Sehr geehrter Herr Dilger,
ich halte es für wichtig, zwischen berechtigter Kritik an Friedrich Merz und einer ausgewogenen Bewertung der politischen Realität zu unterscheiden.
Dass die Bundesregierung und auch Herr Merz bislang keine überzeugende diplomatische Initiative zur Beendigung des Krieges vorgelegt haben, kann man kritisch sehen. Allerdings sollte dabei nicht übersehen werden, dass Russland weiterhin einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt und bisher keine ernsthaften Bedingungen für einen gerechten Frieden erkennen lässt.
Ein „russischer Annäherungsversuch“ ist zudem nicht automatisch ein tragfähiges Friedensangebot. Diplomatie setzt Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen voraus. Gerade deshalb begegnen viele Politiker direkten Sonderkontakten mit großer Zurückhaltung — auch im Fall Gerhard Schröders, dessen Nähe zum Kreml in Deutschland äußerst umstritten ist.
Ebenso gehört zur außenpolitischen Verantwortung, gegenüber Donald Trump nicht allein taktisch, sondern auch werteorientiert aufzutreten. Gute Beziehungen zu den USA bleiben wichtig, dürfen aber nicht bedeuten, jede politische Linie kritiklos mitzutragen.
Man kann Herrn Merz innen- und außenpolitisch kritisieren. Dennoch sollte die Debatte nicht den Eindruck erwecken, als läge die Hauptverantwortung für das Ausbleiben von Frieden bei Deutschland oder Europa statt beim Aggressor selbst.
Mit respektvollen Grüssen
Hans Gamma
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