Montag, 1. Juni 2026

Salon Hof Ha'Carmel


Sehr geehrte Frau Esther Scheiner,


vielen Dank für die tägliche Zusammenstellung der Ereignisse und die investierte Arbeit.

Beim Lesen dieses Beitrags fällt mir jedoch auf, dass die Grenzen zwischen berichteten Fakten, politischen Bewertungen und persönlichen Kommentaren teilweise verschwimmen. Gerade in einer Situation, in der Menschen auf allen Seiten unter Krieg, Angst, Verlust und Vertreibung leiden, erscheint mir eine möglichst klare Trennung zwischen Nachricht und Meinung besonders wichtig.

Der Tod von Soldaten, die Gefährdung von Zivilisten in Israel, im Libanon, im Iran und in Gaza sowie die zunehmende Eskalation der Gewalt sind tragische Entwicklungen, die Respekt und menschliche Anteilnahme verdienen. Umso wichtiger ist es, Aussagen von Regierungen, Militärs, Medien oder politischen Akteuren – unabhängig von ihrer Herkunft – kritisch zu hinterfragen und möglichst nachvollziehbare Quellen offenzulegen.

Einige Formulierungen im Beitrag, etwa persönliche Charakterisierungen einzelner Politiker, wirken eher wertend als analytisch. Kritik an politischen Entscheidungen ist selbstverständlich legitim und notwendig. Sie gewinnt jedoch an Überzeugungskraft, wenn sie sich auf belegbare Handlungen, Aussagen und deren Konsequenzen konzentriert, statt auf persönliche Zuschreibungen.

Gerade in Kriegszeiten brauchen Leserinnen und Leser Informationen, die differenzieren, einordnen und die Würde aller betroffenen Menschen achten. Dazu gehört auch, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Spekulationen von bestätigten Tatsachen zu unterscheiden.

Ich möchte darauf hinweisen, dass mehrere der im Beitrag dargestellten Ereignisse und Behauptungen ohne unmittelbar überprüfbare Quellen präsentiert werden und dass gerade bei Kriegsberichterstattung eine besondere Sorgfaltspflicht besteht

Ich würde mir wünschen, dass die Berichterstattung weiterhin kritisch bleibt, dabei aber noch konsequenter zwischen Fakten, Kommentaren und persönlichen Einschätzungen trennt. Das stärkt die Glaubwürdigkeit und hilft den Lesenden, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma



DKP Flensburg

DKP Flensburg


 Vielen Dank für den Beitrag und die Einladung zum Friedenscafé.

Besonders nachdenklich macht mich die Darstellung der Ukraine-Frage. Im Beitrag wird kritisiert, dass Gewerkschaftsfunktionäre Waffenlieferungen an die Ukraine unterstützen. Dabei bleibt jedoch die entscheidende Frage offen: Wie soll sich ein angegriffenes Land gegen einen militärischen Überfall verteidigen, wenn ihm die notwendigen Mittel dazu verweigert werden?

Friedenspolitik bedeutet für viele Menschen nicht nur, gegen Aufrüstung und Krieg einzutreten, sondern auch Solidarität mit den Opfern eines Angriffskrieges zu zeigen. Die Ukraine wurde nicht durch die NATO, die EU oder die Gewerkschaften angegriffen, sondern durch Russland. Wer Waffenlieferungen ablehnt, sollte deshalb auch darlegen, wie die ukrainische Bevölkerung ihre Freiheit, ihre demokratischen Rechte und ihr Existenzrecht verteidigen soll.

Natürlich kann und muss man über Umfang, Art und Folgen von Waffenlieferungen diskutieren. Ebenso wichtig sind diplomatische Bemühungen, Verhandlungen und internationale Friedensinitiativen. Doch die Forderung nach Frieden allein beantwortet noch nicht die Frage, wie ein Krieg beendet werden kann, wenn eine Seite ihre Truppen nicht zurückzieht und ihre Angriffe fortsetzt.

