Dienstag, 15. Juli 2025

an der Türangel

 Dein Auge 

dass mich liebkosend begleitet

an der Türangel 

wo die Nacht emporwächst

schlägt der Holzrahmen 

den Verlauf der Zeit

Gebunden nicht gebunden

 Bin gebunden
nicht gebunden
bin Dein Acker
indem Deine Seele
die Furchen zieht


mit Weh 

brechen sich 

die Schollen

mit Freude

wenn die Schaufel

in der Sonne blinkt


so hoffe ich

so merke ich 

bangend

auf die Frucht

die in meinem Leibe keimt

Die Linde

 Der Mittelsmann
der sonst keine Lobpreisungen 
in einer Gemeinschaft macht
geht Hand in Hand
mit Menschen 
auf eine Basilika zu

viele sind im Glauben
an ihren Gott durchdrungen
sie singen und preisen ihn
bis vor ihnen der Dom auftaucht

ein selbst ernannter Anführer 
geht als Erster 
an seiner Hand 
ein zweiter voraus

er muss sich unter 
die vom Geiste erfüllten 
in der grossen Kirche
unter der Renaissancedecke eingliedern 

der Gesang der Menschen
erfüllt den Raum

danach setzt sich
ob Frau ob Mann
in den Kirchenbänken
von dem andern 
neben ihm ab

ein Kantor ruft die Menschen
die vereinzelt 
vor dem Altarraum stehen 
zur Ordnung auf

ein veralteter tragbarer Papstthron
wird durch den Seitengang abgeführt
eine offene Pferdekutsche 
ohne Prälaten folgt dahinter her 

der Mittelsmann sitzt daraufhin
in einer Kutsche
das Pferd zieht ihn 
vor den Tabernakel

auf das Haupt

des Mittelsmanns 

wird von ihm unbemerkt

eine silberne Kette aufgelegt

ein anderer der neben ihm steht

nimmt sie ihm weg

er will sie verkaufen

dagegen wehrt er sich

was ihm die Seele geschenkt

will er für sich behalten


er steigt ab und zieht 
seinen Umhang aus
darunter trägt er 
scharlachrotes Gewand

die Menschen aus
verschiedenen Ländern
versuchen sich am Abend
gegenseitig mit 
Ihrer eigenen 
und anderen Geschichten
zu verständigen
woher sie kommen

warum und seit wann
im gebrochenen französisch
jemand in Paris beheimatet ist

ob jemand das Buch
der wilden Zora 
gelesen hat oder nicht

am Morgen
nach dem Spektakel
sitzen die meisten Pilger
zur Rückfahrt in Reisebussen bereit

auch der Mittelsmann
jetzt im weissen Hemd

er hat seine Jacke vergessen
springt in Eile 
und nimmt sein Jackett
von einem Bügelhalter
der im Freien steht
kommt noch vor der Abfahrt 
zu seinen Sitzplatz im Bus zurück

ihm selbst war nicht bewusst
dass er eine geschälte Linde
auf seinem Privatauto
auf die Pilgerreise mitgebracht hat

der Stamm kommt ohne
dass ihn jemand trägt
vor dem Bus zu stehen

noch vor der Abfahrt
kann man erkennen 
wie die Räumungsmannschaft
den Stamm mit anderem Unrat
auf einen Lastwagen wirft

 

Freitag, 11. Juli 2025

Das Urwesen

Das Meer bewegt sich kaum
es ist finstere Nacht

der Seemannskapitän
führt einen Vertrauten
über eine Treppe
in den Schiffsbug hinab

auf einer langen Holzkiste
hat er ein Lebewesen
in einer durchsichtigen 
länglichen Blase
keimen lassen

das Wesen leuchtet von innen
mit rotgelben und weissen Farben
von dem was der Begleiter
noch nie gesehen hat




Donnerstag, 10. Juli 2025

Der Auftrag an die Maschine

 Die künstliche Intelligenz kennt kein müssen (sie muss dem auch nicht). Die Machine macht alles druckfertig, so der Mensch danach fragt. Das Ergebnis hat nichts mit dem wirklichen Leben zu tun. 

