Freitag, 29. Mai 2026

Salon Hof Ha'Carmel

Salon Hof Ha'Carmel

 Sehr geehrte Esther-Scheiner,

vielen Dank für die ausführliche Zusammenstellung der aktuellen Ereignisse und Quellen. Gerade in Zeiten von Krieg, Terror, Angst und Polarisierung ist sorgfältige Information wichtig. Ebenso wichtig erscheint mir jedoch die Frage, wie über Menschen, politische Gegner und ganze Bevölkerungsgruppen gesprochen wird.

Mehrere Formulierungen Ihres Beitrags überschreiten meines Erachtens die Grenze zwischen legitimer Kritik und abwertender Polemik. Begriffe wie „Giftzwerg-Wadenbeisser“, „Demagoge“ oder spöttische Bemerkungen über Personen tragen kaum zu einer sachlichen politischen Debatte bei. Sie emotionalisieren zusätzlich eine ohnehin hoch aufgeladene Situation und erschweren differenzierte Diskussionen.

Gerade wenn man selbst zu Recht Antisemitismus, Geschichtsverzerrung oder Hass ablehnt, sollte man auch im politischen Streit auf eine Sprache achten, die Menschenwürde und demokratische Debattenkultur wahrt — unabhängig davon, wie problematisch man einzelne Politiker oder Entscheidungen bewertet.

Ebenso wichtig erscheint mir, ziviles Leid auf allen Seiten sichtbar zu machen. Der Tod israelischer Soldaten und Zivilisten verdient Mitgefühl. Dasselbe gilt aber auch für getötete libanesische und palästinensische Kinder, Familien und unbeteiligte Zivilpersonen. Menschliches Leid sollte nicht relativiert oder unterschiedlich gewichtet werden, je nachdem, auf welcher Seite der Grenze es geschieht.

Auch Aussagen über territoriale Kontrolle in Gaza, militärische Expansion oder die Unterstützung bewaffneter Milizen verdienen eine besonders kritische und völkerrechtlich sensible Einordnung. Hier wäre mehr Distanz zu allen beteiligten Akteuren hilfreich — auch gegenüber der israelischen Regierung und ihren Verbündeten.

Eine demokratische Öffentlichkeit braucht keine Entmenschlichung, sondern Präzision, Transparenz und die Bereitschaft, komplexe Realitäten auszuhalten. Dazu gehört auch, zwischen legitimer Sicherheitsverteidigung, politischer Ideologie, Machtinteressen und den Folgen für die Zivilbevölkerung klar zu unterscheiden.

Ich würde mir wünschen, dass die Diskussion über Israel, Gaza, Iran und den Libanon weniger von emotionaler Lagerbildung geprägt ist und stärker von universellen Prinzipien: Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, Schutz von Zivilisten und gleiche moralische Maßstäbe für alle Seiten.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

Salon Hof Ha'Carmel

Salon Hof Ha'Carmel


 Liebe Esther Scheiner,

vielen Dank für Ihren eindrücklichen und kenntnisreichen Beitrag zu Bamidbar/Nasso und zum Aaronitischen Segen. Besonders schön fand ich Ihre Darstellung der spirituellen Bedeutung des Segens als Ausdruck von Schutz, Gnade und Frieden sowie die Verbindung zwischen liturgischer Tradition, Qumran und heutiger jüdischer Praxis. Der Wunsch nach Frieden („…und schenke dir Frieden“) besitzt gerade in unserer Zeit eine besondere Tiefe.

Gerade weil Ihr Beitrag so viel Wärme und spirituelle Verbundenheit ausstrahlt, möchte ich respektvoll auf einen Abschnitt eingehen, der bei mir Nachdenklichkeit ausgelöst hat.

Die Aussage, Frauen hätten die priesterlichen Aufgaben körperlich „schnell überfordert“, erscheint historisch wie sachlich problematisch. In vielen Kulturen und Epochen verrichteten Frauen schwere körperliche Arbeiten — in Landwirtschaft, Handwerk, Versorgung und religiösem Alltag. Auch die Tempeldienste bestanden nicht ausschließlich aus körperlicher Schwerarbeit, sondern ebenso aus kultischen, spirituellen und gemeinschaftlichen Aufgaben. Die pauschale Annahme einer generellen körperlichen Unterlegenheit von Frauen entspricht weder heutigen historischen Erkenntnissen noch der Realität vieler Frauen damals wie heute.

Ebenso wirkt die Verbindung zwischen der Diskussion um Genderidentität und einer angeblichen „Unruhe“, die Menschen verursachen würden, wenig fair gegenüber Personen, die oft ohnehin mit Ausgrenzung, inneren Konflikten und gesellschaftlichem Druck leben. Man muss nicht jede moderne gesellschaftliche Entwicklung gutheißen oder religiös übernehmen, um Menschen dennoch mit Respekt und Würde zu begegnen.

Gerade die jüdische Tradition kennt eine tiefe Achtung vor der Würde des Menschen („Kavod HaBriot“). Vielleicht könnte der Priestersegen deshalb auch als Einladung verstanden werden, Gottes Angesicht jedem Menschen zuzuwenden — unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder persönlicher Identität.

Denn der Kern Ihres Textes berührt etwas sehr Schönes:
dass Menschen sich nach Frieden, Schutz, Güte und göttlicher Nähe sehnen.

In diesem Sinne:
Shabbat Shalom und danke für die anregenden Gedanken.

Hans Gamma

China verstehen

China verstehen

 Sehr geehrter Herr Hetzel,

vielen Dank für Ihren informativen Beitrag über Tiandy und die Entwicklung moderner Sicherheitstechnologien. Sie beschreiben nachvollziehbar, wie sich Videoüberwachung von reiner Aufzeichnung hin zu intelligenten, KI-gestützten Systemen entwickelt hat und welche technischen Fortschritte dabei erzielt wurden.

Gerade deshalb erscheint es jedoch wichtig, neben den technologischen Möglichkeiten auch die gesellschaftlichen, rechtlichen und ethischen Folgen solcher Systeme kritisch zu beleuchten.

Unternehmen wie Tiandy stehen – ähnlich wie andere große Anbieter aus dem Bereich der Überwachungstechnologie – international immer wieder im Zusammenhang mit Fragen des Datenschutzes, der informationellen Selbstbestimmung und möglicher staatlicher Massenüberwachung. Menschenrechtsorganisationen sowie verschiedene westliche Staaten haben in den vergangenen Jahren wiederholt Bedenken hinsichtlich des Einsatzes chinesischer Überwachungstechnologien geäußert, insbesondere im Zusammenhang mit Gesichtserkennung, Verhaltensanalyse und dem möglichen Missbrauch personenbezogener Daten.

Technologischer Fortschritt allein ist noch kein gesellschaftlicher Fortschritt. Systeme, die Menschen erkennen, analysieren und dauerhaft beobachten können, bergen immer auch die Gefahr von Kontrolle, Missbrauch und Einschränkung von Freiheitsrechten – insbesondere dann, wenn Transparenz, demokratische Kontrolle und unabhängige Aufsicht fehlen.

Auch die von Ihnen erwähnten „Smart-City“-Anwendungen sollten daher nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Effizienz betrachtet werden. Eine intelligente Stadt darf nicht zu einer permanent überwachten Stadt werden. Sicherheit ist wichtig, aber ebenso wichtig sind Privatsphäre, Bürgerrechte und der Schutz vor digitalem Machtmissbrauch.

Ihr Beitrag vermittelt vor allem die wirtschaftliche und technologische Perspektive des Unternehmens. Für ein vollständigeres Bild wäre es aus meiner Sicht sinnvoll gewesen, zusätzlich auch die kritischen internationalen Diskussionen rund um Überwachungstechnologien, KI-gestützte Gesichtserkennung sowie geopolitische und datenschutzrechtliche Fragen anzusprechen.

