Freitag, 6. März 2026

Antwort an: 360° Durchblick

Die militärische Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran hat heute eine neue, irreversible Stufe erreicht. Nach dem Scheitern der Genfer Verhandlungen am 26. Februar führen massive Luftschläge und iranische Gegenschläge auf internationale Stützpunkte zu einem regionalen Flächenbrand. Die aktuelle Lage bestätigt dabei auf beklemmende Weise die Kernargumente, die der Nahost-Experte Michael Lüders bereits 2012 in seinem Werk „Der falsche Krieg“ formulierte.



https://michael-lueders.de/der-falsche-krieg/

Das Genfer Paradoxon: Diplomatie als Alibi?
In der politikwissenschaftlichen Retrospektive markieren die Gespräche vom 26. Februar in Genf den Wendepunkt. Während die US-Administration unter Präsident Trump von einer „letzten Chance“ sprach, deuten die heute – nur 48 Stunden später – eingeleiteten „Major Combat Operations“ auf eine vorbereitete militärische Logik hin.


Lüders’ zentrale These der „Alibi-Diplomatie“ scheint sich hier zu materialisieren: Er argumentiert, dass Verhandlungen oft so gestaltet werden, dass sie scheitern müssen. Durch Forderungen, die die nationale Souveränität des Irans (etwa den vollständigen Verzicht auf Raketentechnologie bei gleichzeitigem Verbleib der Sanktionen) untergraben, wird ein diplomatisches Patt erzeugt. Dieses Patt dient im Anschluss als moralische und politische Rechtfertigung für den Übergang zur militärischen Gewalt.

Solch ein Vorgehen dient dazu, die Weltöffentlichkeit und den eigenen Kongress zu überzeugen: „Wir haben alles versucht, aber Teheran ist nicht kompromissbereit.“ Damit wird der Weg für den „unvermeidlichen“ Militärschlag psychologisch geebnet.

Die Geografie des Flächenbrands
Ein Hauptpfeiler von Lüders’ Warnung war die Unmöglichkeit, einen Krieg gegen den Iran lokal zu begrenzen. Die heutigen Berichte über Angriffe auf US-Stützpunkte in Abu Dhabi (Al-Dhafra), Katar (Al-Udeid), Kuwait (Camp Arifjan), Irak (Al-Harir Air Base & Arbil), Jordanien  und die Fünfte Flotte in Bahrain sind die direkte Umsetzung der iranischen Doktrin der asymmetrischen Verteidigung.


Regionale Ausweitung: Der Konflikt hat innerhalb weniger Stunden die Grenzen der Nationalstaaten überschritten. Die Einbeziehung der Golfstaaten zeigt, dass die regionale Sicherheitsarchitektur, wie von Lüders prophezeit, in sich zusammengebrochen ist.


Globale Knotenpunkte: Berichte über Drohungen gegen strategische Punkte in internationalen Gewässern spiegeln Lüders‘ Warnung vor dem „Bumerang-Effekt“ wider: Ein Angriff auf das iranische Zentrum führt zu Reaktionen an den empfindlichsten Stellen des Welthandels.

Die nukleare Frage und der strategische Trugschluss
Offiziell begründen Israel und die USA die heutigen Präventivschläge mit der „existentiellen Bedrohung“ durch das iranische Atomprogramm. Lüders hält dem entgegen, dass militärische Schläge das technologische Wissen nicht auslöschen können. Stattdessen bewirkt die Gewalt eine nationale Konsolidierung im Iran.

Das „Irak-Syndrom“: Zwischen Geheimdienstberichten und politischem Kalkül
Ein zentraler Aspekt ist der Vergleich zur Vorgeschichte des Irak-Krieges 2003. Ein wiederkehrendes Muster: Die mediale und politische Aufbereitung von „Indizien“ zu „unwiderlegbaren Beweisen“.


Die Abwesenheit des „Smoking Gun“: Wie schon bei den angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins, auch im Fall Irans wird oft mit Wahrscheinlichkeiten operiert, statt mit Fakten. Trotz intensivster Überwachung durch die IAEO (Internationale Atomenergieorganisation) gab es bis zu den heutigen Ereignissen keine verifizierten Belege für den Bau eines nuklearen Sprengkopfes.


Religiöse De-Eskalation ignoriert: Ein oft übersehenes Argument, das wir hervorheben müssen, ist die offizielle Position der iranischen Führung. Bereits unter Ayatollah Khamenei wurde eine Fatwa (religiöses Rechtsgutachten) erlassen, die die Entwicklung und den Einsatz von Atomwaffen als „Haram“ (religiös verboten und sündhaft) einstuft. In der westlichen Berichterstattung wird dieses Element meist als taktisches Manöver abgetan; Lüders hingegen sieht darin ein ernstzunehmendes kulturelles und politisches Signal, das eine diplomatische Brücke hätte sein können.

Während westliche Strategen oft auf einen Kollaps des Systems hoffen, provoziert der Angriff genau das Gegenteil. Wie Lüders präzise vorhersagte, führt die äußere Bedrohung zu einer „Fahnenflucht nach innen“. Selbst Kritiker des Regimes solidarisieren sich im Moment des Angriffs mit dem Staat, was die Position der Hardliner zementiert und jede Chance auf einen moderaten Wandel für Generationen zerstört.


