Liebe Charle Helen,
dein Text hat mich nachdenklich gemacht – nicht nur wegen seiner Tiefe, sondern auch wegen der Ernsthaftigkeit, mit der du versuchst, Liebe als gelebte Haltung in einer verletzten Welt zu denken.
Ich möchte dir in Respekt und Offenheit antworten – auch aus einer Perspektive, die sich in einem wesentlichen Punkt von deinem Glauben unterscheidet:
Meine Thesen sind: Der Mensch trägt Verantwortung für das Böse, das er tut, und zugleich liegt im Kern jedes Menschen eine – schwer fassbare – innere Würde oder, wie ich es nenne, eine „göttliche Essenz“. Diese Gedanken führen mich jedoch nicht zu dem Schluss, dass Jesus Christus selbst Gott ist oder der „Sohn Gottes“ im dogmatischen Sinne.
Ich sage das mit vollem Respekt gegenüber all jenen, die seit über zweitausend Jahren an die Trinität glauben und darin ihre absolute Gewissheit finden. Für viele Christinnen und Christen ist dieser Glaube nicht nur Tradition, sondern gelebte Wahrheit, Trost und Orientierung. Er prägt ihr Denken, ihr Handeln und auch den Auftrag zur Verkündigung in der Welt.
Und dennoch: Ein Glaube – so tief und bedeutend er für den Einzelnen auch sein mag – darf aus meiner Sicht nicht den Anspruch erheben, für alle Menschen verbindlich zu sein. Ebenso wenig darf aber die Ablehnung dieses Glaubens ihn entwerten oder als nichtig erklären.
Ich habe Jesus Christus nie als inneres, spirituelles Ereignis erlebt. Für mich ist er kein göttliches Wesen, sondern vielmehr eine historische Gestalt, deren ethische Radikalität – etwa in der Forderung nach Feindesliebe – auch unabhängig von einem göttlichen Anspruch Bestand haben kann.
Gerade hier sehe ich eine mögliche Brücke zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden:
Nicht in der Frage, wer Jesus metaphysisch ist, sondern in der Frage, was seine Lehre im Menschen bewirkt – oder bewirken kann.
Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Mensch zur Rechenschaft über sein eigenes Handeln verpflichtet ist, dann entsteht Verantwortung. Und wenn wir zugleich annehmen – religiös oder nicht –, dass im Menschen ein unantastbarer Kern liegt, dann entsteht Würde.
Vielleicht liegt genau darin ein gemeinsamer Boden:
Nicht im Zwang zur Übereinstimmung, sondern im gegenseitigen Respekt vor der inneren Überzeugung des anderen.
Dein Aufruf zur Liebe bleibt für mich wertvoll – gerade dann, wenn er nicht als Forderung, sondern als Einladung verstanden wird.
Mit Respekt für deinen Glauben
und in Anerkennung unserer Unterschiede
Hans Gamma
(Mit dem Hinweis, dass ChatGPT mir behilflich war.)
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