Eine offene Gesellschaft lebt davon, dass technische Innovationen nicht nur bewundert, sondern auch kritisch hinterfragt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

Notizen ohne Tinte

Notizen ohne Tinte

 Sehr geehrter Verfasser „Notizen ohne Tinte“,

ihr Beitrag berührt durch seine ruhige Sprache, die Erinnerung an Paul Gerhardt und die Sehnsucht nach einem Ort der Stille in einer lauten Zeit. Gerade die Verbindung von Natur, Vergänglichkeit und Zuversicht ist wohltuend formuliert.

Dennoch hinterlässt der Text bei mir auch einen zwiespältigen Eindruck.

Die Beschreibung der „Generation Glück“, die trotz Krisen ihren Frieden auf Hiddensee sucht, wirkt stellenweise wie ein Rückzug aus gesellschaftlicher Verantwortung. Natürlich braucht jeder Mensch Distanz zu Dauerkrisen, medialer Überforderung und politischem Lärm. Aber Zuversicht darf nicht bedeuten, sich allzu bequem mit den eigenen Privilegien einzurichten, während andere die Folgen sozialer Unsicherheit, Krieg, Klimakrise oder politischer Fehlentwicklungen wesentlich härter tragen.

Gerade der Verweis auf Paul Gerhardt wäre vielleicht auch anders lesbar: Seine Zuversicht entstand nicht aus geschützter Idylle, sondern mitten in Krieg, Verlust und existenzieller Not. Sein Trostlied war kein Rückzug aus der Welt, sondern ein Versuch, Menschlichkeit und Hoffnung trotz der Realität zu bewahren.

Auch die abschließende Bemerkung über den „glücklosen Kanzler ohne Regierungserfahrung“ wirkt im Ton etwas abrupt und eher feuilletonistisch zugespitzt. Nach dem zuvor nachdenklichen und poetischen Text entsteht dadurch beinahe der Eindruck, als würden komplexe politische Fragen auf ein persönliches Urteil reduziert. Kritik an Politik gehört selbstverständlich zur öffentlichen Debatte — aber vielleicht wäre gerade in Zeiten allgemeiner Gereiztheit etwas mehr Differenzierung hilfreicher als weitere politische Etiketten.

Trotzdem danke für diesen stillen, atmosphärischen Text über Hiddensee, Wind, Weite und die Suche nach Zuversicht. Vielleicht liegt die eigentliche Stärke Ihres Beitrags gerade dort: in der Erinnerung daran, dass Menschen Orte und Momente brauchen, die sie innerlich wieder aufrichten — allerdings ohne dabei den Blick für die Wirklichkeit anderer zu verlieren.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

Barcelona / j re crivello// Escritor y Editor / Fundador de Masticadores

Barcelona / j re crivello// Escritor y Editor / Fundador de Masticadores

 Sehr geehrter Herr Crivello,

vielen Dank für Ihren literarischen Beitrag. Ihr Text vermittelt atmosphärisch und sprachlich eindrucksvoll Eindrücke von Vilanova i La Geltrú, von Migration, Einsamkeit, Identität und gesellschaftlichem Wandel. Besonders die Beobachtungen über Arbeit, Entwurzelung und das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit regen zum Nachdenken an.

Gleichzeitig möchte ich eine kritische Anmerkung formulieren — in respektvoller Absicht und im Sinne eines offenen Dialogs.

Mehrere Formulierungen im Text wirken aus heutiger Sicht problematisch oder verletzend, insbesondere Begriffe wie „moros“ oder die wiederholte Gegenüberstellung von „Einheimischen“ und „Ausländern“ in stark stereotypisierenden Bildern. Auch wenn der Text ursprünglich aus dem Jahr 2007 stammt und literarisch-provokativ gemeint sein mag, transportieren solche Begriffe historische Belastungen und können Menschen pauschal herabwürdigen.

Gerade weil Ihr Text von Menschlichkeit, Identität und gemeinsamer Verletzlichkeit handelt, entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen dieser Botschaft und einzelnen sprachlichen Bildern. Viele Leserinnen und Leser könnten darin weniger eine soziale Beobachtung als eine Distanzierung oder Abwertung migrantischer Menschen erkennen.

