Donnerstag, 7. Mai 2026

DKP Flensburg

DKP Flensburg 


Liebe Redaktion der DKP Flensburg,

vielen Dank für die Veröffentlichung des Beitrags „Sorsunnata – Wir kämpfen nicht“ von Baltser Andersen. Der Text erinnert eindrücklich an die Friedensbewegungen der 1980er Jahre, an die Sorge vor nuklearer Eskalation und an die Bedeutung von Menschenwürde, Abrüstung und internationaler Verständigung. Gerade die historischen Hinweise auf Grönland, die Thule-Basis und die Erfahrungen der damaligen Friedensbewegung verdienen Aufmerksamkeit und kritische Aufarbeitung.

Zugleich halte ich es für wichtig, einige Aussagen differenziert und faktenorientiert zu betrachten. Friedenspolitik gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn sie Menschenrechte, Völkerrecht und die Verantwortung aller beteiligten Staaten gleichermaßen ernst nimmt.

Problematisch erscheint mir insbesondere, dass die Verantwortung für die gegenwärtige weltpolitische Eskalation nahezu ausschließlich den USA, der NATO oder westlichen Regierungen zugeschrieben wird. Dadurch geraten autoritäre Entwicklungen und völkerrechtswidrige Handlungen anderer Staaten zu sehr in den Hintergrund. Der russische Angriff auf die Ukraine bleibt ein klarer Bruch des Völkerrechts und hat unermessliches Leid verursacht. Ebenso dürfen die Unterdrückung demokratischer Kräfte in Russland oder die Einschränkung von Freiheitsrechten nicht relativiert werden.

Auch starke Begriffe wie „Faschismus“, „Mafioso“ oder pauschale Schuldzuweisungen gegenüber ganzen Staaten und politischen Lagern erschweren oft den offenen Dialog. Friedensarbeit braucht Kritik, aber auch sprachliche Sorgfalt, damit sie Menschen verbindet statt neue Fronten zu schaffen.

Wichtig erscheint mir zudem, zwischen berechtigter Kritik an Militärinterventionen, Machtpolitik und wirtschaftlichen Interessen einerseits und pauschalem Antiamerikanismus andererseits zu unterscheiden. In den USA selbst gibt es viele demokratische, soziale und friedenspolitische Bewegungen, die sich seit Jahrzehnten gegen Krieg, Rassismus und Machtmissbrauch engagieren.

Der Appell gegen atomare Eskalation verdient dennoch ernsthafte Beachtung. Gerade angesichts der Gefahr einer weiteren militärischen Zuspitzung in Europa und im Nahen Osten braucht es Diplomatie, Rüstungskontrolle, internationale Zusammenarbeit und eine neue Kultur des Zuhörens. Frieden entsteht langfristig nicht durch Aufrüstung allein, aber auch nicht durch die Ausblendung autoritärer Gewalt.

Besonders wertvoll finde ich den Gedanken, täglich bewusst an Frieden, Menschenwürde und Solidarität zu erinnern. Solche Zeichen des zivilen Engagements können helfen, einer Verrohung der politischen Sprache entgegenzuwirken.

Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung heute darin, eine Friedensbewegung zu entwickeln, die glaubwürdig gegen Militarisierung eintritt, ohne dabei demokratische Werte, Selbstbestimmungsrechte kleiner Staaten oder die Verantwortung autoritärer Regime zu vernachlässigen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gamma

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