Ihre Ausführungen zu Etty Hillesum verstehe ich als Entfaltung meiner eigenen These: Das „absolute Böse“ ist dem Menschen nicht zugänglich. Was uns zugänglich ist, sind unsere Abgründe, unsere Verstrickungen – und die Verantwortung, uns ihnen zu stellen.
Gerade Hillesums innerer Weg zeigt für mich eindrücklich, dass die entscheidende Auseinandersetzung im Inneren des Menschen stattfindet. Ihre Weigerung, den Hass in sich weiterzutragen, ist kein naiver Eskapismus, sondern eine radikale Form von Verantwortung: die Verantwortung für das eigene Innere, für das eigene Handeln und letztlich für die Welt, in der wir leben.
Zugleich ist mir bewusst, dass diese Perspektive eine Spannung in sich trägt. Die Konzentration auf die „Schattenarbeit“ am eigenen Selbst darf nicht dazu führen, äußeres Unrecht zu relativieren oder passiv hinzunehmen. Gerade angesichts der historischen Realität, in der Hillesum lebte und ermordet wurde, bleibt die Frage nach Widerstand, nach strukturellem und politischem Handeln unausweichlich.
Meine These will daher nicht verharmlosen, sondern zuspitzen: Wenn wir vom „absoluten Bösen“ sprechen, laufen wir Gefahr, das Böse zu externalisieren – es den „anderen“ zuzuschreiben. Die Anerkennung, dass auch wir selbst zur Verfehlung fähig sind, zwingt uns in die tägliche Gewissensprüfung, von der ich spreche. Sie ist unbequem, aber notwendig.
Die unteilbare Menschenwürde bildet für mich dabei den Maßstab. Sie gilt ausnahmslos – auch dort, wo sie am radikalsten verletzt wird. Gerade daraus erwächst die Verpflichtung, sowohl im Inneren gegen Hass zu arbeiten als auch im Äußeren für Gerechtigkeit einzustehen.
So verstehe ich den Weg, den Hillesum – und in Ihrer Deutung auch Jesus – gegangen ist: nicht als Flucht vor der Welt, sondern als ein Ringen darum, Gewalt nicht weiterzugeben, sondern in Verantwortung zu verwandeln.
Hinweis: Bei der Formulierung dieses Beitrags hat mich ChatGPT unterstützend begleitet.
Hans Gamma