Mittwoch, 30. September 2026

Die Anweisung

Auf einem Anweisung
mit einem Nebenhaus
darin eine Familie
zuhause ist

beide Häuser sollen 
gegen Abend 
geräumt 
und verlassen werden

es stehen 
Dinge und Sachen
auf dem Weg
nebenan bereit

der Familienvater
kann nicht unterscheiden 
wem was gehört
und was nicht

der Gutsverwalter
kommt hinzu

er macht
den Familienvater
drauf aufmerksam
dass er zuständig sei
die Fensterläden zu schließen
bevor alle Menschen
das Anwesen und das Nebenhaus
für immer verlassen haben

denn am nächsten Tag
sei nicht genügend Zeit mehr
um die letzte Arbeit
den Auftrag
erledigt zu haben

Die Briefkarte

 Die Ehefrau
hat eine Briefkarte beschrieben
der Mann nimmt sie in die Hand

er öffnet sie
da fallen Briefmarken heraus

der Adressat ist eine Frau
dessen Ehemann
in der Stube
am Tisch sitzt

die Ehefrau
hebt den fertigen Umschlag
an einen Automaten
der die Briefmarken schluckt
und eine Briefmarke herausgibt
mit einem hohen Wert
denn der Brief
soll noch am selben Tag
an Ort eintreffen

die Ehefrau 
übergibt ihrem Mann
den Brief
er soll ihn baldmöglichst 
auf das Postamt bringen

dieser weiß nicht
ob er den großen Personenwagen
den er noch nie gefahren hat
dazu benutzen soll
oder ob er damit
zu Fuß gehen soll

Ein Text

  Ein Text
aus unsichtbarer Hand
formt sich 
aus sich selbst
sodass Inhalt
und Bedeutung
dem Besitzer
zu unvorstellbaren
Reichtum verhilft.

Brotteig

 Der Brotteig 
geht mehrmals auf,
dazwischen 
hat er das Wasser
zu Eis 
mehrmals ausgeschieden.

Dienstag, 29. September 2026

Verwirrung

 Es ist Abend, getrennt von Herkunftsfamilie, die Ehefrau übergibt dem Mann ihr Handtelefon, eine seiner Schwestern beschwert, weil er eine Zusammenkunft mit weiteren Mitgliedern verweigert hat. Sodass er entschieden deswegen das Gespräch abbricht. Seine Schwester redet und schimpft eine halbe Stunde weiter. Das Gespräch wird von seinen Enkelkindern verfolgt.

Der Mann hat eine Verabredung. Zwei Frauen im Verein, am gleichen Abend, machen ihm Vorwürfe derselben Art, über Dinge und Sachen, die er so oder so gesagt haben soll. Der Mann versucht sich nicht herauszureden. Er bleibt bei seiner Sichtweise und erwidert, dass er über niemandem schlecht gedacht und geredet hat. 

Er glaube, dass man ihn mit seiner Aussage falsch verstanden habe. Die Frauen wohnen dicht an dicht in zwei Häusern. Beide verabschieden sich. 

Der Mann muss sich auf den Bahnhof beeilen, um den Zug zur Heimfahrt noch rechtzeitig erreichen zu können. Falls er doch zu spät daran wäre, würde er, so denkt er doch bei seiner Schwester, die nahe in einem Dorf wohnt, sie bitten, dass er bei ihr übernachten könnte.

Der Zug fährt in die Richtung, wo der Mann aufgewachsen ist. Er muss in einem Bahnhof aussteigen, den er nicht kennt. Der Bahnhof wird von aller Art öffentlicher Verkehrsmittel bedient. 

Es tagt bereits. Aus einem Zug, der an einem erhöhten Bord steht, gebaut im neunzehnten Jahrhundert, ruft ein Mann Menschen einzutreten. Er betont die Biedermeier-Architektur und die bequemen schwarzen Ledersessel, die zu einer vergnüglichen Fahrt einladen.

Der Mann steigt ein. Der Zugführer fährt in bedächtigem Tempo, es geht bergauf, sonderbarerweise nicht auf der Straße und nicht auf einem Gleis. Wie der Zug die Höhe gewonnen hat, fährt er den Berg ins Tal hinab.

