Montag, 11. Mai 2026

Alexander Dilger

Alexander Dilger

 Sehr geehrter Herr Alexander Dilger,


ich halte es für wichtig, bei aller berechtigten Sehnsucht nach Frieden nüchtern zwischen echter Diplomatie und politischer Instrumentalisierung zu unterscheiden. Frieden für die Menschen in der Ukraine wäre selbstverständlich wünschenswert – möglichst sofort. Dennoch erscheint mir Ihr Beitrag in mehreren Punkten problematisch.


Zunächst wird der Eindruck vermittelt, als sei die Aussage von Wladimir Putin bereits ein ernsthaftes Signal glaubwürdiger Verhandlungsbereitschaft. Dabei sollte bedacht werden, dass Russland diesen Krieg selbst begonnen hat und seit Jahren immer wieder Verhandlungen, Waffenstillstände oder internationale Vereinbarungen taktisch genutzt hat, ohne den Angriff grundsätzlich zu beenden. Skepsis gegenüber vorgeschlagenen Vermittlern ist daher weder irrational noch automatisch „kriegsverlängernd“.


Auch die Person Gerhard Schröder eignet sich kaum als neutraler Vermittler. Seine langjährige wirtschaftliche und politische Nähe zum Kreml hat nicht Vertrauen geschaffen, sondern seine Glaubwürdigkeit in großen Teilen Europas beschädigt. Gerade erfolgreiche Vermittlung setzt aber voraus, dass beide Seiten dem Vermittler zumindest ein Mindestmaß an Unabhängigkeit zutrauen können.


Kritisch sehe ich zudem die Formulierung, Bundeskanzler Friedrich Merz sei „nicht bereit, diplomatisch tätig zu werden“. Diplomatie besteht nicht allein darin, jedes öffentlich geäußerte Angebot sofort aufzugreifen. Sie umfasst ebenso die Verantwortung, Scheinverhandlungen, Propaganda oder einseitige Machtinszenierungen zu erkennen. Ein Frieden, der lediglich eine militärische Atempause für weitere Angriffe schafft, wäre kein gerechter und kein stabiler Frieden.


Gleichzeitig sollte aber auch die deutsche Politik insgesamt selbstkritisch bleiben. Militärische Unterstützung und diplomatische Bemühungen dürfen keine Gegensätze sein. Humanitäre Perspektiven, Waffenstillstände, Gefangenenaustausch und ernsthafte internationale Vermittlungsformate sollten weiterhin verfolgt werden – allerdings mit glaubwürdigen Akteuren und unter Wahrung der Souveränität der Ukraine.


Eine verantwortungsvolle Debatte sollte deshalb weder jede Gesprächsoption reflexhaft ablehnen noch politische Symbolangebote aus Moskau vorschnell als Durchbruch interpretieren. Frieden braucht Realismus, Glaubwürdigkeit und vor allem die Einbeziehung der Ukraine selbst – nicht nur geopolitische Deutungen aus Berlin oder Moskau.

Mit respektvollen Grüssen

Hans Gamma

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