NZZ: und Kommentar an die Zeitung

Zitat

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG AM SONNTAG vertritt eine umfassendere Sichtweise und kommentiert:

„Morgen ist es genau zehn Jahre her, dass Donald Trump die goldene Rolltreppe vom Trump Tower in die Marmor- und Mahagoni-Lobby hinunterfuhr, um seine Kandidatur für das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten bekannt zu geben. Trump, der New Yorker Immobilienmagnat und Entertainer, ist politisch unbeholfen, hat aber ein untrügliches Gespür dafür, was beim amerikanischen Publikum ankommt. Wie kein anderer hat der Milliardär die negative Stimmung im Land erkannt: die Frustration vieler Familien über sinkende Lebensstandards, die Unzufriedenheit der Amerikaner darüber, dass amerikanische Soldaten immer noch in endlosen Kriegen kämpfen, und die Angst, dass China die USA bald als Supermacht ablösen und die Ära amerikanischer Exzellenz beenden könnte. Trump erkannte die Schwäche der Vereinigten Staaten und versprach, Amerika wieder groß zu machen. Und jetzt – zehn Jahre später? Der Krieg in der Ukraine tobt, Russlands Putin nimmt Trump nicht ernst, Gaza ist immer noch die Hölle, und Israel steht kurz davor, die Amerikaner in einen Ein großer, extrem gefährlicher Krieg mit dem Iran. Und was ist mit Trumps Versprechen, die endlosen Kriege im Nahen Osten zu beenden? Trump hat vielleicht erkannt, dass er nicht gleichzeitig ein starker Mann und ein Friedensstifter sein kann.

 Kommentar: Der Zweifel bleibt, ob er sich dessen bewusst ist, was er der Welt, mit seiner Art und Weise, zu glauben vorstellt.


18.6.2025

Jede Kreatur

 Das Denken hat sich aus dem Urgrund, des Unbewussten entwickelt. Beim Menschen ist es seit der Menschwerdung, die noch im Gange ist, auf das Alter der gesamten Entwicklung des Lebens bezogen, vielleicht eine Sekunde alt. Das Leben denkt schon immer. Jede Kreatur auf seine Art. 

Antwort an: abseits vom mainstream - heplev

 Das Alte Testament ist alt, die Menschheit ist heute, der universellen, unteilbaren, absoluten Menschenwürde verpflichtet. Eine Kritik an der rechtsextremen Regierung ist unmöglich.

srf.ch

srf.ch

Ukraine alleingelassen- Trump stoppt Suche nach entführten ukrainischen Kindern

Fast drei Jahre lang haben US-Forscher ukrainische Kinder aufgespürt, die von Russland verschleppt wurden. Jetzt hat Trump dem Programm den Stecker gezogen und die Finanzierung eingestellt. Autor: Judith Huber

Nathaniel Raymond leitet das Forscherteam der Universität Yale in den USA. Er weiss, wovon er spricht, wenn er sagt: «Dies ist der grösste Fall von Entführungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir denken, dass 35'000 ukrainische Kinder an 116 verschiedenen Orten festgehalten werden.» Und das in einem System, das vom Kreml und dessen Geheimdiensten organisiert worden sei.

Gezielte Suche nach entführten Kindern

Raymonds Humanitarian Research Lab erhielt im Frühling 2022 von der Regierung Biden den Auftrag, Beweise für mutmassliche russische Kriegsverbrechen in der Ukraine zu sammeln. Die Forscher begannen, öffentlich zugängliche Informationen sowie Satellitendaten auszuwerten. Im Sommer 2022 erhielten sie den Auftrag, sich auf die Suche nach den entführten Kindern zu machen. 

