombeeren

 Frisch aus dem Kühlschrank, 
die Brombeeren in der blauen Plastikschale
bewegen sich wie Ameisen
sie fangen an zu brodeln,
trotz der Kälte
was wollen sie
damit sagen?

Der Galaabend

 Das Ehepaar hat sich
zu einem Galaabend
an einem fremden Ort aufgemacht,
der um drei Uhr morgens endet
von der Empore herab
steigt die Elite,
dazu gehört seine Schwester
mit vornehmem Gesichtszug
im schwarzen Gewand
sie geht
ohne ihn zu beachten
ab ihm vorbei,
indem sie mit einer Dame
davon spricht,
dass ihre Freundin
die Fahrprüfung
spät noch erfolgreich bestanden hat,
zu der ihr Bruder 
in einer zerbrochenen Beziehung hat
sie trotzdem grüßt
mit seiner Frau,
auf die Empore hinaufsteigt,
um auf der anderen Seite
zum Ausgang zu gelangen
draussen fragt er seine Frau,
ob sie das Steuer übernehmen könnte,
weil er betrunken sei
sie will seiner Bitte nicht folgen
er findet den Weg nicht,
der heimwärts führt,
verirrt sich 
in einem Dorf, 
die Straße 
die in einer Sackgasse endet
es ist bereits hell
eine Frau vor ihrem Haus
zeigt über ihren Vorgarten
zur Hauptstrasse 
dort hat die Polizei
die betrunkenen Menschen
des Galaabends
am Straßenrand
auf ihrer Fahrt 
nach Hause angehalten.






einverleibt und aufgesogen

 Am Förderband
zur Kasse,
den Einkauf aufgelegt,
die Kassierin
reicht weit ausholend
nach den Waren,
die in ihrer Hand entschwinden,
daraufhin sie selbst,
der Kaufhof
wird von einer Finsternis 
einverleibt und aufgesogen.

Die Oberhand

 Auf einer großen grünen Wandtafel
erscheint neben vielen Formeln
ein Wort
eine unsichtbare Hand
wischt das Kreidezeichen weg
Im Traum beginnt ein Streit
die bewusste Hand 
nimmt es nicht hin
das Unbewusste 
beweist sich als stärker
und behält die Oberhand

Montag, 3. August 2026

niemand

Wo jemand 
um Hilfe bittet,
davon niemand
etwas wissen will,
ein kleiner Weiler
sich erweitert,
zum Dorf,
zu einer Stadt,
der tausend Dinge
werden will.
Menschenwürde, 
nichts mehr gilt,
niemand, der sich
der Sache annimmt,
das Rätsel,
warum das mehr
und mehr
sich aus der
Gemeinschaft 
entfremdet.

Zum Ansporn

 Beobachtung der Bewegung
mit der Notation,
das Vermeiden festzuhalten,
der Hinweis,
auch wenn die Geduld nicht reicht,
der Sinn 
zur Bewegungserweiterung,
das neue Verständnis
zu sich,
muss zum inneren Ereignis
zum Ansporn werden.

Das Echo

Das Echo 
wiederholt sich
seitdem der Kosmos
in die Welt geworfen
Sprache vermutet
dahinter Ewigkeit
einige vermuten
das unnahbare Nichts
mit Mythen
Symbolen
beschreiben zu können
das Unsagbare 
ist nicht hörbar
zu machen
im unendlichen Raum
der Seele bleibt
dessen Kern 
der weiterklingt
dennoch verschlossen

Leidenschaft

 Die Leidenschaft für die Kunst entspringt oft einem tiefen inneren Antrieb.

Arbeit

Es kommt nicht 

darauf an,

mit was 

eine Aufgabe 

zum Handwerk beginnt,

sondern wie und

in welchem Sinn

die Arbeit 

beendet wird.

ein Gedanke

Dort und da

offenbart sich

ein neuer Gedanke

nach Hause kommen

 Am Hochhaussturm,

in dem der frühere Mieter

seit Jahren 

gewohnt hat,

schaut ein bärtiger Mann

mit seiner Familie

aus dem Fenster.

Die Frau des früheren Mieters

führt ihren Mann

deren Straßen 

und die Umgebung

völlig im Umbau sind

durch die urbane Stadt 

ihr gelingt es behändig

alle Unebenheiten 

auch Umwege

zu überwinden.

Er fühlt sich unsicher,

es gelingt ihm 

hinter ihr zu folgen.

