Sehr geehrter Herr Gerhard Mersmann.
Der Wunsch nach Diplomatie und einem Ende des Sterbens in der Ukraine ist legitim und notwendig. Insofern ist es richtig, grundsätzlich über Vermittlungswege nachzudenken und nicht jede Gesprächsinitiative reflexartig zu verwerfen. Auch ehemalige Politiker können dabei unter Umständen eine Rolle spielen.
Allerdings greift der Beitrag meines Erachtens zu kurz, wenn er die Verantwortung für den Krieg relativiert oder einseitig dem Westen zuschreibt. Fakt ist: Russland hat mit dem Angriff auf die Ukraine das Völkerrecht gebrochen. Ohne diese Invasion gäbe es diesen Krieg nicht. Zugleich stimmt aber auch, dass nachhaltiger Frieden nicht allein militärisch erreicht werden kann, sondern irgendwann diplomatische Lösungen notwendig werden.
Gerhard Schröder erscheint vielen Menschen allerdings gerade deshalb problematisch als Vermittler, weil seine langjährige wirtschaftliche und politische Nähe zu Präsident Putin Zweifel an seiner Unabhängigkeit weckt. Diplomatie braucht Vertrauen beider Seiten – und genau daran bestehen erhebliche Zweifel.
Ebenso problematisch finde ich pauschale Abwertungen demokratischer Institutionen oder Andersdenkender als „bellizistisch“ oder „diplomatische Einzeller“. Eine ernsthafte Debatte über Frieden, Sicherheit und Verantwortung sollte ohne persönliche Herabsetzungen möglich sein.
Frieden entsteht weder durch Kriegsrhetorik noch durch die Verklärung autoritärer Machtpolitik. Notwendig wären nüchterne Analysen, gegenseitige Sicherheitsgarantien, die Achtung des Völkerrechts und vor allem die Bereitschaft aller Seiten, menschliches Leid über geopolitische Interessen zu stellen.
Mit respektvollen Grüssen
Hans Gamma
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