Die von Ihnen genannten Zahlen zur Beschäftigung von Einwanderern in Spanien verweisen zudem auf eine wichtige Realität: Migrantinnen und Migranten waren und sind ein wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Spaniens. Deshalb wäre es wertvoll, ihre Rolle nicht nur als fremde Erscheinung im Stadtbild, sondern stärker als gleichwertigen Teil der gemeinsamen Gesellschaft darzustellen.

Literatur darf provozieren, irritieren und Widersprüche sichtbar machen. Doch Sprache trägt Verantwortung — besonders dort, wo sie Gruppen beschreibt, die ohnehin häufig Vorurteilen ausgesetzt sind.

Ich danke Ihnen dennoch für den Denkanstoß und wünsche mir, dass solche Texte heute Anlass für einen differenzierten und respektvollen Austausch über Identität, Migration und Zusammenleben sein können.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

Graugans

 


Sehr geehrter Verfasser,

Ihr Beitrag „Evakuation des Geistes“ entfaltet eine intensive, expressionistische Bildsprache. Die Motive von Licht, Feuer, Nacht, Elektrizität und geistiger Entrückung erinnern an literarische Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts und an die existentielle Radikalität von Srečko Kosovel. Die poetische Kraft einzelner Passagen ist unbestreitbar.

Gerade deshalb verdient der Text auch eine ernsthafte und verantwortungsvolle Auseinandersetzung.

Problematisch erscheint insbesondere die pauschale Darstellung von „Menschen“ als „Evakuationen des Geistes“ oder „Anomalien der Psychologie“. Solche Formulierungen wirken nicht nur entmenschlichend, sondern erzeugen ein Weltbild, in dem sich der sprechende Geist über die vermeintlich „Schlafenden“ erhebt. Die Gegenüberstellung eines erleuchteten Einzelnen und einer dumpfen, geistlosen Masse ist literarisch zwar ein bekanntes Motiv, kann aber schnell in Verachtung gegenüber realen Menschen umschlagen.

Auch die Zeilen über die „Polizisten der Sonne“ und die „Kleinbürger“ arbeiten mit Feindbildern und Abwertung gesellschaftlicher Gruppen. Kunst darf provozieren — doch sie trägt ebenso Verantwortung dafür, wie sie über Menschen spricht. Besonders in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung ist sprachliche Entwürdigung kein belangloses Stilmittel.

Srečko Kosovel schrieb in einer Epoche tiefgreifender Krisen, geprägt von Krieg, ideologischen Spannungen und existenzieller Unsicherheit. Seine Texte leben von innerer Zerrissenheit und visionärer Übersteigerung. Gerade deshalb sollte man sie nicht unkritisch übernehmen oder romantisieren, sondern historisch und menschlich reflektieren.

Die stärksten Momente Ihres Beitrags liegen dort, wo das Bedürfnis nach geistiger Tiefe, nach Transzendenz und nach einem „Licht“ in einer dunklen Welt spürbar wird. Weniger überzeugend wirkt dagegen die implizite Geringschätzung anderer Menschen. Wahre geistige Größe zeigt sich nicht in der Verachtung der „Schlafenden“, sondern in Empathie, Dialogfähigkeit und der Anerkennung menschlicher Würde — auch dort, wo andere anders empfinden oder leben.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma


https://www.graugans.org/menschen/#comment-18903

Übersetzungen zum Thema Ukraine

Übersetzungen zum Thema Ukraine


 Sehr geehrte Frau Limbach,

vielen Dank für die Übersetzung und Veröffentlichung des Beitrags von Vitaly Portnikov. Der Text enthält wichtige Hinweise auf die propagandistische Dimension russischer Kommunikation sowie auf die realen Gefahren für Diplomaten und Zivilisten in Kyiv. Gerade deshalb erscheint es jedoch notwendig, einige Aussagen differenzierter zu betrachten.

Der Beitrag zeichnet ein sehr eindeutiges Bild: Russland erscheint ausschließlich als Akteur gezielter Einschüchterung, während westliche Entscheidungen primär als rational und sicherheitsorientiert dargestellt werden. Eine solche Darstellung greift meines Erachtens zu kurz und blendet wesentliche Aspekte des Konflikts aus.

Zunächst ist festzuhalten, dass diplomatische Sicherheitsbewertungen grundsätzlich komplex sind und nicht allein propagandischen Motiven zugeschrieben werden können. Wenn Staaten ihre Diplomaten warnen oder Evakuierungen erwägen, geschieht dies häufig auch aus Vorsicht gegenüber einer realen Eskalationsgefahr. Daraus automatisch eine bewusste russische Strategie zur „Vorab-Entlastung“ möglicher Angriffe abzuleiten, bleibt letztlich eine Interpretation, keine belegte Tatsache.

Ebenso problematisch erscheint die Formulierung, Russland greife „gewöhnlich“ Wohnviertel an, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Unabhängige Untersuchungen internationaler Organisationen dokumentieren zwar wiederholt schwere zivile Schäden infolge russischer Angriffe. Gleichzeitig sollte in einem seriösen Beitrag klar zwischen belegten Tatsachen, Wahrscheinlichkeiten und politischen Bewertungen unterschieden werden. Gerade in Kriegszeiten ist sprachliche Präzision entscheidend.

Auch die Darstellung Sergej Lawrows als bloßes „Propagandainstrument“ wirkt eher wertend als analytisch. Dass politische Kommunikation auf allen Seiten propagandistische Elemente enthält, dürfte kaum bestritten werden können. Eine glaubwürdige Analyse gewinnt jedoch an Stärke, wenn sie nicht ausschließlich moralisch kategorisiert, sondern unterschiedliche Interessenlagen transparent macht.

Besonders wichtig erscheint mir zudem, daran zu erinnern, dass jede Eskalation dieses Krieges — unabhängig davon, welche Seite man politisch unterstützt — in erster Linie die Zivilbevölkerung trifft: ukrainische Familien, russische Familien, Menschen in zerstörten Städten und Regionen. Diplomatische Sprache sollte daher möglichst deeskalierend und nicht zusätzlich emotionalisierend wirken.

Der Beitrag enthält ohne Zweifel relevante Beobachtungen zur Sicherheitslage in Kyiv. Dennoch wäre eine stärkere Trennung zwischen Fakten, Vermutungen und politischen Bewertungen wünschenswert. Gerade journalistische oder kommentierende Texte gewinnen an Glaubwürdigkeit, wenn sie Raum für Differenzierung lassen und nicht den Eindruck vermitteln, komplexe geopolitische Entwicklungen ausschließlich aus einer Perspektive zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

biopilz

biopilz


 Sehr geehrter Verfasser,

vielen Dank für das Teilen dieses Beitrags und für den Hinweis auf die Bedeutung von Dialog und Diplomatie. Gerade in Zeiten von Krieg, Eskalation und gegenseitiger Propaganda ist es wichtig, unterschiedliche Sichtweisen anzuhören und friedliche Lösungen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Dennoch halte ich es für problematisch, die aktuelle Situation ausschließlich als Ausdruck eines deutschen „Siegfriedens“ oder eines irrationalen Konfrontationswillens gegenüber Russland darzustellen. Der russische Angriff auf die Ukraine begann 2022 völkerrechtswidrig und hat millionenfaches Leid verursacht. Dass die Ukraine sich verteidigt und dabei von europäischen Staaten unterstützt wird, ist aus Sicht vieler Staaten nicht Ausdruck von Kriegslust, sondern einer sicherheitspolitischen Reaktion auf diesen Angriff.

Kritisch sehe ich allerdings ebenfalls, dass militärische Logiken inzwischen häufig stärker wirken als diplomatische Initiativen. Die Gefahr einer weiteren Eskalation — insbesondere durch weitreichende Waffensysteme und Drohnentechnologien — sollte niemand leichtfertig relativieren. Deshalb ist die Forderung nach ernsthaften diplomatischen Bemühungen grundsätzlich legitim und notwendig.

Gleichzeitig sollte Dialog nicht bedeuten, die Verantwortung aller Beteiligten gleichzusetzen oder autoritäre Machtpolitik zu verharmlosen. Frieden braucht Verhandlungen, aber auch die Anerkennung des Völkerrechts, der territorialen Integrität und des Schutzes der Zivilbevölkerung auf allen Seiten.

Vielleicht wäre ein konstruktiverer öffentlicher Diskurs möglich, wenn weniger mit Schlagworten und Empörung gearbeitet würde und mehr mit überprüfbaren Fakten, historischer Differenzierung und gegenseitigem Respekt.

Frieden entsteht nicht durch Feindbilder — aber auch nicht durch das Ausblenden von Verantwortung.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

JucheKoreaHeute


JucheKoreaHeute


 Sehr geehrter Verfasser,

vielen Dank für die Veröffentlichung Ihres Beitrags über sozialistisches Eigentum und die darin dargestellten Positionen der Juche-Ideologie sowie Kim Jong Ils. Es ist nachvollziehbar, dass Sie die Bedeutung sozialer Sicherheit, wirtschaftlicher Stabilität und kollektiver Verantwortung hervorheben möchten. Gerade angesichts globaler sozialer Ungleichheit verdienen Fragen nach gerechter Verteilung, öffentlicher Verantwortung und Schutz vor ungezügelter Ausbeutung ernsthafte Diskussionen.

Dennoch erscheint mir Ihr Beitrag in wesentlichen Punkten einseitig und historisch problematisch.

Der Text stellt staatliches Eigentum praktisch automatisch als Ausdruck des Volkswillens dar und setzt Kritik daran mit „Revisionismus“ oder „bürgerlicher Restauration“ gleich. Historisch zeigt sich jedoch, dass staatliches Eigentum keineswegs zwangsläufig demokratische Kontrolle durch die Bevölkerung bedeutet. In zahlreichen sozialistischen Staaten — darunter die ehemalige Sowjetunion, die DDR, Mao-China oder Nordkorea — entstand häufig eine Machtkonzentration in Partei- und Staatsapparaten, während Arbeiter und Bürger nur begrenzten tatsächlichen Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen hatten.

Besonders problematisch ist die Darstellung pluraler Wirtschaftsformen als grundsätzlich „antisozialistisch“. Viele moderne Gesellschaften verbinden öffentliche Infrastruktur, Genossenschaften, soziale Marktwirtschaft und private Initiative miteinander. Zahlreiche europäische Länder zeigen, dass soziale Absicherung, Arbeitnehmerrechte und öffentliche Daseinsvorsorge auch ohne autoritäre Einparteienstrukturen möglich sind.

Ebenso fällt auf, dass der Beitrag keinerlei kritische Auseinandersetzung mit den realen Folgen streng zentralisierter Wirtschaftssysteme enthält. Historisch kam es in verschiedenen Staaten zu wirtschaftlicher Ineffizienz, Versorgungskrisen, eingeschränkter Innovationsfähigkeit sowie teils massiven Einschränkungen von Meinungsfreiheit und Menschenrechten. Eine ernsthafte Diskussion über Eigentumsformen sollte diese historischen Erfahrungen nicht ausblenden.

Auch die pauschale Darstellung von Aktiengesellschaften ausschließlich als Instrumente der Ausbeutung greift zu kurz. Zwar existieren reale Probleme von Machtkonzentration und sozialer Ungleichheit im Kapitalismus, gleichzeitig ermöglichen Beteiligungsmodelle, Genossenschaften, Mitbestimmungssysteme und demokratische Institutionen in vielen Ländern eine wesentlich differenziertere Realität, als es der Artikel darstellt.

Besonders kritisch erscheint zudem die ideologische Sprache des Beitrags. Begriffe wie „bürgerlich-restauratives Denken“, „reaktionäre Wesen“ oder die kategorische Einteilung in richtige und falsche gesellschaftliche Modelle erschweren einen offenen Dialog. Gesellschaftliche Fragen sind komplex und verdienen differenzierte Betrachtung statt ideologischer Absolutheit.

