Donnerstag, 4. Dezember 2025

nichts zu hören

 Am Rande der Stadt
wartet in einem hellen spitzen Rundhaus
bis in die Nacht hinein der Mann 
auf die Rückkehr seiner Frau

der Mann geht hinaus
aus der Stadt kommen 
Frauen aus dem Ausgang zurück

zwei Frauen suchen 
einen alten weissen Volkswagen
auf dem Parkplatz auf

eine Frau geht auf dem Weg vorbei
sie spricht vor sich hin
dass sie den König von Schweden
verliebt machen wollte

ihr spitzförmig nach unten
sich weitendes schwarzes Tüllkleid
das Haupthaar die Linie
bis zu den Füssen verstärkt

von seiner Frau 
ist nichts zu sehen
nichts zu hören

Mittwoch, 3. Dezember 2025

sein zuhause

 Wir sind Natur in der Natur, das allwissende ist im Menschen selbst, sein zuhause.

der nicht Geburtstag

 Ein Geburtstagsgeschenk 
das wie eine Mühle 
aus Holz für den Haushalt aussieht

der Beschenkte
öffnet die Schubladen
darin sind Kleinwerkzeuge
mit einer Beschreibung
die das Geheimnis
einem dafür und darob 
nicht preisgeben

der Mann freut sich
obwohl es nicht
der Tag ist
wo er Geburtstag hat

er versucht dem Ding
unter den Stubenpflanzen
seinen Platz zu geben
auf einer schiefen Stele
das merkt er 
könnte die Mühle
die keine ist
herunter fallen

am Boden stellt er
das Geschenk hin
hinter ihm sagt jemand
dass das Ding
übertrieben nicht passend
ja unnötig sei

ohne zutun

 Am Monitor erscheint 
ohne zutun
Schmuckstücke abgeben
danach vorwärts
in die Gaskammer

Dienstag, 2. Dezember 2025

Brotteig

 Während die Ersten
sich im Liebestaumel berauschen
kratz ein Armseliger
das verdorbene Korn
für einen Brotteig zusammen 

unbekannt

 Drei Männer
mit urwüchsiger Tonsur
knien auf offenem Feld
unter grellem Licht
sie erwarten 
die Vollstreckung 
von unbekannt 

Montag, 1. Dezember 2025

Das Austrittsgespräch

 Ein mehrjähriger Mitarbeiter 
wird von seinem Vorgesetzten entlassen

in der Nacht
anstatt seines Vorgesetzten
sitzt ein fremder Mann
im Rondell des Grossraumbüros

er ein kleingewachsene Mann
sagt dem Mitarbeiter
der das Haus gerade
verlassen möchte
dass er sich auf ein Gespräch
zum Austritt am Tag 
darauf vorbereiten müsse

der Angesprochene 
geht auf ihn zu
er will das Gespräch 
mit ihm beginnen

der Dialog beginnt damit
dass der Angestellte 
woher auch immer 
ihn lobt
er habe den Betrieb in Form gebracht

der Neuling will dem Gekündigten
seine Haltung als Mensch streitig machen
bei jeder Bemerkung daraufhin
widerspricht ihm der Untergebene 

der Mann wirkt verärgert 
fragt ihn ob er nur mit nein 
auf das was er zu sagen habe
antworten könne

der Gekündigte widerspricht
er habe ihn gelobt
weil er den Ablauf
im Betrieb in Form gebracht hat

der Vorgesetzte greift
zum letzten Mittel
sein Chef
ein gross gewachsener Mann
mit Brille erscheint gleich

er stellt sich neben
dem fristlos Entlassenen hin

zu guter Letzt
sagt der Gesprächsführer
ihm gehorchen die Menschen
aufs Wort



Abschied

 Im Dojo, alleine auf dem Sitzkissen, brach im Mittelgang am Ende, aus der Wand, ein wilder Reiter, begleitet von einer wilden Horde und einem Sturzbach hervor. 
Seitdem gibt es kein Erwarten auf die Erleuchtung, mit dem Abschied aus der Hierarchie der Lehre, dem Nichts inmitten der Leere, zum Ende vom Dasein kein Zurück mehr.