Gerade die Gewerkschaften haben eine lange Tradition internationaler Solidarität. Dazu gehört aus meiner Sicht auch die Solidarität mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Ukraine, die unter Krieg, Besatzung, Vertreibung und Zerstörung leiden.

Ich würde mir deshalb wünschen, dass beim Friedenscafé nicht nur über die Gefahren von Aufrüstung gesprochen wird, sondern auch darüber, welche Verantwortung wir gegenüber den Menschen in der Ukraine haben. Eine glaubwürdige Friedenspolitik sollte beide Seiten dieser schwierigen Frage berücksichtigen.

Frieden ist zweifellos das Ziel. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Unter welchen Bedingungen? Ein Frieden, der auf der militärischen Unterwerfung eines angegriffenen Landes beruht, ist für viele Menschen kein gerechter Frieden, sondern die Belohnung eines Angriffskrieges.

Wer Waffenlieferungen ablehnt, sollte nicht nur sagen, was nicht getan werden darf, sondern auch erklären, wie die ukrainische Bevölkerung konkret vor Besatzung, Vertreibung und weiterer Gewalt geschützt werden kann.

Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Waffen. Frieden bedeutet auch Sicherheit, Freiheit und das Recht eines Volkes, selbst über seine Zukunft zu entscheiden. Deshalb sollten wir bei aller berechtigten Kritik an Aufrüstung immer auch die Perspektive der Menschen berücksichtigen, die sich gegen einen Angriff verteidigen müssen.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma


Salon Hof Ha'Carmel


 Vielen Dank für Ihren ausführlichen Bericht und die tägliche Dokumentation der Ereignisse.


Besonders wichtig erscheint mir, dass Sie nicht nur über die Bedrohung Israels durch Hisbollah, Hamas und andere bewaffnete Akteure berichten, sondern auch Vorfälle benennen, bei denen Palästinenser durch jüdische Extremisten angegriffen werden. Die von Ihnen geschilderten Überfälle auf Madama und Beita verdienen dieselbe klare Verurteilung wie jede andere Form von Terror und Gewalt gegen Zivilisten. Rechtsstaatlichkeit und moralische Glaubwürdigkeit zeigen sich gerade darin, dass Gewalt unabhängig von der Identität der Täter verurteilt wird.


Gleichzeitig halte ich es für wichtig, zwischen bestätigten Fakten, politischen Bewertungen und persönlichen Schlussfolgerungen zu unterscheiden. Einige Passagen Ihres Beitrags – etwa zur israelischen Innenpolitik oder zu den Motiven einzelner Politiker – enthalten nachvollziehbare Einschätzungen, stellen jedoch keine gesicherten Tatsachen dar. Eine deutliche Trennung zwischen Bericht und Kommentar würde aus meiner Sicht die Glaubwürdigkeit zusätzlich stärken.


Auch die Ereignisse im Libanon und im Gazastreifen sollten möglichst anhand überprüfbarer Quellen betrachtet werden. Aussagen der IDF, der libanesischen Regierung, der Hamas oder anderer Konfliktparteien sind wichtige Informationsquellen, bleiben jedoch Aussagen von Akteuren mit eigenen Interessen. Gerade in Kriegszeiten ist eine kritische Prüfung aller Seiten unverzichtbar.


Der Tod des jungen Soldaten Michael Tyukin ist tragisch. Ebenso tragisch ist das Leid aller betroffenen Zivilisten auf israelischer, libanesischer und palästinensischer Seite. Hinter den täglichen Meldungen stehen Menschen, Familien und zerstörte Lebensperspektiven. Diese menschliche Dimension sollte bei aller militärischen und politischen Analyse nicht aus dem Blick geraten.


Frieden, Sicherheit und Menschenwürde werden letztlich weder durch Raketenbeschuss noch durch Vergeltungsspiralen erreicht, sondern durch die konsequente Achtung des Völkerrechts, den Schutz von Zivilisten und die Bereitschaft, auch die eigenen Fehler kritisch zu hinterfragen.


Vielen Dank für die Anregung zur Diskussion.