Legende:Im Dezember 2024 präsentierte Yale-Forscher Nathaniel Raymond vor dem UNO-Sicherheitsrat die Erkenntnisse seines Teams über die Verschleppung Zehntausender ukrainischer Kinder nach Russland.NATHANIEL RAYMOND

Wie sie das bewerkstelligen sollten, wussten die Forscher zunächst nicht. Doch dann stiessen sie auf Fotos russischer Lokalpolitiker, die ukrainische Kinder abholten und in Lager brachten. Die Bürgermeister machten Selfies von sich und den Kindern und stellten diese ins Netz. 

Links zum Thema:

Sie dachten aber nicht daran, den Ortungsdienst an ihren Mobiltelefonen auszuschalten. Diese Metadaten halfen den Forschern, die Standorte der Lager zu lokalisieren. Ihre Erkenntnisse flossen in einen ersten Bericht; einen Monat später erliess der Internationale Strafgerichtshof ICC einen Haftbefehl gegen Kremlchef Wladimir Putin und dessen Kinderrechtsbeauftragte.

Manche wurden von Russen schon adoptiert

Dann gelang ein grosser Durchbruch: Das Team fand heraus, dass einige der entführten Kinder als angebliche russische Waisen in Datenbanken versteckt waren und zwangsweise zur Adoption oder zur Pflege in russische Familien gegeben wurden.

Legende:In Einzelfällen gelingt es den Freiwilligen der ukrainischen NGO Save Ukraine, von Russen verschleppte Kinder zurückzuholen.SAVE UKRAINE

Die Erkenntnisse gab das Team von Yale den ukrainischen Behörden und Freiwilligen weiter, die es immer wieder schaffen, verschleppte Kinder zurückzuholen. Kinder aber, die bereits adoptiert wurden, können nur vom russischen Staat zurückgebracht werden. Bis jetzt zeigt Russland keinerlei Bereitschaft dazu.

Trump spricht von «Geldverschwendung»

Doch jetzt mussten Raymond und sein Team ihre Suche nach den Kindern einstellen. US-Präsident Trump stoppte das Programm nach seinem Amtsantritt – mit der Begründung, es sei Geldverschwendung. Auf Druck des Kongresses gelang es immerhin, dass die Yale-Forscher Zeit bekamen, ihre wertvollen Daten den ukrainischen Behörden und Europol, der europäischen Polizeibehörde, zu übergeben. 

Legende:Moskau steht ganz offiziell zu den Entführungen, spricht aber davon, die ukrainischen Kinder wegen des Krieges «aufgenommen» zu haben. Hier bespricht sich Putins «Kinderrechtsbeauftragte» Maria Lwowa-Belowa Anfang Juni 2025 mit Wladimir Putin zum Thema. Gegen beide besteht wegen der Verschleppungen ein Haftbefehl des Internationalen Gerichtshofs.REUTERS/GAVRIIL GRIGOROV

Dass es die von den Forschern mühsam gesammelten Daten überhaupt noch gibt, ist nur einem Zufall zu verdanken. Raymond sagt: «Sie haben alle Systeme abgestellt, ohne sich überhaupt die Mühe zu machen, herausfinden, was der Inhalt ist. Sie haben schlicht und einfach den Stecker gezogen.»

Daten bloss durch Zufall gesichert

Glücklicherweise hatte ein Subunternehmer des US-State-Department eine Kopie der Daten gemacht. Und so verbrachten Raymond und sein Team die letzten Wochen nur noch damit, die Informationen weiterzugeben. Dabei liegen gemäss Raymond acht Millionen Dollar bereit, die gemäss Weisung des Kongresses für ihr Programm eingesetzt werden müssten. Aber die Trump-Regierung weigert sich, das zu tun.

So muss Raymond am 1. Juli das Programm beenden und sein Ukraine-Team entlassen – falls er bis dann nicht mindestens 200'000 Dollar auftreiben kann.

Archiv: Entführte Kinder aus der Ukraine

 Aus 10 vor 10 vom 18.09.2023

Antwort an: Herrn Boff

Das Kommando „Fratelli tutti“ widerspricht der universellen, unteilbaren, absoluten Würde der Frau. Die Frau, die in der römisch katholischen Kirche eine Nebenrolle zu spielen hat.