Beide kommen zu einem Haus

vor einer Kellertüre

die es damals nicht gab.

Die Frau öffnet die geheime Türe

in dessen Raum 

es eine aufgeräumte Ablage hat.

Durch die zweite Türe

sind zwei freundliche Hauswarte

zu sehen

die die Frau und den Mann begrüßen.

Er sagt zu diesen Männern

sie wollen wieder 

nach Hause kommen.


Sonntag, 2. August 2026

in ihrem Jetzt

 Meine und deine Hand,
damit wir uns 
täglich berühren,
in unserem Winter,
die Asche 
auf dem Schnee 
wird ein Zeichen 
von uns geben,
unsere Kinder
verbinden ihre Tage,
dass wir und sie
aus einer nicht 
fassbaren Tiefe 
gehoben geboren
sind, ihnen
in Gedanken,
ihrem Jetzt
und unserem damals
verwirkt und verwoben.

Grundsätzlich

Zum Grundsatz wissenschaftlicher und ethischer Auseinandersetzung: Erinnern, prüfen, verstehen und daraus Verantwortung für die Gegenwart ableiten.

Geschichte ist kein Gerichtsurteil

 “Geschichte ist kein Gerichtsurteil, sondern ein Erkenntnisprozess. Wer ihr gerecht werden will, muss zwischen belegbaren Tatsachen, juristischen Bewertungen und politischen Deutungen unterscheiden. Nur auf dieser Grundlage können Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung wachsen.”

Der Feuerball

Trotz aller Ungewissheit,

die Erde verändert sich 

durch Krieg

und Raubbau

zum Feuerball

ein junger Mann

steht vor einem

bedrückten Menschen

er erwidert ihm

mit lachendem Gesicht

inmitten strahlt 

sein weißes Gebiss

man muss das Glück,

das hier zu Tage aufkommt,

essen und genießen.

wann

 In einem fremden,

neuen Zuhause

sind viele Menschen,

die schemenhaft

bekannt unbekannt sind,

an der Arbeit

die Wände 

mit weißer Holztäfelung

zu verschließen, 

das Licht des Tages

kann durch Öffnen 

und Schließen 

eingefangen werden

nach kurzer Zeit

sind einige Räume fertiggestellt, 

die Kinderzimmer

bereits figürlich bemalt

ein Beobachter

steht, als alle die Arbeit beenden, und

fragt sich,

wann und welche Menschen

in die Wohnung

einziehen werden.  

Samstag, 1. August 2026

nicht

Sterne müssen sich 

im Gegensatz

durch die Anziehung

und Übertragung

des eigenen

tief verwurzelten 

Schattens,

den der Mensch

im Tageslicht,

im Traum der Nacht

mit aller Macht,

verbissen

ausblenden will,

was uns so schwer fällt,

das Fürchten nicht zu lernen,

die Liebe kümmert 

das Leid, 

das sich im Vergehen anrichtet,

den ewigen Wunsch

in der Vereinigung

vom Anfang

bis zum Ende

der Glückseligkeit,

den Tod

überwinden zu können, 

nicht.

Im Krieg

An der Grenze,

da wo täglich

der Bombenhagel

die Dörfer und Städte erschüttert,

sind in einer Unterkunft

durch eine männliche Begleitung

drei Knaben eingetroffen

der alte Mann

soll sie in Obhut nehmen,

er hat sich,

er ist für diese Aufgabe

nicht vorbereitet

dazu kommt,

dass sich für die Betreuung

von Kindern nicht berufen fühlt

die Kinder,

trotzdem sie 

aus ihrer gewohnten Gegend 

fliehen mussten

sie zeigen sich neugierig, 

setzen sich in der Stube

neben dem Alten an den Tisch 

und nehmen sich gleich

ein Spiel für Kinder

zur Hand,

als wären sie 

in ihrem gewohnten Zuhause.

Ein Gesicht

Ein Gesicht

dass sonst verärgert,

den Begegnungen 

nicht ausweicht,

erscheint ganz plötzlich

am Haupthaar,

frisch frisiert

die Gesichtszüge 

sieht man nicht.

minderwertig

 Seit seiner Kindheit 

trägt er die Last

seiner Minderwertigkeit,

da er sich

ebenbürtig wissen möchte

will er sich mit Worten

mit den Grössen messen können

seine Frau bodenständige Frau

nervt sein Gebaren

sie möchte,

dass er endlich 

zu Sinnen kommen könnte.