Das Göttliche mutet dem Gegenüber nichts von außen zu. Es stellt keine Forderungen, erlässt keine Gebote, erhebt keinen Anspruch. Seine Wirkung ist leiser und tiefer: Es wirkt nicht durch Zwang, sondern durch Erkenntnis.
Durch die Seele hält das Göttliche dem Menschen einen Spiegel vor. Nicht um zu verurteilen, sondern um sichtbar zu machen. In diesem Spiegel erscheint das Verdrängte, das Ungelebte, das Unversöhnte. Nicht als Schuldzuweisung, sondern als Einladung zur Wahrhaftigkeit.
Das Göttliche begegnet dem Menschen nicht als Herrscher, sondern als Resonanzraum. Es sagt nicht: So sollst du sein. Es zeigt: So bist du. Und gerade darin liegt seine Verwandlungskraft.
Wer dem Göttlichen begegnet, kann sich nicht über andere erheben. Denn jeder Mensch steht vor demselben Spiegel – auf seine eigene Weise, zur eigenen Zeit.
Das Göttliche fordert nicht. Es spiegelt. Und im Spiegel beginnt Verantwortung – nicht aus Gehorsam, sondern aus Einsicht.
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