Sehr geehrter Herr Peter H. Wurm,
Ihr kurzer Beitrag wirkt auf den ersten Blick humorvoll und lebensnah. Viele Menschen erkennen sich vermutlich in der spielerischen Seite des Menschseins wieder. Humor kann Brücken bauen und familiäre Nähe ausdrücken. Dennoch möchte ich respektvoll einige Gedanken ergänzen, weil solche Aussagen auch eine gesellschaftliche Wirkung entfalten.
Die Aussage, Männer seien „immer große Jungen“, reduziert Männer auf ein vereinfachtes Rollenbild. Zwar gibt es spielerische, emotionale und kindliche Seiten bei jedem Menschen – und das ist etwas Positives –, doch Männer tragen ebenso Verantwortung: als Väter, Partner, Freunde, Kollegen und Mitglieder der Gesellschaft. Reife bedeutet nicht, das Spielerische zu verlieren, sondern Freiheit und Verantwortung miteinander zu verbinden.
Ebenso könnte Ihre Tochter – oder allgemein junge Menschen – aus einer solchen Formulierung ableiten, Männer seien von Natur aus unreif oder emotional wenig verantwortlich. Das wird vielen Männern nicht gerecht, die sich täglich fürsorglich, reflektiert und verantwortungsvoll verhalten. Gleichzeitig kann ein solches Klischee auch Frauen belasten, wenn ihnen indirekt die Rolle zugeschrieben wird, Männer „erziehen“ oder deren Verantwortung mittragen zu müssen.
Gerade in einer Zeit, in der wir über Gleichwürdigkeit, gegenseitigen Respekt und neue Formen von Männlichkeit sprechen, wäre vielleicht eine differenziertere Botschaft hilfreicher: Dass Menschen – Frauen wie Männer – ihre spielerische Seite behalten dürfen, ohne dabei ihre Verantwortung gegenüber anderen zu verlieren.
Humor und Menschlichkeit sind wichtig. Doch ebenso wichtig ist es, stereotype Bilder nicht ungewollt zu verfestigen. Vielleicht liegt die eigentliche Stärke nicht darin, „große Jungen“ zu bleiben, sondern darin, sich Menschlichkeit, Freude und Offenheit zu bewahren und zugleich verlässlich und verantwortungsvoll zu handeln.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
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