Eine menschenwürdige Gesellschaft sollte sich meines Erachtens nicht allein daran messen lassen, wem Produktionsmittel formal gehören, sondern ebenso an:
– Rechtsstaatlichkeit,
– Meinungsfreiheit,
– Schutz der Menschenwürde,
– demokratischer Mitbestimmung,
– sozialer Gerechtigkeit,
– Transparenz staatlicher Macht,
– und der Möglichkeit, Kritik ohne Angst äußern zu können.

Soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte sollten keine Gegensätze sein. Weder unkontrollierter Kapitalismus noch autoritärer Staatssozialismus haben bisher allein überzeugende Antworten auf alle gesellschaftlichen Fragen geliefert. Umso wichtiger bleibt ein offener, respektvoller und historisch ehrlicher Dialog.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

Vienna Calling

Vienna Calling


 Sehr geehrter Herr Peter H. Wurm,


Ihr kurzer Beitrag wirkt auf den ersten Blick humorvoll und lebensnah. Viele Menschen erkennen sich vermutlich in der spielerischen Seite des Menschseins wieder. Humor kann Brücken bauen und familiäre Nähe ausdrücken. Dennoch möchte ich respektvoll einige Gedanken ergänzen, weil solche Aussagen auch eine gesellschaftliche Wirkung entfalten.


Die Aussage, Männer seien „immer große Jungen“, reduziert Männer auf ein vereinfachtes Rollenbild. Zwar gibt es spielerische, emotionale und kindliche Seiten bei jedem Menschen – und das ist etwas Positives –, doch Männer tragen ebenso Verantwortung: als Väter, Partner, Freunde, Kollegen und Mitglieder der Gesellschaft. Reife bedeutet nicht, das Spielerische zu verlieren, sondern Freiheit und Verantwortung miteinander zu verbinden.


Ebenso könnte Ihre Tochter – oder allgemein junge Menschen – aus einer solchen Formulierung ableiten, Männer seien von Natur aus unreif oder emotional wenig verantwortlich. Das wird vielen Männern nicht gerecht, die sich täglich fürsorglich, reflektiert und verantwortungsvoll verhalten. Gleichzeitig kann ein solches Klischee auch Frauen belasten, wenn ihnen indirekt die Rolle zugeschrieben wird, Männer „erziehen“ oder deren Verantwortung mittragen zu müssen.


Gerade in einer Zeit, in der wir über Gleichwürdigkeit, gegenseitigen Respekt und neue Formen von Männlichkeit sprechen, wäre vielleicht eine differenziertere Botschaft hilfreicher:
Dass Menschen – Frauen wie Männer – ihre spielerische Seite behalten dürfen, ohne dabei ihre Verantwortung gegenüber anderen zu verlieren.


Humor und Menschlichkeit sind wichtig. Doch ebenso wichtig ist es, stereotype Bilder nicht ungewollt zu verfestigen. Vielleicht liegt die eigentliche Stärke nicht darin, „große Jungen“ zu bleiben, sondern darin, sich Menschlichkeit, Freude und Offenheit zu bewahren und zugleich verlässlich und verantwortungsvoll zu handeln.


Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

हप्काइ

हाडजोर्नी विशेषज्ञले बिरामीलाई व्यायाम लेखिदिए। बिरामीले आफ्नै तरिकाले व्यायाम गर्छ। बिरामीको रेखदेख गर्ने एक चिकित्सकले हप्काइको रूपमा उनको टाउकोमा एक बाल्टिन पानी खन्याउँछन्। बिरामीले पछाडि हेर्छ। निर्देशनहरू पालना नगरेको कारणले गर्दा उनको दोषी विवेकको बावजुद, उनको पछाडिको जमिन सुख्खा रहन्छ।

Der Orthopäde hat dem Patienten
eine Übung in Bewegung vorgeschrieben
der Patient macht die Bewegung auf seine Art
eine Therapeutin, die den Patienten überwacht
schütter einen Kübel Wasser zum Tadel über sein Haupt
der Betroffene schaut hinter sich
der Boden hinter ihm bleibt trocken, 
trotz seines schlechten Gewissens,
weil er sich nicht an die Vorgabe gehalten hat.