Die Gegend erinnert den Mann, da wo er seine Jugendzeit verbracht hat. Er erkennt die Stadt und die Landschaft nicht wieder. Sie hat ein südliches Flair. Mit weiss leuchtenden Häusern aus weißem Gestein. Die Fahrt endet mitten in der Stadt. Vergeblich versucht er, das, was er zu sehen bekommt, mit seinen Erinnerungen auszugleichen. 

Er steigt aus, er versucht, den Namen des Bahnhofs herauszufinden. Das Gebäude im alten Stil lässt am Fries keinen Namen der Stadt oder des Bahnhofs erkennen. Er fragt andere Menschen, sie erwidern ihm, dass ihnen bewusst sei, wo sie stehen und wer sie in Wirklichkeit sind. 

Es wird vom Lautsprecher bekannt gegeben, dass die nächsten Züge an dem Ort halten, wo er als Kind aufgewachsen ist. Der Mann bleibt in seiner Verwirrung, dem nicht mehr zu wissen, wohin, schließlich stecken.



Montag, 28. September 2026

die Annäherung

 In einem großen, beleuchteten Gasthaus
setzt sich eine Frau
neben einen Mann,
der sich gerade
an einen Tisch gesetzt hat

sie nähert sich ohne Scham,
er berührt ihren rechten, 
nackten Oberschenkel 

die Frau sagt ihm,
sie möchte aufbrechen,
er möchte bezahlen,
obwohl beide nichts konsumiert haben

zuhause verschweigt er
seiner Frau,
dass er sich 
einer anderen Frau
genähert hat.

Sonntag, 27. September 2026

unerwartet

Da die Familie bereits Kinder gross gezogen hat. Kommt eine erneute Schwangerschaft unerwartet.

In den ersten Tagen der Schwangerschaft, wölbt sich der Leib, als würde die Ehefrau gleich gebären. Ihr Gesicht ist  eingefallen, sie atmet schwer, die Schmerzen müssen unverträglich sein.

Der Ehemann vermutet eine Totgeburt. Ruft auf ihrem Handtelefon nach ihrem zuständigen Arzt.

Eine Hebamme eilt herbei. Sie bittet den Ehemann seine Frau von der Seitenlage auf den Bauch zu legen.
Mit ihren Händen zieht sie ein Kind aus ihrem Schoss. Sein Kopf ist schmal, lang und endet in einer Wölbung. Das Kind sagt, es habe gerade moderne Musik für Jugendliche gehört.

Zur gleichen Zeit, ein Auto steht neben dem Haus, es ist mit behinderten unausgereiften Föten, davon bis in die Hintersitze gefüllt.

niemand

 Ein gelebter Personenbus
zweigt ab
auf die Stadtautobahn 

weil am Lenkrad
niemand sitzt
nicht ein Passagier 
das Steuer in die Hand

es fällt ihm nicht leicht
die Spur zu halten
mit dem grossen Fahrzeug
Verkehrsregeln einzuhalten

mit seinen Händen

 Der Enkel erhebt 
vor seinem Ahn
seine Hände

und dreht 
den verwandelten
leicht 
wie ein gefällter
Baum
auf einem
drehbaren Sockel

Samstag, 26. September 2026

Gesamtkunstwerk

 Auf einer Lichtung haben sich im Kreisrund Unbekannte auf den Boden gesetzt. Ein Fremder kommt dazu. Er muss sich mit dem letzten Platz begnügen. Auf der Sitzfläche muss er sich auf eine Münze setzen.

Rundum stehen alte Bäume. Einige davon stehen am Abhang, deren Wurzeln offen stehen, als würden sie den Halt verlieren. Der Mann berührt vor einem schmalen Baum seinen Stamm, der sogleich vor ihm auf den Boden fällt.

Der Fremde erinnert sich, dass in der Nähe das Haus steht, in dem eine Verstorbene, die er ohne mit ihr in Kontakt war, verliebt war. Er geht mit anderen auf das Haus zu. Ein ebenfalls Verstorbener Bruder, mit seinem Freund, kommt hinterher. Dieser rasiert während des Gehens mit einem scharfen Messer seinen linken Backenbart. 

Wie sie gemeinsam das Haus betreten, weht durch die Vorhänge und Fluren ein Wind. Der Fremde trifft in einem Zimmer auf die Frau. Sie ist abweisend und wird wütend, als sie den Mann von damals wieder erkennt.

Der Mann geht durch das Haus. Jene Frau hat in den Jahrzehnten, nach ihrem Tod, handschriftliche, bebilderte Gedichte geschrieben. Er fordert die Umstehenden heraus, das Gesamtkunstwerk öffentlich zu machen.

