Übersetzungen zum Thema Ukraine
Sehr geehrte Frau Viktoriya Limbach,
vielen Dank für die Übersetzung und das Zugänglichmachen dieses Textes von Vitaly Portnikov. Der Beitrag berührt durch seine sprachliche Kraft und die Erinnerung an Menschen wie Nina Litwinowa, die unter großem persönlichem Leid Haltung bewahrt haben.
Gerade deshalb halte ich es aber für wichtig, zwischen moralischer Anklage gegen ein verbrecherisches Regime und pauschalen Zuschreibungen gegenüber ganzen Bevölkerungen zu unterscheiden. Der Satz „Es gibt keine guten Russen und schlechten Russen“ wirkt zunächst wie ein Versuch, Menschen nicht kollektiv zu beurteilen. Gleichzeitig entsteht im Gesamtton des Textes doch leicht der Eindruck, Russland als Ganzes sei ein „dunkler Strudel“, aus dem kaum Menschlichkeit hervorgehen könne.
Dabei verdienen gerade jene Menschen Anerkennung, die unter Repression, Gefängnis, gesellschaftlicher Isolation oder existenzieller Angst dennoch Widerstand leisten – oft ohne jede Aussicht auf Erfolg. Nina Litwinowa steht genau dafür. Ihr Schicksal sollte nicht zur Bestätigung nationaler Hoffnungslosigkeit dienen, sondern zur Erinnerung daran, dass Gewissen und Mitgefühl auch unter autoritären Bedingungen existieren.
Ebenso wichtig erscheint mir, dass Trauer und moralische Erschöpfung nicht romantisiert werden. Der Tod eines Menschen aus Verzweiflung über Krieg und Ohnmacht ist tragisch – nicht würdevoll im heroischen Sinn. Würde liegt eher darin, anderen beizustehen, Menschlichkeit zu bewahren und trotz Aussichtslosigkeit weiterzuleben.
Der Angriffskrieg gegen die Ukraine bleibt ein schweres Verbrechen. Doch wenn wir anfangen, ganze Kulturen oder Gesellschaften ausschließlich durch Dunkelheit, Schuld oder Verfall zu beschreiben, verlieren wir selbst einen Teil jener Humanität, die wir eigentlich verteidigen wollen.
Gerade in Zeiten des Krieges braucht es Mitgefühl ohne Verklärung, Kritik ohne Entmenschlichung und Erinnerung ohne Hass.
Mit respektvollen Grüßen
Hans Gamma
Sehr geehrter Verfasser,
ich stimme Ihrem Beitrag „Trump schlimmer als Putin“ in wesentlichen Punkten zu. Die letzten Jahrzehnte zeigen, dass politische Schlagworte wie „Krieg gegen den Terror“ oder heute der „Kampf gegen Drogen“ oft als moralische Rechtfertigung dienen, während im Hintergrund wirtschaftliche und geopolitische Interessen eine zentrale Rolle spielen. Es geht nicht selten um Einfluss, Kontrolle über Ressourcen, Märkte, Handelswege und strategische Machtpositionen.
Gerade deshalb ist es wichtig, politische Verantwortung nicht nur bei einzelnen Staaten oder Personen zu suchen, sondern Machtstrukturen insgesamt kritisch zu hinterfragen. Weder autoritäre Politik aus Russland noch aggressive Machtpolitik aus den USA sollten verharmlost werden. Menschenrechte, Völkerrecht und die Würde der Bevölkerung müssen überall denselben Maßstab haben.
Was mich zunehmend besorgt, ist die Verrohung der politischen Sprache. Wenn Führungspersonen gezielt Angst, Feindbilder und gesellschaftliche Spaltung fördern, entsteht ein Klima, in dem demokratische Werte und soziale Solidarität Schaden nehmen. Kritik daran ist notwendig — aber sie sollte sachlich, respektvoll und faktenorientiert bleiben.
Viele Menschen spüren heute, dass offizielle Begründungen oft nicht mit den tatsächlichen Folgen politischer Entscheidungen übereinstimmen. Deshalb braucht es offene Diskussionen, unabhängige Medien und Bürger, die bereit sind, kritisch mitzudenken, statt sich nur auf einfache Narrative einzulassen.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma