Antwort an Martin (Organisator)
Sehr geehrter Martin,
ich habe Ihren Text aufmerksam gelesen. Er zeugt von tiefem Schmerz, großer Wut und dem ernsthaften Wunsch nach Veränderung angesichts von Leid, Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Diese Erfahrungen verdienen Gehör und dürfen nicht ignoriert werden.
Gleichzeitig möchte ich einen grundlegenden Gedanken einbringen:
Der Machtanspruch – gleich welcher Ideologie – hat in der Geschichte selten zu dauerhaftem Frieden geführt. Wo der Anspruch entsteht, die „richtige“ Ordnung mit Zwang durchzusetzen, beginnt oft ein neuer Kreislauf aus Gewalt, Gegengewalt und Entmenschlichung. Selbst Bewegungen, die aus berechtigtem Protest entstehen, laufen Gefahr, das zu reproduzieren, was sie eigentlich überwinden wollten.
Der entscheidende Maßstab sollte daher nicht die Frage sein, wer herrscht, sondern wie wir miteinander umgehen.
Jeder Mensch besitzt eine universelle, unteilbare und absolute Würde. Diese Würde gilt ohne Ausnahme – unabhängig von politischer Haltung, Herkunft oder Zugehörigkeit. Sie darf weder relativiert noch einem höheren Ziel untergeordnet werden.
Wenn Hass zum Motor des Handelns wird, richtet er sich am Ende nicht nur gegen „Gegner“, sondern zerstört auch die Grundlagen eines gerechten Zusammenlebens. Echter Frieden kann nicht aus der Logik des Kampfes allein entstehen, sondern nur dort, wo Menschen sich weigern, einander die Menschlichkeit abzusprechen.
Deshalb ist es notwendig, dass jede Bewegung – gleich welcher Ausrichtung – sich selbst begrenzt: durch Respekt vor dem Leben, durch Ablehnung von Gewalt gegen Unbeteiligte und durch die Anerkennung, dass kein Ziel die Entwürdigung anderer rechtfertigt.
Eine gerechtere Welt wird nicht allein durch den Sieg einer Seite entstehen, sondern durch die bewusste Entscheidung, den Kreislauf von Hass und Machtstreben zu durchbrechen.
Mit nachdenklichen Grüßen
Hans Gamma
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