Liebe Frau Ari Yasmin Lee,
mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag zu Bibel, Ethik und militärischer Instrumentalisierung gelesen. Ihre sorgfältige theologische Einordnung und die klare ethische Sensibilität sprechen eine wichtige Wahrheit aus: Glaube darf nicht zur Legitimation von Gewalt werden.
Ich möchte – in respektvoller Ergänzung – einen Gedanken teilen, der vielleicht eine andere Perspektive auf den Kern des Menschseins und des Glaubens eröffnet:
Seit der Menschwerdung – die für mich kein abgeschlossener Moment, sondern ein fortdauernder Prozess ist – trägt jeder Mensch etwas Unverfügbares, Unnahbares in sich. Dieses „Göttliche“ ist nicht greifbar, nicht verfügbar, nicht besitzbar. Und doch ist es da – in jeder Seele, jenseits von Gut und Böse, jenseits unserer Zuschreibungen.
Die Geschichten, die wir Menschen erzählen – ob in Krieg oder Frieden – sind Ausdruck unseres Handelns. Sie prägen unsere Wirklichkeit, unsere Ethik und unsere Deutung von Geschichte. Auch die heilige Schrift ist eine solche Geschichte: eine Deutung, ein Ringen um Wahrheit, ein Zeugnis des Glaubens an Gott – und für viele an den Mensch gewordenen Gottessohn. Doch sie bleibt eingebettet in menschliche Erfahrung und menschliche Sprache.
Was wir nicht zurückverfolgen können, sind die ursprünglichen Erfahrungen der Menschen mit diesem unnahbaren Gott in sich selbst. Seit frühester Zeit haben Menschen geahnt, gesucht, erfahren – aber nie vollständig erfasst. Kein Mensch war oder ist Gott selbst. Und doch trägt jeder Mensch – ob gut oder böse – dieses Unsichtbare in sich.
Vielleicht liegt gerade darin eine Grenze für jede Instrumentalisierung: Wenn das Göttliche in jedem Menschen verborgen ist, kann es nicht exklusiv beansprucht, nicht für Machtzwecke vereinnahmt werden. Es entzieht sich jeder politischen, militärischen oder ideologischen Verfügung.
In diesem Sinne verstehe ich Ihren Beitrag auch als Mahnung: nicht nur zur Trennung von Religion und Macht, sondern zur Achtung dieses verborgenen, unnahbaren Kerns im Menschen selbst.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
– mit Unterstützung von ChatGPT verfasst –
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