Sonntag, 30. November 2025

Eros in der Unterwelt

 Die verstorbene 

Grossmutter

schlank in schwarz

gekleidet 

geht dem Eros 

Ehrfurcht gebietend 

auf dem Weg

auf ihren Enkel zu

ein durchkommen

 Auf schmalem Weg

verhindert ein Lieferwagen

ein durchkommen

kaum

 Eine Hornisse

setzt sich

kaum spürbar

auf den linken

Handrücken

Die List der Natur

 Graue Haare

am Unterleib

lassen das 

zueinander

verkümmern


ein Begehren

eines anderen

lässt das kalt

Die Offenbarung

 Gott offenbart sich in jedem Menschen, durch die Seele selbst. 

Der Hass

 Gott in uns muss vor dem Hass der Anderen nicht die Flucht ergreifen.

Der Kampf

 Die Rede und das Geschriebene vom Kirchenkampf zeugen davon, dass die universelle, unteilbare, absolute Menschenwürde nicht anerkannt wird.

Gehorsam

 Hinter der Mauer
gehen Menschen
in einem Durcheinander 
von der unbewegten Leere 
Tag ein Tag aus getrieben

vor der Mauer
steht ein Mensch
der den Gesetzen
der Seele 
zwischen böse und gut 
gehorcht
in seinem ganzen Leben

Der Bauchwind

 Ein Mensch
der seinen Bauchwind
wird ausgelacht
und gemieden 

Samstag, 29. November 2025

Macht und Ohnmacht

 Mitarbeiter
einer Gemeinschaft
klagen 
sie bräuchten
mehr Menschen 
zur Bewältigung 
der Aufgaben

der Gruppenleiter 
bietet sich an
einen Teil
der Arbeitszeit
die seine Führung beansprucht
einzuschränken

trotzdem wird
von oben herab
ohne ihm 
gehör zu verschaffen
eine neue Stelle
frei gesetzt

Tautropfen

 Gesprochene Worte

Tautropfen

von Pech

auf weisser Leinwand

Die Schwerkraft

 Die Schwerkraft 

der Seele

bringt uns 

am Ende

unseres Lebens

an den Anfang zurück

zur Tilgung

 Zwei Scheiben Brot

vom Gastmahl entwendet 

als Massnahme 

muss der Vertriebene


zur Tilgung

zwei Frauen die ihn

als Kind ernährten 


dem Oberhaupt 

der Gemeinschaft 

ihr Versteck verraten

Ein weisser

 Ein weisser Nordamerikaner

der nicht dem Klerus angehört

dieser Mensch hat sich

hinter den Kulissen

seit Jahren 

mit der Verabschiedung

der unteilbaren Menschenwürde

zum Oberhaupt 

einer kirchlichen Gemeinschaft

durchgesetzt

zur Hilfe

 Der Nachfahre soll

einer Verstorbenen

zur Hilfe kommen


der Aufwand 

werde bezahlt

wenn er zwei

unbekannte Kleinkinder

ein Mädchen

und einen Buben

mitbringt


auf dem Paket

ist die Adresse

wohin er sich

wenden soll

Die Blutprobe

 Auf der Reise 

in die Mitte

des Berglandes

werden Menschen

im fahrenden Zug

von den Sitzen

aufgerufen

man werde ihnen

am Hals

eine Blutprobe entnehmen

Der hilflose Betreuer

 Im Sackbahnhof

verstecken sich

zwei Kinder hinter

Säulen und Gängen


der Betreuer

hat sie aus

den Augen verloren 

dann tauchen sie wieder auf


sein Mitbringsel 

fällt Stockwerke hinab


auch sein Geldbeutel

fällt im aus der Hand

als ein Bub 

ihn in schrecken versetzt

ohneTicket

Ein Reisender

möchte seine Reise

im Zug fortsetzen

er muss sich

um ein Ticket bemühen 

auf alle Etagen

und Treppen

ist ein Flut

von Wasser 

eingebrochen

es ist unmöglich

ohne Fahrkarte

zum Ziel

die Reise fortzusetzen

nichts zu tun

 Ein Mann
der sich ein Bild
von der Weltlage macht
dreht am KI Knopf

es entstehen Bilder 
die für eine Ausstellung taugen

was ihn erstaunt
dass sie mit der Wirklichkeit 
von Welt nichts zu tun haben

für immer

 Ein Mann geht aus dem Dorf
in die Stadt
obwohl es neben seiner Wohnung
ein Wohnheim für Behinderte hat
auf Arbeitssuche 

er meldet sich für eine Stelle
als einfacher Betreuer
in einer grossen Siedlung
die Menschen mit Behinderungen
durch den Alltag betreut

die Vorgesetzten sind 
mit ihrem Aussehen 
von den anderen Menschen
nicht zu unterscheiden
auf deren Sakko des Revers
steckt eine weisse Rondelle 

der Mann versucht
durch ein Wirrwarr 
von dunklen Gängen und Stuben
zum Aufnahme Büro zu gelangen

er wendet sich ab
der Weg führt in 
in dunkles Verflies

auf dem Weg zurück
trifft er alte Kameraden
die den Lebensabend
unter den Behinderten 
unbefangen verbringen wollen

gegen Abend
treffen auf einer selbst erstellten Autorennbahn
Behinderte mit ihren Rennautos
im Behindertenzentrum an

langsam wird dem Mann bewusst
dass es nicht um eine Anstellung geht
sondern dass er für immer
bis an sein Ende
in einer geschlossenen Anstalt lebt


Freitag, 28. November 2025

Das Spiel mit dem Krieg

 Feindliche Gruppen 

treffen auf dem Feld

beim ein-nachten

mit Pfeil und Bogen

aufeinander


manche tragen

einen Sargdeckel

vor sich her


ein Mann

der meint alles sei Spiel 

wird von oben


er sieht ihn

und den Schützen

von einem Pfeil

in den Bauch

getroffen

Der Plan

 Der amerikanische Präsident will mit dem Friedensplan, seinen Freund, den Präsidenten der russischen Föderation, gegen die wehrhafte Ukraine und gegen Freunde der Ukraine in Europa unterstützen.

Würdenträger

 Wladimir Michailowitsch Gundjajew
hat vor einem halben Jahr
Robert Francis Prevost
zu seine Wahl gratuliert 

Robert Francis Prevost

begrüsst den Friedensplan 

der amerikanischen Administration

Gebet

 Worte verweilen über Jahrhunderte 
auch nicht beantwortete Liebesbriefe
in Regale der Bibliotheken 

das was aufkommt
das Gute und das Böse
fordert jeden Tag
zum Besseren 
den ganzen Menschen heraus

niemand kann das Böse mit Worten bannen
im Licht gesehen ist beides böse und gut
schwer zu unterscheiden
nur das stete Bemühen um sich selbst
kann sich der Würde und Wahrheit nähern


das Herz schweigt

solange der Mensch

in seinem Gleichgewicht steht

es tut seine Arbeit Tag und Nacht

gleich einem Gebet

Der Beginn des atomaren Kriegs

 Auf eine Kleinstadt am See
soll demnächst 
eine Atombombe fallen

ein Mann warnt die Menschen
sie sollen einen Bunker aufsuchen

ein Zug mit der Bombe
auf Huckepack 
fährt in den nahen Tunnel 
ein anderer fährt 
aus dem Tunnel hinaus

der Mann versucht
auf einem Schleichweg
durch die Gegend 
hinauf auf den Hügel
in ein nahes Dorf zu fliehen

zwei Brüder

 Der Ältere bekam 
von seinem jüngeren Bruder
einen abstossenden Brief
der Ältere versucht 
ihm darauf 
ohne Feindseligkeit 
zu antworten

der Antwortbrief
nimmt die Handschrift nicht auf
zudem weiß der Ältere 
die Adresse seines Bruders nicht

Abneigung

 Niemand ist davon gefeit eine feindselige Abneigung, ein starkes Gefühl der Ablehnung und Feindschaft in sich zu spüren. Diese Last zu ertragen, nicht nach aussen zu tragen, ist die Antwort an sich selbst und dem Gegenüber.