Die Menschen sind zum Übeleben von der Natur, wir sind Natur, abhängig. Die Vision, dass die Menschheit mit der Erde eine Einheit bilden soll, verkennt dass der Mensch vergänglich ist, und lange noch nach seinem Ableben bestehen bleibt.

Die spirituelle und weltliche Mächtigen spüren zwar, dass wir alle für die Klimakatastrophe verantwortlich sind. Michail Sergejewitsch Gorbatschow hat aus der Not heraus gesehen, das sich etwas ändern muss. 

Der heutige Tyrann in der Festung hat den Spiess umgedreht und tötet Menschen in der Ukraine und Menschen die nicht mehr zur Neoimperialen Macht des Kreml seit 25 Jahren gehören wollen, mit seinen Angriffskriegen und mit seinen Schergen ausserhalb der russischen Föderation.

Dasselbe machen alle Autokraten und Diktatoren rund um den Erdball, mit Bürgerkriegen und der Einvernahme von Menschen die, die Demokratie wollen.

Der Spirituelle und der Weltmächtige haben beide, bis heute nicht erkannt, oder wollen von dem nichts wissen; dass Gott in uns wohnt. Das Allwissende ist im Kern, von der Seele umfasst und bleibt uns verborgen.

Die BRICS Staaten unterstützen den Möchtegern Kaiser des dritten Rom.

Die Rüge

 Eine Betreuerin 
will eine junge Frau
zum Besseren erziehen

die junge Frau
rennt in ihrer Wut
in den dunklen Dachstock
die Betreuerin hinterher

das Geschrei 
wird einem anderen Betreuer zuviel
beide haben ihn 
wie er den dunklen Raum betritt
nicht bemerkt

er lässt einen Schrei los
die beide vor Schreck 
verstummen lässt

später bedankt er sich
bei der jungen Frau
und der Betreuerin
die ihm zustimmt

von seinem Einsatz
zum Besseren 
will die junge Frau nichts wissen

dem Vorgesetzten sind sie 
in der Auswertung 
draussen im Vorgarten
zu weit abgerückt 

der Betreuer will ihm
in seiner Nähe den Verlauf erklären
dieser macht daraufhin
mit seinem Kommentar
das ganze noch schlimmer

mit der Rüge an den Betreuer
als das Ganze in Wirklichkeit 
für alle Beteiligten gewesen ist

Bahnfahrt ins Ungewisse

 Drei Männer 
machen sich am Morgen auf
jeder soll sich seiner Wege gehen
der Schwächste weiss nicht
welche Kleidung er anziehen soll
da er keinen Koffer hat
stülpt er sich alles was er hat
auf seinen Leib
er weiss trotzdem nicht
ob er den langen Mantel 
wirklich um sich hat
er wird dermassen ungelenk
dass er keine Schuhe 
über seine schwarzen Socken
anziehen könnte 
zumal er sie irgendwo 
liegen gelassen und vergessen hat
einer der Männer hilft ihm
mit Bergschuhen eines Vermissten aus
da der Mann kaum gehen kann
begleitet er ihn zum Bahnhof
er setzt ihn in einen offenen Güterzug
für die Bahnfahrt nach irgendwo 
er selbst keinen gültigen Fahrschein braucht

Mittwoch, 9. Juli 2025

Die Reinigung

 Auf einem Pilgerweg
müssen die Menschen
in den Sonntagsanzügen
einen seichten Fluss überwinden

ein Mann ganz in schwarz gekleidet
geht mit seinen schwarzen 
feinen Lederschuhen 
durch das Wasser 
ohne nass zu werden

über der Böschung müssen
die Pilger eine kleine Felswand
empor steigen

der Mann entdeckt zwischen drin
einen versteinerten Hüftknochen 
von einem Menschen
der zwischen den Felsspalten hervorlugt

oben angekommen
erwartet die Pilger
eine Schar von Menschen
die sich rundum 
neben einer allein stehenden Kappelle 
sich versammelt haben

zu allerletzt ging es darum
die brauchbaren Dinge
aus der Kappelle 
sie zu säubern
draussen an der Sonne zum trocknen
im grünen auszulegen



Das Taschenbuch

 Ein Schriftsteller
hat ein Buch geschrieben
wie die Menschheit
die Katastrophen 
und die Gewalt 
bezwingen kann

eine Jede
ein Jeder kann dieses Buch
an Hauptbahnhöfen 
gratis erwerben

wenn die Menschen
seiner Gemeinschaft beitreten

viele Menschen bedienen sich
eine Frau vergisst sich
sie lässt die hellbraune
gefüllt Handtasche liegen

das Taschenbuch in der Hand
mit anderen davon zu eilen
in einem Quartiersaal
den Erlöser kennen zu lernen

ein einfacher Mann
wartet am Bücherstand
die Frau kehrt 
nach einer Weile zurück
er übergibt der Frau
ihre Handtasche zurück
  

Dienstag, 8. Juli 2025

Der andere Weg






 Kommt der Trieb
nicht zu seinem Recht
sucht er sich
einen anderen Weg


für etwas anderes




 Es gilt beides
das Unding
und die Tatsache
in der Entscheidung
für etwas anderes
gegenüber zu stellen

Antwort an: Leonardo Boff

 Zitat:

Warum wir nicht aufhören, Kriege zu führen

Leonardo Boff

Wir erleben derzeit dramatische Zeiten mit höchst tödlichen Kriegen, in der Ukraine, im Kongo, schrecklicherweise im Gazastreifen mit einem Völkermord unter freiem Himmel, mit der Gleichgültigkeit jener Nationen, die uns die Menschenrechte, die Idee der Demokratie und den Menschen als Zweck und niemals als Mittel vermacht haben. Besonders tragisch ist der Krieg zwischen Israel und dem Iran, der sich, wenn er nicht eingedämmt wird, zu einem totalen Krieg ausweiten könnte, mit dem Risiko, die Biosphäre und unsere Existenz auf diesem Planeten zu beenden.

Die Frage, die ich stellen möchte, ist beunruhigend und sehr realistisch: Welcher Friede ist unter den heutigen Bedingungen der Menschheit möglich? Können wir von einer Herrschaft des Friedens träumen? So wie wir strukturiert sind: als Menschen, als Gemeinschaften, als Gesellschaften, welche Art von Frieden ist nachhaltig? Wir weisen die Aussage zurück: Wenn du Frieden willst, bereite dich auf Krieg vor.

Ich möchte einige Überlegungen anstellen, die realistisch sind und unseren politischen Willen zum Frieden herausfordern. Denn Frieden ist nicht selbstverständlich. Frieden ist das Ergebnis eines Prozesses all derer, die den Weg der Gerechtigkeit suchen und gegen eine Welt protestieren, die es Menschen nicht erlaubt, menschlich miteinander umzugehen – Palästinensern wie Israelis.

Ich möchte zunächst einige Daten aus den Bio- und Geowissenschaften in Erinnerung rufen, da sie uns zum Nachdenken anregen. Was sagen sie uns? Dass wir alle, das gesamte Universum, aus einer gewaltigen Explosion vor 13,7 Milliarden Jahren entstanden sind. Es gibt Instrumente, die das Echo dieser gewaltigen Explosion in Form einer winzigen magnetischen Welle einfangen können. Und sie erzeugte enormes Chaos. Wir kamen aus dem Chaos, aus der anfänglichen Verwirrung; doch das Universum – durchdrungen von Wechselwirkungen – begann sich auszudehnen und zeigte, dass Chaos nicht nur chaotisch ist, sondern auch kreativ sein kann. Chaos erzeugt Ordnung in sich selbst. Der kosmogene Prozess schafft Harmonie, und während er sich ausdehnt und Raum und Zeit schafft, schuf er den Kosmos; Kosmos, von dem das Wort „Kosmetik“ stammt, das jeder kennt. Es ist Schönheit und Ordnung. Doch Chaos begleitet uns wie ein Schatten. Deshalb entsteht Ordnung immer gegen Unordnung und aus Unordnung. Doch beides, Ordnung und Unordnung, Chaos und Kosmos, koexistiert stets nebeneinander.

