Sehr geehrte/r samywiltschek
vielen Dank für das Teilen des Zitats von Adolf Muschg über die Muße. Der Gedanke, dass kreative Erkenntnisse oft in Zeiten der Ruhe und des Innehaltens entstehen, verdient Aufmerksamkeit – gerade in einer Zeit permanenter Ablenkung, Beschleunigung und digitaler Reizüberflutung.
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Dennoch erscheint es mir wichtig, den Begriff der „Muße“ auch kritisch und lebensnah zu betrachten. Für viele Menschen ist Muße heute kein frei verfügbarer Zustand, sondern ein kaum erreichbares Privileg. Menschen mit Existenzsorgen, Pflegeverantwortung, Schichtarbeit oder psychischer Belastung erleben den Alltag oft nicht als „Routine“, sondern als notwendiges Durchhalten. In solchen Lebenssituationen kann die Aufforderung zur Kreativität oder inneren Ruhe beinahe fern wirken.
Auch der Gegensatz zwischen „Betrieb“ und schöpferischer Erkenntnis ist vielleicht nicht immer so eindeutig. Viele bedeutende Leistungen entstehen gerade aus verantwortungsvoller Arbeit, Disziplin, Alltagserfahrung und treuer Pflichterfüllung. Nicht jeder Mensch wird in stiller Muße zum „Einstein“ – aber jeder Mensch besitzt Würde, auch ohne außergewöhnliche Kreativität oder gesellschaftliche Anerkennung.
Vielleicht wäre deshalb ein ergänzender Gedanke hilfreich: Wahre Muße besteht nicht nur darin, dass „nichts los ist“, sondern darin, innerlich frei zu werden für Nachdenklichkeit, Menschlichkeit, Zuhören und Mitgefühl. Eine Gesellschaft, die nur Leistung misst, verliert ihre Seele – aber eine Gesellschaft, die Arbeit gering achtet, ebenso.
In diesem Sinne danke ich Ihnen für den Denkanstoß. Er lädt dazu ein, über das rechte Verhältnis von Arbeit, Ruhe, Verantwortung und Menschlichkeit neu nachzudenken.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
Sehr geehrter Verfasser,
ich stimme Ihrem Beitrag „Trump schlimmer als Putin“ in wesentlichen Punkten zu. Die letzten Jahrzehnte zeigen, dass politische Schlagworte wie „Krieg gegen den Terror“ oder heute der „Kampf gegen Drogen“ oft als moralische Rechtfertigung dienen, während im Hintergrund wirtschaftliche und geopolitische Interessen eine zentrale Rolle spielen. Es geht nicht selten um Einfluss, Kontrolle über Ressourcen, Märkte, Handelswege und strategische Machtpositionen.
Gerade deshalb ist es wichtig, politische Verantwortung nicht nur bei einzelnen Staaten oder Personen zu suchen, sondern Machtstrukturen insgesamt kritisch zu hinterfragen. Weder autoritäre Politik aus Russland noch aggressive Machtpolitik aus den USA sollten verharmlost werden. Menschenrechte, Völkerrecht und die Würde der Bevölkerung müssen überall denselben Maßstab haben.
Was mich zunehmend besorgt, ist die Verrohung der politischen Sprache. Wenn Führungspersonen gezielt Angst, Feindbilder und gesellschaftliche Spaltung fördern, entsteht ein Klima, in dem demokratische Werte und soziale Solidarität Schaden nehmen. Kritik daran ist notwendig — aber sie sollte sachlich, respektvoll und faktenorientiert bleiben.
Viele Menschen spüren heute, dass offizielle Begründungen oft nicht mit den tatsächlichen Folgen politischer Entscheidungen übereinstimmen. Deshalb braucht es offene Diskussionen, unabhängige Medien und Bürger, die bereit sind, kritisch mitzudenken, statt sich nur auf einfache Narrative einzulassen.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma