Sehr geehrter Saisonkoch,
ich habe Ihren Beitrag über Venezuela aufmerksam gelesen. Unabhängig davon, wie man die Außenpolitik der USA, frühere Interventionen oder geopolitische Machtpolitik bewertet: Die Wortwahl und insbesondere die Aufrufe zu „Vernichtung“ und sofortiger Vollstreckung überschreiten eine Grenze, die einer menschenwürdigen politischen Debatte nicht gerecht wird.
Kritik an Regierungen, Militäraktionen oder internationalen Machtinteressen ist legitim und notwendig. Gerade das Völkerrecht verlangt, dass mögliche Aggressionen, Entführungen oder militärische Interventionen unabhängig untersucht werden. Ebenso darf man auf zivile Opfer, geopolitische Interessen oder die Geschichte amerikanischer Interventionen in Lateinamerika hinweisen.
Doch wer ganze Bevölkerungen oder Nationen pauschal als „Faschisten“, „Kinderficker“ oder ähnliches bezeichnet, entmenschlicht Menschen und ersetzt politische Analyse durch Hasssprache. Das führt nicht zu Aufklärung, sondern zu weiterer Eskalation. Gewaltaufrufe gegen ganze Staaten oder Bevölkerungen widersprechen zudem genau den humanistischen und antifaschistischen Prinzipien, auf die man sich angeblich beruft.
Auch bei dramatischen oder emotional belastenden Ereignissen bleibt es wichtig, zwischen überprüfbaren Fakten, politischen Bewertungen und propagandistischen Zuspitzungen zu unterscheiden. Viele der in Ihrem Beitrag dargestellten Vorgänge wären — falls sie tatsächlich so geschehen wären — Gegenstand internationaler Untersuchungen durch die Vereinten Nationen und unabhängige Medien. Gerade deshalb sollte man mit maximaler sprachlicher Verantwortung formulieren.
Wer Frieden, Souveränität und Menschenrechte verteidigen will, sollte dies nicht mit Sprache tun, die selbst Hass und Vernichtungsfantasien reproduziert.
Mit respektvollen Grüßen
Hans Gamma
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