Und wie erscheinen sie auf der menschlichen Ebene? Sie erscheinen in zwei Dimensionen: der Weisheit und der Verrücktheit. Wir sind Homo sapiens sapiens, intelligente Wesen, und gleichzeitig Homo demens demens, wahnsinnige Wesen, die das richtige Maß verleugnen. Aber vor allem sind wir intelligente, weise Wesen, das heißt, wir tragen Bewusstsein. Wir sind soziale, kooperative Wesen. Wesen, die sprechen, Wesen, die sich kümmern, Wesen, die Kunst schaffen, Gedichte verfassen und in Ekstase geraten können.

Wir bewohnen bereits 83 % unseres Planeten, waren bereits auf dem Mond und haben sogar das Sonnensystem mit einem Raumschiff verlassen. Würde ein intelligentes Wesen dieses Raumschiff betreten – das das Sonnensystem verlassen hat und drei Milliarden Jahre lang das Zentrum unserer Galaxie umkreisen wird –, würde es darin Friedensbotschaften in über hundert Sprachen lesen können, ebenso wie ein weinendes Kind, den Klang zweier sich küssender Liebender und wissenschaftliche Formeln. Das Wort Frieden ist in über hundert Sprachen geschrieben, wie zum Beispiel Mir, Frieden, Shalom, Pax → eine Botschaft, die wir dem Universum hinterlassen wollen.

Wir sind Wesen des Friedens, aber gleichzeitig auch Wesen der Gewalt. In uns leben Grausamkeit, Ausgrenzung und Ahnenhass, etwas, das wir in unserem Land erleben, insbesondere im Krieg gegen die Palästinenser im Gazastreifen und im Krieg zwischen Israel und dem Iran. Wir haben gezeigt, dass wir homozidal sein können: Wir töten Menschen. Wir können ethnozidal sein: Wir töten ethnische Gruppen, Völker – wie die 61 Millionen indigenen Völker Lateinamerikas; es ist unser selten erwähnter Holocaust. Wir können biozidal sein: Wir können Ökosysteme zerstören, wie große Teile des Atlantischen Regenwalds, Teile des Amazonasgebiets und die riesigen Wälder des Kongo. Und heute können wir geozidal sein: Wir können unseren lebendigen Planeten, die Erde, schwer verwüsten.

All dies könnte der Satan der Erde sein. Und hier stellt sich die quälende Frage: Wie können wir Frieden schaffen, wenn wir die Einheit dieses Widerspruchs sind – von Chaos und Kosmos, von Ordnung und Unordnung, von Weisheit und Wahnsinn? Welches Gleichgewicht können und sollten wir in dieser widersprüchlichen Bewegung suchen, um in Frieden leben zu können? Doch die Evolution selbst hat uns geholfen, sie ist weise und hat uns ein Zeichen gegeben. Sie sagt uns, dass das, was den Menschen menschlich macht – anders als andere Arten – unsere Fähigkeit ist, kooperativ und sozial zu sein, ein Wesen der Sprache, des Dialogs und der Gegenseitigkeit.

Als unsere Vorfahren auf die Jagd gingen, taten sie dies nicht wie Schimpansen. Diese Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten und haben 98 % unserer biologischen Eigenschaften gemeinsam.