Freitag, 25. September 2026

Bargeld

 In seinem Geldbeutel 
sind zwar viele Ausweiskarten
und kaum Bargeld vorhanden

trotzdem fallen
ein paar gut gefaltete Scheine
auf den Boden

ein Fremder
hebt sie auf
und gibt sie
dem Jemand 
der erstaunt ist zurück

 






nicht berufen

Ein Besucher
am Theater
hat sich
in die Kammern
der Schauspieler verirrt

er fühlt sich gerufen
aber als Akteur 
nicht berufen

er wendet sich
die Stiege hinab
in den Vortragsaal

er vergass
den Code
auf einem Stück Papier
dass er jemandem
aushändigen soll

in seinen Taschen
findet er nur
kleine Reste
von Verpackungspapier

er steigt wieder
die Treppe hinauf
da wird den Schauspielern
und den Besuchern
ein Snack angeboten
seine Portion
wurde gerade
an jemand anderen vergeben

unter Anleitung
muss er Pizzateig
aus einer Plastikfolie 
herausnehmen 
und mit dem Walholz 
flach in die Rundung ausbreiten

der weisse Pizzateig
verwandelt sich
unter seinen Händen
in einen dunklen Roggenteig

auf der falschen Seite

 Der Altschwache
steht rücklings
vor der Abort
er hat 
auf der falschen Seite
sein Wasser gelassen

Donnerstag, 24. September 2026

die Übergabe

 Die Urkunde
die vom Amt 
beglaubigt werden sollte
wird einem Mann
der nicht mehr im Dienst ist
in die Hand gedrückt

jener versucht sich 
davon zu entledigen
da es in der Anstalt
die Zuständigen gibt

es ist nicht einfach
auf Umwegen
über eine Tankstelle
am Dorfeingang
kann er 
die Aktenmappe
einem Mitarbeiter
der Anstalt übergeben

Speisesalz

 in weissem Karton
die Pakete
gefüllt mit Speisesalz
ohne Jod
füllen das Tablar
in den Küchenschrank
ganz von selber
eines lässt sich
zu Boden fallen

der Schwall

 Breitbandnudeln
gekocht
aus dem Topf
der Schwall
in den Teller
will nicht enden

Kartoffelsalat

 Am Dorfmarkt
wird der Kartoffelsalat
in einem flachen
Brotbeutel feil gehalten

Mittwoch, 23. September 2026

das zweite

 Das zweite,
uns unbekannte Gesicht,
dessen dunkles Auge
nach dem Verdorbenen
im Gegenüber sucht.

Dienstag, 22. September 2026

eine Träne

 Kalt kommt er herauf
aus der Betriebsamkeit im Dorf
und den lärmenden Strassen

gleich einem 
aufgeblasenen Gesicht

der Nebel über dem Tal
eine wogende See
leise

fürs Auge mächtig
von überall und nirgends

der Wind wirft sich
in dein Haar
einem Sturm gleich
durch dein schwarzes Gewand

dein fahles Gesicht
zwischen den Haarstränen
schattig
schwer 
eine Träne 
in deinem Auge




schuldlos

 Dem schuldlos Verdorbenen
gibt die Seele
kein Gewicht
vielmehr nimmt sie das
was sich bewusst dazu stellt
für sich
nicht an ein Ganzes
von dem wir
alle sind




vor dem Konzert

 Im Halbdunkel
vor der Bühne
mit blauem Vorhang
übt ein Musiker
mit Kindern
für ein
nahestehendes Konzert

ein Besucher
im Saal
möchte sich beteiligen

der Dirigent 
macht es nicht einfach
er übt einmal dieses 
und jenes Stück

der Dirigent 
erklärt einem Kind
dass der Sänger
bis zur Aufführung 
dabei sein wird

später den Chor
von wo er gekommen ist
wieder verlässt




erwacht

 Erwacht,
aufgestanden, 
sind die Füße
zu Stelzen,
die Zehen
geschwollene,
abstehende 
Knollen geworden.




Montag, 21. September 2026

ohne Anleitung

 In loser Gemeinschaft,
wo sich die meisten
im Bad der Menge bewegen,

ein Mensch
fühlt sich niedergeschlagen,
als könne er sich
nicht dazu gesellen

einer meint
jenen die es schwer fällt,
die innere Unruhe 
zu bewältigen

man könne 
mit Bewegung,
vor allem mit den Händen,
sich Ruhe 
und Eintracht
verschaffen

der Geplagte meldet sich
unter den wenigen anderen,
aber es kommt nicht
wie versprochen
zu einer Anleitung.

