Sehr geehrter Herr Teuffel,
vielen Dank für Ihren eindrücklichen und anregenden Beitrag zum 450. Todestag Leonhard Fronspergers und insbesondere zu seiner ebenso provozierenden wie zeitlos wirkenden Schrift „Vom Lob des Eigennutzens“. Ihre Darstellung macht deutlich, wie überraschend aktuell die frühneuzeitlichen Überlegungen zur Spannung zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl geblieben sind.
Beim Lesen drängt sich mir der Gedanke auf, dass Fronspergers These weniger als Rechtfertigung eines schrankenlosen Eigennutzes zu verstehen ist, sondern vielmehr als nüchterne Beschreibung menschlicher Wirklichkeit. Der Eigennutz erscheint bei ihm als anthropologische Konstante – als Triebkraft, die zwar notwendig ist, aber zugleich der sittlichen Einordnung bedarf. Gerade darin liegt, aus heutiger Sicht, die eigentliche Herausforderung.
Denn wenn der Eigennutz tatsächlich eine grundlegende Motivation menschlichen Handelns darstellt, dann enthebt uns das nicht der Verantwortung – im Gegenteil: Es verschärft sie. Jeder Mensch muss letztlich seine Taten vor sich selbst und seinem eigenen Gewissen verantworten. Weder Verweis auf Strukturen, noch auf vermeintliche Sachzwänge, noch auf „allgemeine menschliche Natur“ können diese persönliche Verantwortung aufheben.
In diesem Sinne ließe sich Fronsperger vielleicht gegen den Strich lesen: Nicht als Apologie des Eigennutzes, sondern als Aufforderung zur bewussten Selbstprüfung. Wenn schon das Eigeninteresse unausweichlich ist, dann stellt sich umso dringlicher die Frage, wie es begrenzt, geordnet und in ein verantwortliches Verhältnis zum Mitmenschen gebracht wird.
Besonders bemerkenswert finde ich dabei den von Ihnen herausgearbeiteten theologischen Horizont: die Vorstellung des Menschen als Verwalter und nicht als Eigentümer. Diese Perspektive eröffnet einen Maßstab, der über bloßen Nutzen hinausweist und das Gewissen als innerste Instanz ernst nimmt.
Ich danke Ihnen für diesen facettenreichen Impuls, der dazu anregt, nicht nur über wirtschaftsethische Fragen, sondern über das eigene Handeln nachzudenken.
(Hinweis: Bei der Formulierung dieser Antwort wurde ich unterstützend durch ChatGPT begleitet.)
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
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