Doch wie kam es zum Sprung von der Tierwelt in die Menschenwelt? Als unsere Vorfahren auf die Jagd gingen und ihr Wild nicht privat aßen – wie andere Tiere –, sondern es an gemeinsame Orte brachten und alles, was sie als Nahrung erbeuteten, geschwisterlich untereinander teilten. Der Sprung erfolgte durch Kommensalität, durch unsere Fähigkeit, kooperativ und sozial zu sein. Und aus unserer kooperativen und sozialen Fähigkeit entstand die Sprache, die eine der Definitionen des Menschseins ist. Nur wir sprechen. Deshalb ist es das Wesen des Menschseins, ein gesprächiges, unterstützendes, fürsorgliches und kooperatives Wesen zu sein.

Worin besteht die Perversität des Systems, unter dem wir alle leiden? Es ist ein global integriertes System unter der Ägide der Marktwirtschaft und des Spekulationskapitals. Es ist ausschließlich wettbewerbsorientiert und keineswegs kooperativ. Es ist ein System, das den Sprung zur Menschheit noch nicht geschafft hat; es lebt die Politik des Schimpansen, in dem jeder privat anhäuft und nicht teilt, was seinen Mitmenschen gemeinsam ist.

Da wir aber beide Dimensionen in uns tragen – Wahnsinn und Intelligenz, Konkurrenzdenken und Kooperation –, liegt es in der Natur des Menschen, dem Konkurrenzdenken Grenzen zu setzen. Es geht darum, alle Energien zu stärken, die in Richtung Kooperation, Solidarität und Fürsorge gehen. Dadurch stärken wir das Authentische in uns und schaffen die Grundlage für einen möglichen und nachhaltigen Frieden.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich zu kümmern. Ohne Fürsorge ist das Leben nicht geschützt, es kann sich nicht ausbreiten, es verkümmert und stirbt. Daher sind Zusammenarbeit und Fürsorge die beiden Grundwerte, die jedem Projekt zugrunde liegen, das Frieden schafft. Es geht nicht darum, die Hände zu schließen, sondern darum, dem anderen die Hand zu reichen. Es geht darum, die Hände miteinander zu verschränken und eine Kette des Lebens, der Zusammenarbeit und der Solidarität zu schaffen – die Voraussetzungen für Frieden zwischen Menschen.

Wenn wir uns umeinander kümmern, haben wir keine Angst mehr; wir fühlen uns sicher. Wir fühlen uns sicher in unseren Häusern, in unserer Umgebung, in unserem Privatleben. Um die Angst auszutreiben, lasst uns Fürsorge üben. Deshalb sagte Gandhi, der große humanistische Politiker, dass es in der Politik darum geht, sich um die Dinge der Menschen zu kümmern. Es ist eine liebevolle Geste gegenüber dem Gemeingut. In der Politik geht es nicht darum, die Wirtschaft oder die Währung zu steuern; es geht darum, sich um die Menschen und die Menschen selbst zu kümmern, um die großen Anliegen, die ihr Leben prägen.

Und Gott sei Dank wurde in unserem Land eine Politik eingeführt, die der Bekämpfung des Hungers unserer Bevölkerung eine zentrale Bedeutung beimisst; sie macht die Eigentumsübertragung an die Ländereien der Ureinwohner und der Slumbewohner zu einer grundlegenden Aufgabe.

Unser Land kann, wenn es gut gepflegt wird, den Hunger aller Brasilianer und der Menschheit stillen, denn so groß ist die Größe unserer fruchtbaren Böden. Deshalb müssen wir Präsident Lulas Worte in allen Foren erklingen lassen:

„Wir brauchen keinen Krieg, wir brauchen Frieden. Wir brauchen keine Milliarden Dollar, um eine Todesmaschine zu bauen. Wir können dieses Geld umlenken, um Leben zu ermöglichen, Leben zu verlängern und dem Leben eine Zukunft zu geben. Statt Konkurrenz setzen wir auf Zusammenarbeit. Statt Angst setzen wir auf Fürsorge. Statt der Einsamkeit der Leidenden setzen wir auf Mitgefühl, das sich vor den Gefallenen verneigt, mit ihnen leidet, sie vom Boden aufrichtet und an ihrer Seite geht.“

Auf unserer Suche nach Frieden wollen wir das Wort Feind auslöschen, alle Menschen zu Verbündeten machen, alle, die weit weg sind, uns nahe bringen und diejenigen, die uns nahe stehen, zu Brüdern und Schwestern machen.