Sonntag, 20. September 2026

nicht erwartet

 Menschen 
sind zu Besuch
eingeladen

auf den Fotos
sind Menschen
zu sehen

lange Gestalten
mit Gesichtern,
die der Gastgeber
nicht erwartet.


auf der Flucht

 Mit dem Fahrrad
über die Grenze

zwei Reiter 
verfolgen 
mit Seilen 
aus Eisen

sie schwingen
sie von Hand
und fliegen
durch die Luft

die Menschen
auf der Flucht
die sie 
in Stücke
reissen sollen

Samstag, 19. September 2026

gefesselt

 In einem beleuchteten Bunker
die Etagen aus Gittern
liegt ein Mann gefesselt
auf nackten Eisen

ein Mann steigt
die Eisentreppen empor

er wird ihm
mit seinen 
geöffneten Augen
eine tödliche Spritze
verabreichen

beide

 Der Bergrücken,
das Tal,
beide liegen
im Morgendunst,
als wollten sie
nicht aus ihrem Schlaf
erwachen.

Freitag, 18. September 2026

unbekannte Zukunft

 Menschen, 
die vor dem Diktator flüchten
sie berichten,
sie haben sich getrennt
von denen,
die ihm die Treue schwören

ein Mann
begrüßt sie 
mit einem Lied
in ihrer Sprache,
die er selbst nicht versteht

es will 
keine Stimmung aufkommen
er versucht es nochmal
die Menschen
lächeln zwar im Gesicht
und gehen ihren Wege
in eine 
unbekannte Zukunft. 

Donnerstag, 17. September 2026

Vorgesetzt

 Der gekochte Reis
wurde mit
Teilen eines Verstorbenen
gemischt
und von Menschen
denen der Reis
im Teller 
vorgesetzt wurde
gegessen

Mittwoch, 16. September 2026

كنتَ

 كنتَ قبلي،

معي،

أعني، لقد أتيتُ لاحقًا،

إليّ،

الروح، أقدم منا،

العشب في الحقل أعلم،

مما أعرفه عن نفسي،

أنا لا أنتمي،

إلى نفسي، إلى داخلي

mir

Du warst vor mir,
mit mir,

mein ich 
kam später 
zu mir,

die Seele 
älter als wir

das Gras 
im Feld weiß mehr
als ich mir, 

ich gehöre 
nicht mir
in mir

Durch das Land

Hinter der Mauer
die Begrabenen

davor 
laufen im Gleichschritt 
einer Perlenkette gleich

Pilger 
mit dem Smartphone 
in der Hand

von Norden
nach Süden
durch das Land




Dienstag, 15. September 2026

Die Uhrzeit

 Ein Mann
geht am Rand
der Straße

er ist bar 
aller Dinge
und Menschen

Am Straßenbord
hebt er eine Armbanduhr
vom Pflaster auf

sie ist klein
und unscheinbar

sie gibt 
die genaue 
Uhrzeit an

der letzte Arbeitstag

 Am letzten Arbeitstag
beginnt ein Bereichsleiter
das Büro aufzuräumen.

Viele Nebensächlichkeiten
liegen in den Schubladen
die er entsorgt.

Das Buchhaltungsbuch
will er mit der Kassa ausgleichen
doch er kommt 
nicht mehr dazu.




Der Dankesbrief

 Der Heimleiter
schreibt den Familien
einen Dankesbrief.

Vor allem eine Partei
hat es ihm angetan.
Der Brief wiegt schwerer
als der der anderen.

Er fragt den Gehilfen
wieviele Briefmarken 
zu welchem Preis
er aufkleben soll.

Die anderen nimmt er mit.
Er will sie 
auf den Gruppen
den Insassen verteilen.

Einer davon 
stellt ihn zur Rede
ob er nicht wisse
dass die Familie 
die er bevorzuge
längst sich 
vom Heim
verabschiedet hat.

