Mittwoch, 3. Juni 2026

Übersetzungen zum Thema Ukraine


 Vielen Dank für die Übersetzung dieses engagierten und eindringlichen Textes von Lubomir Haidamaka.

Der Beitrag vermittelt nachvollziehbar die Wut, die Trauer und die Erschöpfung vieler Ukrainerinnen und Ukrainer nach Jahren eines brutalen Angriffskrieges. Niemand, der die Verbrechen von Butscha, Mariupol, Isjum oder die zahllosen Angriffe auf die zivile Infrastruktur kennt, kann die tiefe Verwundung der ukrainischen Gesellschaft übersehen. Das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung ist durch das Völkerrecht anerkannt.

Gerade deshalb erscheint mir jedoch eine kritische Reflexion über die Sprache des Textes notwendig. Wenn von „ständigem Schmerz“, „tausendfachen“ oder gar „millionenfachen“ Stichen gegen ein „Imperium“ gesprochen wird, besteht die Gefahr, dass zwischen dem russischen Staat, seinen militärischen Strukturen und der gesamten russischen Bevölkerung nicht mehr ausreichend unterschieden wird. Eine solche Verallgemeinerung mag angesichts des erlittenen Leids verständlich sein, sie birgt jedoch die Gefahr, selbst jene Schwarz-Weiß-Logik zu übernehmen, die viele Kriege antreibt.

Historisch betrachtet wurden imperiale Projekte nicht allein durch militärischen Druck überwunden, sondern auch durch politische Veränderungen, gesellschaftliche Entwicklungen und die Fähigkeit, nach dem Krieg eine neue Sicherheitsordnung aufzubauen. Die Frage, wie eines Tages Frieden, Versöhnung und Stabilität in Europa möglich werden sollen, bleibt deshalb ebenso wichtig wie die Frage nach der militärischen Verteidigung der Ukraine.

Zudem sollten wir vorsichtig sein, wenn ganze Bevölkerungen kollektiv verantwortlich gemacht werden. Es gibt in Russland zweifellos Menschen, die den Krieg unterstützen oder von ihm profitieren. Es gibt aber auch Menschen, die ihn ablehnen, verfolgt werden oder das Land verlassen mussten. Eine differenzierte Betrachtung schmälert keineswegs die Verantwortung des Kremls für den Angriffskrieg.

Der Text erinnert daran, dass die Ukraine nicht kapitulieren wird. Das ist eine wichtige Botschaft. Gleichzeitig sollte die Verteidigung demokratischer Werte auch bedeuten, die eigene Sprache immer wieder an den Prinzipien von Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und universeller Verantwortung zu messen.

Gerade in Zeiten des Krieges ist dies schwierig – und deshalb umso wichtiger.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen