Montag, 25. Mai 2026

Salon Hof Ha'Carmel


 Sehr geehrte Esther-Scheiner,

vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag und die menschliche Anteilnahme gegenüber den getöteten und traumatisierten Soldaten. Gerade die Geschichte von Alex Miller zeigt auf erschütternde Weise, welche langfristigen psychischen Folgen Krieg für junge Menschen haben kann – unabhängig von politischer Haltung oder Nationalität. PTSD, Trauer und gesellschaftlicher Druck zerstören Leben oft noch lange nach den eigentlichen Kämpfen.

Gleichzeitig halte ich es für wichtig, zwischen nachvollziehbarer Sorge um Israels Sicherheit und pauschalen politischen Schlussfolgerungen zu unterscheiden. Aussagen wie „Der Iran lügt“ oder die Darstellung, es gebe „nur eine Schlussfolgerung“, wirken sehr absolut und lassen wenig Raum für diplomatische Komplexität oder kritische Differenzierung. Auch autoritäre Regime handeln oft widersprüchlich, strategisch oder unter innenpolitischem Druck – das macht die Situation gefährlich, aber nicht automatisch eindeutig.

Ebenso sollten Menschenrechte und Menschenwürde überall gelten: für israelische Opfer von Terror und Raketen ebenso wie für palästinensische Zivilisten, libanesische Familien oder iranische Bürger, die selbst oft unter ihren Regierungen leiden. Gerade deshalb erscheint mir eine Sprache wichtig, die deeskaliert statt weiter polarisiert.

Dass Sie auch problematische Aussagen oder Handlungen auf israelischer Seite – etwa im Zusammenhang mit Ben-Gvir – erwähnen, verdient Anerkennung. Kritische Selbstreflexion ist in Kriegszeiten selten geworden und dennoch notwendig.

Vielleicht braucht es heute mehr Stimmen, die weder Terror relativieren noch ganze Völker dämonisieren. Frieden entsteht kaum durch maximale moralische Gewissheit auf allen Seiten, sondern durch die Fähigkeit, trotz Schmerz und Angst die Menschlichkeit des anderen nicht völlig zu verlieren.

Mit respektvollen Grüßen

Hans Gamma

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