Daten der letzten Stunden deuten darauf hin, dass die zuvor zerstrittene iranische Gesellschaft angesichts der Angriffe auf Teheran eine Solidarisierung mit der Führung zeigt. Dies konterkariert das westliche Ziel eines „Regimewechsels von innen“ und stärkt stattdessen die Hardliner – ein Szenario, das Lüders als größte strategische Fehlkalkulation des Westens bezeichnete.

Geopolitik vs. Gefahrenabwehr: Der Kampf um die Hegemonie
Lüders bricht mit der Erzählung, es handele sich um einen rein defensiven Akt zum Schutz der Welt vor einer nuklearen Bedrohung. Er demaskiert den Konflikt als klassischen machtpolitischen Kampf um die Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten.


Eindämmung einer Regionalmacht: Der Iran hat in den letzten zwei Jahrzehnten seinen Einfluss – den sogenannten „Schiitischen Halbmond“ – von Teheran über Bagdad und Damaskus bis nach Beirut ausgedehnt. Lüders argumentiert, dass der militärische Schlag des Westens primär dazu dient, diesen geostrategischen Zuwachs zu brechen. Es geht nicht um die Atome, sondern um die Landkarte.
Ressourcen und Kontrolle: Die Kontrolle über die Energiekorridore und die Schwächung eines Staates, der sich der westlichen Finanz- und Sicherheitsarchitektur entzieht, sind laut Lüders die wahren Triebfedern. 

Die „nukleare Gefahr“ fungiert hierbei lediglich als ein im Westen moralisch leicht vermittelbares Narrativ, um einen völkerrechtlich problematischen Angriffskrieg zu legitimieren.


Die Anatomie einer angekündigten Katastrophe


Die heutige Eskalation am 28. Februar 2026 ist kein Unfall der Geschichte, sondern die Konsequenz einer Politik, die – wie Michael Lüders analysiert – Symptome (Atomprogramm) bekämpft, um geopolitische Ziele (Hegemonie) zu erreichen. 

Indem der Westen die Lehren aus dem Irak-Krieg ignorierte und die religiös-politischen Signale Teherans als Täuschung diskreditierte, hat er sich in eine Sackgasse manövriert.


Das Ergebnis ist der von Lüders befürchtete Zustand: Ein Krieg, der die nukleare Ambition nicht beendet, sondern sie im Sinne der „nationalen Verteidigung“ erst recht moralisch für die Gegenseite rechtfertigt, während er gleichzeitig die globale Stabilität opfert.

 


Antwort:

Dieser Beitrag wurde mit dem System ChatGPT moderiert.

Vielen Dank für diesen ausführlichen und analytischen Beitrag. Die Bezugnahme auf die Argumentation von Michael Lüders und die Darstellung der geopolitischen Logiken hinter militärischen Eskalationen ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion. Gerade der Hinweis darauf, dass Diplomatie in manchen Fällen instrumentalisiert werden kann, um militärische Schritte politisch zu legitimieren, verdient Aufmerksamkeit und kritische Prüfung.


Gleichzeitig halte ich es für wichtig, diese Analyse in einen breiteren globalen Kontext einzuordnen. Kritik an militärischer Machtpolitik darf nicht selektiv bleiben. Wenn wir die Instrumentalisierung von Narrativen zur Rechtfertigung von Kriegen analysieren, sollten wir dies konsequent auch auf andere Akteure anwenden.


Die Russische Föderation führt seit Jahrzehnten militärische Interventionen und Angriffskriege – von Tschetschenien über Georgien bis zur großangelegten Invasion der Ukraine. Auch dort wurde Diplomatie immer wieder mit Narrativen begleitet, die letztlich militärische Gewalt legitimieren sollten. In ähnlicher Weise sehen wir in China eine Politik der territorialen Expansion und der systematischen Unterdrückung von Minderheiten, insbesondere der Uiguren in Xinjiang, die international vielfach dokumentiert ist.


Gerade deshalb ist es aus meiner Sicht entscheidend, dass Kritik an westlicher Machtpolitik nicht in ein geopolitisches Schwarz-Weiß-Narrativ kippt, in dem autoritäre Großmächte implizit relativiert oder als Gegengewicht romantisiert werden. Die Realität der internationalen Politik zeigt vielmehr, dass Machtpolitik, Einflusszonen und propagandistische Rechtfertigungen keineswegs ein ausschließlich westliches Phänomen sind.


Eine wirklich glaubwürdige friedenspolitische Analyse muss deshalb universelle Maßstäbe anlegen: Völkerrecht, Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht von Gesellschaften sollten unabhängig davon gelten, ob Verstöße von westlichen Staaten, Russland, China oder regionalen Mächten im Nahen Osten ausgehen.


Gerade in einer Zeit wachsender globaler Spannungen scheint mir dieser universelle Maßstab entscheidend. Nur so lässt sich vermeiden, dass berechtigte Kritik an einer Seite ungewollt zur rhetorischen Entlastung einer anderen wird.


Ihr Beitrag regt eine wichtige Debatte an – und genau diese Differenzierung halte ich für notwendig, um sie weiterzuführen.


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