Montag, 14. September 2026

auf Besuch

 Menschen, die sich kennen,
sitzen um einen Tisch
hinter der Sichtwand
steht eine korpulente Frau
sie ist gerade angekommen 

ein Mann begrüßt sie,
indem er sie umarmt
er lässt sich mit ihr
oben auf 
auf das Bett fallen
und lässt sie nicht los

er macht sich nichts draus,
was die Leute 
nebenan denken

die Frau verwandelt sich,
kehrt um, 
in ein kleines Mädchen
mit schwarzer Haarpracht

der Mann umarmt es
er fragt sich,
warum es weint
er versteht es nicht

später will er
mit dem Mountainbike 
losfahren 
das hinter Rad ist platt

der Mann liegt 
am Boden
jemand aus dem Nichts
hebt ihn auf

mit dumpfe Stimme sagt
das Dankeschön,
klebt ihm
im Hals.

Sonntag, 13. September 2026

zum Geburtstag

 Das Licht von Süden
durch die Fenster
erhellt den Gastraum.

Viele Menschen
sitzen an den Tischen
darunter drei ältere Frauen.

Ein Mann 
berührt ungewollt
beim vorbeigehen
das Haupthaar 
einer der drei Frauen.

Es stellt sich heraus
dass alle drei 
am selben Tag
ihren Geburtstag feiern.

Sie sind einundneunzig
Jahre alt.
Der Mann stimmt
das Geburtstagslied an.
Alle stimmen mit ein.

Etwas später
der Mann hat
einen weißen Mantel
mit bestickten Borden
und eine weiße Mütze
als Kopfbedeckung an.

Er geht durch den Raum.
Niemand weiß
was er damit sagen will.

Samstag, 12. September 2026

beim Arzt

 Ein Riese 
überragt das Land

geht dem Kanal entlang
in ein Dorf

er setzt sich
über den Kanal

geht in das Doktorhaus
und lässt sich

er besteht 
nur noch 
als Skellet

am Zeigefinger
eine Spritze geben

kurzum

 Die Wiese von Hand
sauber gemäht

kurzum
schießt Weizen
mit Ähren 
aus dem grünen
Rasen hervor

auf der Gasse

 In der Schreinerei
lackiert der Geselle
ein Stück Holz.

Der Jugendliche
des Meisters
nimmt ihm 
die Arbeit 
aus seiner Hand.

Das lässt sich
der Geselle
er wird wütend
nicht gefallen.

Der Jugendliche
mit seiner Klage
rennt zum Vater.

Er kommt zurück
mit einem hämischen 
Lachen im Gesicht.

Eine Frau
sagt ihm
der Aufruhr 
werde ihm 
nichts nützen.

Der Geselle
findet sich später
auf der Gasse wieder.

Er scheuert
einen kleinen
Handwagen
für Kinder.




An Bord

 An Bord
auf einem Passagierschiff 
zur Besichtigung
sind viele Menschen eingetroffen.

In verwinkelten Ecken
haben sich Obdachlose 
unbemerkt eingenistet.

Das Hochseeschiff
verwachsen mit der Pier
entpuppt sich
geschaffen 
auf allen Etagen
aus Beton.




Freitag, 11. September 2026

Gefangenschaft

 Gefangenschaft
in Freiheit

Gewalt der Sinne
und Gedanken

Misshandlung
unter Heiligenschein

die Spieltheorie
mit der Aufforderung

zur Gleichsetzung
von Macht
in verbackener Masse





jemand und niemand

 Kargheit 
wird der Innenwelt
behauptet

doch 
der Traum
drückt jedem
Bücher zu Hauf

die niemand
interessiert,
niemand hört,

der Träumer selbst,
sie nicht verstehen,
nicht lesen will

niemand kümmert sich
in der Straßenbahn
um jemand

der seine Träume
der Nacht
nachbetet

weil jemand
nur leise,
ohne Wortlaut,

jemand dazu,
seine Lippen dazu bewegt.

Ordnung

 Schwer genug
ist es, 
in der eigenen Welt
für Ordnung
zu sorgen
und sie auch 
einzuhalten.


dort drüben

 Das Kind
erwacht im Traum,

hat die Mutter
dort drüben,

im Keller,
im großen Schulhaus

es ging mit beiden
dort drüben,
die Treppenstufen 
hinab,

seinen jüngeren Bruder
wirklich erwürgt
und umgebracht.

spät noch

 Dem Mutterschoss 
entbunden 

blutig geworfen
in die Welt

den Weg
durch die Hölle 

erwacht
in der Kirche 
ganz drinnen

kein Gebrüll
sanfte Winde

spät noch
der erste Frühling