Als der Meister Jesus gefragt wurde: „Wer ist mein Nächster?“, antwortete er nicht. Er erzählte eine Geschichte, die jeder kennt: die vom barmherzigen Samariter. Dann macht Jesus klar, wer der Nächste ist: „Der Nächste ist der, zu dem man kommt.“ Es liegt an uns, alle Menschen – Männer und Frauen unterschiedlicher Herkunft, Herkunft und ideologischer Zugehörigkeit – zu unseren Nächsten zu machen. Sie nicht zu Feinden, sondern zu Verbündeten und Gefährten zu machen.

Wir erscheinen als Menschen, wenn wir das Brot teilen. Brot zu teilen bedeutet, ein Gefährte (Kum-pane) zu sein, wie der Ursprung des Wortes schon sagt: cum panis, jemand, der das Brot teilt, um mit einem anderen in Gemeinschaft zu treten. Wir sind als Wesen des Miteinanderteilens geboren. Was ist unsere Herausforderung? Das, was unsere dynamische Natur verlangt, als persönliches und politisches Projekt zu übernehmen: eine Gesellschaft der Zusammenarbeit, der gegenseitigen Fürsorge aufzubauen. Papst Franziskus hat uns eine strenge Warnung mit auf den Weg gegeben: „Wir sitzen alle im selben Boot; entweder wir retten uns alle oder niemand rettet sich selbst“.

Die Erd-Charta wiederum warnte auch, dass wir „eine globale Allianz bilden müssen, um für die Erde zu sorgen, um füreinander zu sorgen, sonst riskieren wir, uns selbst und die Vielfalt des Lebens zu zerstören“; eine Allianz der Zusammenarbeit mit der Natur und nicht gegen die Natur; eine Entwicklung, die gemeinsam mit der Natur und nicht auf Kosten der Natur durchgeführt wird.

Frieden lässt sich aufbauen. Nicht bloße Befriedung, wie Präsident Donald Trump sie propagiert, sondern Frieden, wie ihn die Erd-Charta definiert: „als die Fülle, die aus der richtigen Beziehung zu mir selbst, zu anderen, zur Gesellschaft, zu anderen Lebewesen, zu anderen Kulturen und zu dem Ganzen, dessen Teil wir sind, entsteht.“ Kurz gesagt: Frieden als Prozess der Gerechtigkeit, Zusammenarbeit, Fürsorge und Liebe. Dies ist die Grundlage, die uns die Wahrnehmung vermittelt, dass Frieden möglich und dauerhaft sein kann.

Es ist wichtig, nicht nur den Krieg zu bekämpfen, sondern auch den Frieden zu gewinnen. Frieden erfordert Engagement, und wir wollen darin Kräfte wecken, auch solche, die unsere Kräfte übersteigen. Das Universum ist ein unermessliches Netzwerk von Energien, die alle aus jener ursprünglichen Quelle schöpfen, aus der alles kommt und die Kosmologen „den Abgrund, der alle Wesen hervorbringt“ nennen und die Christen den Schöpfer nennen. Wir wollen, dass der Frieden des Schöpfers die Suche nach Frieden für die Menschheit stärkt. Dann wird das scheinbar Unmögliche möglich, eine freudige und glückliche Realität.

Leonardo Boff Autor von: Cuidar da Casa Comum:como protelar o fim do mundo, Vozes 2024.

Übersetzung Bettina Goldharnack

Antwort:

Sehr geehrter Herr Leonardo Boff

Der Mensch ist weder Mittel noch Zweck. Jeder Mensch ist der universellen, unteilbaren, absoluten Menschenwürde. Die weltlich und spirituell Mächtigen reden vom Frieden, den es seit Menschengedenken nicht gab und nie geben wird. 

Mit freundlichen Grüssen
Hans Gamma